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Eine Londoner U-Bahn-Station während des Pride Festivals im Jahr 2017.

Foto: Getty Images/Carl Court

Bilder von malerischen Sandstränden an den Wänden von grauen U-Bahn-Stationen sind auf den ersten Blick harmlos. Problematisch wird es, wenn das Land, das da Touristen anlocken will, so gar nicht mit unseren Vorstellungen von Menschenrechten vereinbar ist. Im Hinblick auf LGBTQ-Rechte betrifft das laut dem „Spartacus Gay Travel Index 2019“ aktuell mehr weit als ein Dutzend Länder. Darunter: Katar, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate. In diesen Ländern, die allesamt beliebte Reiseziele sind, werden Homosexuelle verfolgt oder ihnen droht sogar die Todesstrafe.

Und diese menschenverachtenden Gesetze sind nicht unbedingt Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Das Sultanat Brunei etwa hat erst kürzlich ein neues Gesetz erlassen, das Steinigungen von Homosexuellen erlaubt. Diese Nachricht war auch ausschlaggebend für eine Maßnahme von „Transport for London“ (TfL), der Londoner Verkehrsbehörde: Schon im vergangenen Monat hat sie sämtliche Werbeanzeigen für Brunei aus ihren Bussen, U-Bahnen und Haltestellen verbannt. Jetzt hat TfL das Werbeverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln auf elf weitere Länder ausgeweitet: Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Pakistan, Afghanistan, Iran, Saudi Arabien, Jemen, Nigeria, Somalia, Sudan und Mauretanien. Sechs davon bestrafen homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe, in den übrigen fünf ist sie nicht ausgeschlossen. Brunei hat aufgrund massiver globaler Proteste inzwischen angekündigt, die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex nun doch nicht einzuführen.

Initiiert hat die Maßnahme des TfL Caroline Russell, eine Politikerin der britischen Grünen. Die Aktivistin wandte sich mit einem offenen Brief an den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, der dem TfL vorsteht – und hatte prompt Erfolg:

Dem Independent gegenüber sagte ein Sprecher des Bürgermeisters: 

„TfL-Anzeigen werden jedes Jahr von Millionen von Menschen gesehen und angesichts der globalen Rolle, die London im Kampf für LGBT+-Rechte spielt, hat der Bürgermeister TfL aufgefordert zu überprüfen, wie es mit Werbung und Sponsoring von Ländern mit abscheulichen Anti-LGBT+-Gesetzen umgeht.“ Der Bürgermeister sei unglaublich stolz, dass London eine Stadt sei, in der jeder sein könne, wer er will und lieben könne, wen er will.

Aktualisiert am 5. Mai 2019 um 18 Uhr.

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