Ohio: Gesetzesentwurf fordert Umverpflanzung von Eileiter-Schwangerschaften

Zur Verhinderung einer vermeintlichen Abtreibung. Expert*innen sagen: Das ist medizinisch unmöglich.

Eine Frau trägt bei Protesten gegen die strikten US-Abtreibungsgesetze eine Kette, auf der „Abortion“ (Abtreibung) steht.

Foto: AfP/Elijah Nouvelage

Die Diskussion um sogenannte „Heartbeat Bills“, also Gesetze, die in den USA den Abbruch einer Schwangerschaft bereits ab dem ersten Herzschlag des Embryos unter Strafe stellen, wird durch eine Gesetzesinitiative im Bundesstaat Ohio neu entfacht. Dort unterstützen derzeit 21 Republikaner*innen einen Entwurf, der Ärzt*innen zwingen soll, Eileiterschwangerschaften zur vermeintlichen Rettung des Embryos in den Uterus „umzuverpflanzen“ – ein Prozedere, das aus medizinischer Sicht unsinnig und unmöglich ist. Der Gesetzesentwurf mit der Nummer 413 sieht außerdem vor, Ärzt*innen, die weiterhin nach dem ersten Herzschlag Abtreibungen vornehmen, wegen Mordes anzuklagen, was in Ohio mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Nur, wer zuvor alles getan hat, um den Embryo vermeintlich zu retten, wie eben jene Umverpflanzungsoperation, soll keine Strafe befürchten müssen.

Bei einer Eileiterschwangerschaft nistet sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter, sondern eben im Eileiter ein. Manchmal stößt der Körper daraufhin von selbst die Eizelle ab, es kommt zum Schwangerschaftsabbruch. Es kann aber auch passieren, dass der Embryo im Eileiter weiter wächst und dieser schließlich reißt – was für Betroffene sehr schmerzhaft und lebensbedrohlich werden kann. In Deutschland werden deshalb erkannte Eileiterschwangerschaften medikamentös oder operativ entfernt. Das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft liegt bei ein bis zwei Prozent. Es existiert kein medizinisches Verfahren, mit dem ein Embryo vom Eileiter in den Uterus verpflanzt werden kann, um sich darin einzunisten.

Tatsächlich es nicht das erste Mal, dass in Ohio über Umverpflanzungstechniken von befruchteten Eizellen in den Uterus diskutiert wird. Im April 2019 hatte der republikanische Abgeordnete John Becker vorgeschlagen, dass Krankenkassen nicht mehr für Abtreibungen zahlen sollten – allerdings schon für die Umverpflanzung von Eileiterschwangerschaften in den Uterus. Bereits damals hatten diverse Ärzt*innen versucht, ihm die medizinische Unmöglichkeit dieses Vorhabens zu erklären, Beckers Vorschlag wurde auch nicht umgesetzt. 

Das Repräsentantenhaus von Ohio hat 99 Mitglieder, davon gehören 59 der republikanischen Partei an. Somit gilt es aktuell als unwahrscheinlich, dass der neue Gesetzesentwurf es durch die Institutionen schafft. Allerdings ist das Kalkül hinter dem Gesetzesentwurf vermutlich eh ein anderes. Bereits seit April hat Ohio theoretisch eines der strengsten Abtreibungsgesetze der Welt, aufgrund von Gerichtsprozessen ist dieses allerdings bisher nicht in Kraft getreten. Denn generell gilt in den USA weiterhin das Urteil von Roe v. Wade, bei dem der oberste Gerichtshof 1973 Abtreibungen bundesweit legalisierte. Mit einer Welle neuer Abtreibungsgesetze wollen Republikaner*innen dieses Grundsatzurteil aufbrechen.

chha

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