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Foto: Macall B. Polay / HBO

Der amerikanische Fernsehsender HBO ist bekannt dafür, im prüden Amerika eine Ausnahme zu sein: Er produziert und sendet viele Serien und Filme, in denen sehr explizite Sexszenen vorkommen. Das gefällt den Zuschauern offenbar – Serien wie „Game of Thrones“ oder „Girls“ sind überaus erfolgreich mit dem Konzept.

Einigen HBO-Schauspielern scheint zumindest der Dreh solcher Szenen aber nicht besonders viel Spaß zu machen. So beschwerte sich die Schauspielerin Emily Meade, die in der Serie „The Deuce“ eine Porno-Darstellerin spielt, im Zuge der „MeToo“-Debatte

beim Sender. Sie wünschte sich bessere Bedingungen beim Dreh von Sexszenen. Schließlich sei sie bisher immer auf sich allein gestellt gewesen, wenn sie sich zu nackt, zu beobachtet, schlicht unwohl fühlte.

Wenn Meade sich für einen Blow-Job auf den Boden kniet, legt Rodis ihr ein Kissen unter

Mit dem Dreh zur neuen Staffel hat sich das nun tatsächlich geändert. HBO hat nämlich die Intimitäts-Koordinatorin Alicia Rodis eingestellt. Sie war früher selbst Schauspielerin, meist für Rollen, die viel Bewegung, Kämpfe oder Stunts erforderten. Später bildete sie sich weiter, um als Intimitätsexpertin (den Job gibt es im Theater schon länger) arbeiten zu können. Sie sprach dafür viel mit Psychologen, Sozialarbeitern, Anwälten und Sexarbeiterinnen. Mit ihrem neugewonnen Wissen, wie Sexszenen für die Beteiligten angenehmer werden können, schützt und unterstützt sie nun also Schauspieler.

Wenn Meade sich für den Dreh eines Blow-Jobs auf den Boden kniet, legt Rodis ihr ein Kissen unter, damit ihr die Knie nicht wehtun. Sie bietet ihr Mundspray zwischen den Szenen an, reicht ihr Stoff, wenn Meade sich bedecken will, und gibt Rat, wann immer die Schauspielerin ihn braucht. Auch den anderen Schauspielern hilft Rodis so weiter.

Weil Rodis' Arbeit offenbar viel brachte, entschied sich David Simon, der Macher der Serie, nie wieder ohne eine Intimitätskoordinatorin oder einen Intimitätskoordinator drehen zu wollen. Das zumindest sagte Simon dem Rolling Stone. Inzwischen hat sich sein Ansatz offenbar im ganzen Sender verbreitet, die Anwesenheit von Intimitäts-Koordinatoren beim Dreh von Sexszenen soll nun sogar verpflichtend gelten. Nicht nur am Set von „The Deuce“, sondern auch bei jeder anderen HBO-Produktion.

Rodis soll dafür noch weitere Intimitäts-Koordinatoren ausbilden und ist offenbar sehr froh darüber. Sie sagte dem Rolling Stone gegenüber: „Ich verstehe sowieso nicht, wie das Thema so lange so sehr ignoriert werden konnte. Da ist so viel Druck am Set, genau wie der Gedanke, dass Schauspieler alles einfach so machen müssen.“

Rodis hilft, sexuelle Handlungen realer aussehen zu lassen, obwohl sie weniger real sind

Genau dieser Gedanke soll sich nun aber ändern. Über Sexszenen werden ab sofort die Intimitäts-Koordinatoren die Schauspieler informieren. Sie sprechen dann erst einmal mit ihnen darüber, ob die sich mit den Anforderungen wohlfühlen und ob auch keine persönlichen Grenzen überschritten werden. „Damit sicher ist, dass alles einvernehmlich geschieht, bevor wir weitermachen“, sagt Rodis dem Rolling Stone.

Meade erleichtert Rodis Anwesenheit sehr. Sie sagt: „Es geht nicht so sehr um die Dinge, die sie tut. Sondern darum, dass man jemanden anders als nur sich selbst hat, der an einen denkt. Die Geste zählt.“ Rodis gibt ihr aber auch wertvolle Tipps, die sie noch nicht kannte: „Sie hilft uns beim Choreographieren, sodass die Dinge, die wir tun, realer aussehen, obwohl sie viel weniger real sind.“

Intimitäts-Koordinatoren helfen Schauspielern also auch dabei, die Handlungen ihrer eigenen Person und ihrer Rolle zu trennen. Hatte Meade, wie sie selbst sagt, vorher einfach gemacht, was sie privat auch macht, geht sie Sexszene jetzt anders an.

Um echten Sex besser zu machen: