„Wichtig ist eben, was drinnen ist, nicht, was darauf abgedruckt ist“

Foto: Xavier / adobe Stock / Bearbeitung: jetzt

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Student*innenfutter. Einen Nussmix mit diesem Namen auf dem Etikett gibt es bei „Edeka Wollny“ in Friedberg bei Augsburg. Das ist eigentlich keine Meldung wert. Michael Wollny, der die Edeka-Filiale in Bayern führt, postete auf Twitter aber ein Foto der Nussmischung im Glas mit der Frage: „Welche Gefühle genau verletzt #Gendern eigentlich?“ Der Post geht gerade viral und wird vielfach kommentiert und geteilt. Wir haben bei Michael Wollny angerufen, und gefragt, was seine Mitarbeitenden davon halten, und ob „Studierendenfutter“ nicht mehr Sinn gemacht hätte.

jetzt: Müssen sich Leute Sorgen machen, dass es als nächstes auch Orang*innen geben wird?

Michael Wollny: Und Wassermelon*innen oder ähnliches. Nein, natürlich nicht. Wir fanden das Student*innenfutter einfach spannend und haben es anfangs kommentarlos ins Regal gestellt. Dann haben wir ein Foto davon bei Facebook und Twitter gepostet. Anscheinend besteht rund um das Thema Gendern immer noch ein großer Diskussionsbedarf. Die Debatte interessiert mich auch privat.

Gibt es denn wirklich keine schlechte PR?

Der geflügelte Ausdruck „Jede Werbung ist gute Werbung“ stimmt wohl. Wir haben das Foto des Student*innenfutters aber nicht online gestellt, um auf unseren Edeka-Markt aufmerksam zu machen, sondern, auf das Thema. Student*innenfutter ist auch kein Produkt, das als klassische Werbung für den Markt geeignet wäre. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Menschen aus der Umgebung extra zu uns fahren, um ein Glas mit Student*innenfutter zu kaufen. Wir freuen uns einfach, dass die Debatte unter den Beiträgen läuft und, dass sie kontrovers geführt wird. Noch besser wäre es, wenn sie weniger verbissen und mehr auf der Sachebene stattfinden würde. Wir haben aber nicht vor, den Beitrag oder einzelne Kommentare zu löschen. Nur manchmal greifen wir moderierend ein.

wollny text

Michael Wollny ist schon einmal mit einem Post aus seiner Filiale viral gegangen.

Foto: Michael Wollny

„Es ist spannend, was sich da gerade durch ein einfaches Bildchen auf Facebook entwickelt“

Wenn es nicht um Werbung für euren Supermarkt ging, worauf habt ihr mit dem Student*innenfutter-Post genau abgezielt?

Wir wollten vor allem herausfinden, ob Reaktionen kommen und wenn ja, welche. Es war also eher unsere Neugier. Auf unseren Profilen präsentieren wir regelmäßig neue Produkte oder Lieferanten. Ich bin im Laden an dem Student*innenfutter vorbeigelaufen und habe spontan entschieden, dass wir das auf Social Media abbilden sollten, weil es ein ganz neues Produkt im Sortiment ist. Die Nüsse hatten wir durch Zufall im Katalog entdeckt und über einen Zwischenlieferanten beim Hersteller „Fairfood Freiburg“ bestellt. Es ist spannend, was sich da gerade durch ein einfaches Bildchen auf Facebook entwickelt.

Findet die Debatte nur im Internet statt, oder auch bei euch im Laden? 

Nur digital. Im Laden gab es noch keinerlei Reaktionen auf das Produkt. Wir haben auch schon einige Gläser Student*innenfutter verkauft. Es ist aber so, dass wir die Nüsse nicht so wahnsinnig prominent im Laden platziert haben. Man stolpert also nicht sofort darüber, wenn man den Markt betritt. Man muss sie entweder gezielt in unseren Regalen suchen oder eben zufällig finden. Vielleicht sollten wir einen kleinen Aktionsaufbau machen, um diese Online-Diskussion am Leben zu halten und auch in den analogen Laden zu holen.

Wie stehen die Mitarbeiter*innen des Supermarktes zu dem Produkt?

Sie finden das Produkt in erster Linie lustig und sind amüsiert. Außerdem halten sie es für eine gute und moderne Herangehensweise, um nochmal Aufmerksamkeit auf das Thema des Genderns zu lenken. Es gibt unter den Mitarbeitenden aber keine Lager, die das Gendern strikt befürworten oder ablehnen. Unsere Kollegen und Kolleginnen sind sehr offen und kennen solche Aktionen schon aus der Vergangenheit.

„Ich persönlich finde Studierendenfutter schöner, weil es mir leichter über die Lippen kommt“

Apropos, zu Silvester habt ihr als Event-Supermarkt schon einmal eine Aktion gestartet, die viral ging - ein satirischer Corona-Post über Verschwörungstheorien: inwiefern bringen solche Posts eurem Supermarkt überregionale Bekanntheit ein?

Erst einmal ist es toll, dass wir dadurch überregional bekannt geworden sind. Die Edeka-Gruppe hat selbst keinen, beziehungsweise noch keinen Twitter-Account. Deshalb werden wir insgesamt als Ansprechpartner wahrgenommen, wenn es in irgendeiner Weise um Edeka geht. Wenn Leute also ein Antwort vom Management erwarten, dann werden wir als einzelner Markt auf Twitter getaggt.

Auf Twitter hat der aktuelle Post bereits über 3500 Likes und in der Kommentarspalte wird hitzig diskutiert. Du meintest zu Beginn des Gesprächs, dass dich das Thema auch privat umtreibt: Hättest du den Nussmix Student*innenfutter oder Studierendenfutter genannt?

Ich persönlich finde Studierendenfutter schöner, weil es mir leichter über die Lippen kommt. Als Mann kann ich schlecht bewerten, welche Schreibweise objektiv besser ist. Wenn ich im Alltag gendere, dann nutze ich die neutralen Bezeichnungen. Hier hat der Hersteller eben so entschieden. Ich habe die Nüsse probiert und würde sie wieder kaufen, weil sie gut schmecken – egal, was auf dem Etikett steht. Auf Twitter kam schon der Vorwurf, man würde hier Pinkwashing betreiben. Diese Nüsse sind aber in Bio-Qualität, sie sind fair gehandelt und in einem Pfandglas abgefüllt. Wichtig ist eben, was drinnen ist, nicht, was darauf abgedruckt ist.

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