2020, nimm das!

Das Jahr war verkorkst. Aber da geht noch was. Mit diesen Profi-Tipps legst du kurz vor Jahresende endlich los mit Yoga, Malen, Aufräumen, Kochen, Altersvorsorge und anspruchsvoller Literatur.
Von Marcel Laskus
sammelgeschicte tipps schaffen

Illustration: FDE

2020 war ein Jahr, bei dem sehr viel schiefging. Und es ist noch nicht mal vorbei. Aber ein versöhnliches Ende, wenigstens das ist noch drin! Wir haben sechs Expert*innen um ihre besten Tipps gebeten, wie wir uns dazu aufraffen, endlich anzufangen mit Yoga, Malen, Aufräumen, Kochen, anspruchsvoller Literatur. Und – jetzt bitte trotzdem weiterlesen – mit der Altersvorsorge.

Wie du mit dem Kochen anfängst

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Foto: Tobias Stahel

Von Meta Hiltebrand, Schweizer Fernsehköchin, Kochbuchautorin und Gastrounternehmerin

„Zwei Tipps gebe ich Anfängern, die mit dem Kochen anfangen wollen. Erstens: Bloß nicht gleich Rezepte von Sterneköchen nachmachen. Viel mehr Freude macht es, mit etwas Einfachem zu beginnen. In der Schweiz, wo ich lebe, bekommt jedes Kind in der Schule das sogenannte ,Tiptopf‘-Buch. Es ist das beste Basic-Kochbuch der Welt, weil darin etliche tolle Rezepte für grundlegende Gerichte stehen. Man kann es auch im Internet bestellen. Die Rezepte sind verständlich – auch ich koche noch immer damit – und zum Beispiel der Schokokuchen oder die Spätzle, sind die besten, die ich kenne. Hat man diese einfachen Rezepte dann drauf, kann man später immer noch experimentieren. Aber nur wer die Basics beherrscht, ist eine gute Köchin. 

Mein zweiter Tipp ist: Niemals Gerichte kochen, die einen emotional berühren. Die Knödel meiner Mutter gelingen mir nie. Ich kann sie einfach nicht so gut wie sie. Versucht man die Gerichte der Eltern oder jene aus dem tollen Italienurlaub nachzukochen, dann kann das nur enttäuschen – und das verdirbt die Lust am Kochen. Stattdessen: Lieber an ,kühlen' Gerichten versuchen, zu denen man noch keinen persönlichen Bezug hat.“

Wie du Malen und Zeichnen lernst

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Foto: Privat

Von Shania Bo, die Mal- und Zeichenkurse bei Youtube gibt

„Willst du besser im Zeichnen oder Malen werden, dann nimm dir ab heute vor, jeden einzelnen Tag etwas zu zeichnen. Jeden. Einzelnen. Tag. Ein paar schnelle Skizzen reichen vollkommen aus – für den Anfang sind sie sogar das Beste, was du machen kannst! Steck nicht zu viel Zeit in ein einzelnes Kunstwerk, indem du es schattierst oder kolorierst, wenn die Skizze – das Fundament deiner Zeichnung – noch nicht sitzt. Gib dir für jedes Motiv nur ein paar Minuten Zeit und skizziere grob das, was du siehst. So wird es dir mit der Zeit immer leichter fallen, Proportionen und Perspektiven zu erkennen und sie in deinen Zeichnungen einzubauen.

Vergiss nicht, dass diese Skizzen nicht unbedingt dafür da sind, eingerahmt an der Wand zu enden. Sie sind Übungen, die lediglich dazu dienen, dich besser zu machen. Wenn dir zwischendurch eine Skizze gut gefällt, dann scheue allerdings nicht davor zurück, sie ein wenig auszuarbeiten. Bedenke: Jeder große Künstler hat für jedes Kunstwerk, welches im Museum hängt, unzählige Skizzen im Schrank liegen, die außer ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit niemand jemals gesehen hat oder jemals sehen wird. Kunst ist vor allem aber, mehr noch als ein Talent oder ein Handwerk, ein Hobby. Es ist toll, schöne Werke zu erschaffen, aber wenn einem der Spaß am Erschaffen fehlt, ist es das Endergebnis nicht wert.”

Wie du mit der Altersvorsorge anfängst

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Foto: Finanztip

Von Saidi Sulilatu, Youtuber beim Geldratgeber Finanztip

„Mein Tipp: Nicht lange abwägen, sondern mit einer einfachen Lösung anfangen. Ich würde es so machen: Zunächst eröffne ich ein Wertpapierdepot bei einer günstigen Online-Bank. Dort richte ich einen Sparplan mit geringen Kosten auf einem weltweiten Aktienindex ein. Zum Beispiel mit einem ETF, das ist ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird, auf dem ,MSCI-World', das ist ein globaler Aktienindex, der die Kursentwicklung von Aktien aus 23 Ländern abbildet. Hier streut mein Geld auf 1 600 der größten Aktiengesellschaften: von Apple über Google und Adidas bis hin zur Allianz. 

Ab sofort spare ich damit dann jeden Monat etwas für die Rente. Jede Rate, die da reingeht, lasse ich für mindestens 15 Jahre in Ruhe. Denn langfristig kann so eine Aktienanlage eine solide Rendite bringen – in Zeiten, wo es sonst praktisch nur noch Nullzinsen gibt. Also: Jetzt noch schnell den Sparplan zum 1. Januar einrichten – und wenigstens ein Neujahrvorsatz ist bereits eingehalten.“

Wie du mit Yoga loslegst

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Foto: Susanne Schramke

Von Sinah Diepold, Sportwissenschaftlerin und Yogalehrerin

„Klar, Yoga kommt aus einer spirituellen Richtung. Aber das sollte niemanden abschrecken, denn es kann erst einmal das sein, was man braucht: Es darf die tägliche Übung zum Dehnen sein oder zum besseren Atmen. Und Yoga darf natürlich auch einen geilen Arsch machen. Es ist das, was du brauchst. Die spirituelle Seite von Yoga ist erst einmal sekundär. 

Um anzufangen, braucht man keinerlei Equipment, nicht mal eine Matte, notfalls reicht der Teppich. Auf dem Boden liegen und atmen – ja, schon das ist Yoga! Am wichtigsten bei Yoga ist es, es einfach zu machen, Spaß zu haben und offen für etwas Neues zu sein. Die Magie des Yoga entfaltet sich, während man auf der Matte ist. Und der Effekt des Sich-besser-fühlens kommt schon nach wenigen Minuten. Erfolgserlebnisse sind sofort da, da reichen schon fünf bis zehn Minuten am Tag. 

Der Zugriff auf Online-Yoga-Kurse war nie einfacher. Und noch ein Tipp: Um sich selbst auszutricksen und endlich aufzuraffen, empfehle ich, gleich Termine zu setzen für die Yogastunde: am besten an einem Live-Stream, so hat man eine feste Uhrzeit im Kalender. Und dann noch einen Freund oder einer Freundin dazu holen, ob am Bildschirm oder zusammen auf der Matte. Das Gefühl von Gemeinschaft treibt noch einmal zusätzlich an.”

Wie du daheim Ordnung schaffst

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Foto: Andrea Mühleck

Von Veronica Zapp, Ordnungs- und Life-Coach

„Einer der größten Stolpersteine, die ich in der Arbeit mit meinen Kunden sehe, ist: Zu viel auf einmal wollen. ,Heute räumen wir mal den kompletten Keller, den Speicher, die Garage auf‘, höre ich dann. Da sage ich: Ääääh, nein! Lieber nicht. Es sei denn, man hat genug Zeit und Nerven, auch wirklich in einem Rutsch fertig zu werden. Sonst sieht es teilweise schlimmer aus als vorher und aus Frust macht man erstmal gar nichts mehr.

Daher: Klein anfangen und größere Projekte in kleine Schritte aufteilen. Nur eine Schublade in der Küche. Nur die Socken, nicht den ganzen Kleiderschrank. Ein Regalbrett im Wohnzimmer oder Büro. Das dafür dann aber komplett fertig. Da sieht man schnell einen Erfolg und ist motiviert, dranzubleiben. Timer stellen für 15 Minuten und los geht’s. Schnell entscheiden, ob das Ding bleiben darf oder nicht. Ein guter Indikator ist die Frage: ,Würde ich mir das Ding ​heute​ zum vollen Preis nochmal kaufen (oder nachkaufen, wenn ich es verliere)?‘

Vielen hilft es, sich darauf zu konzentrieren, was sie durchs Aufräumen langfristig gewinnen. Zum Beispiel Platz, Zeit, Geld, innere Ruhe. Und wenn man doch so gar keine Lust oder Zeit hat zum Aufräumen? Dann gibt es Menschen wie mich, die man beauftragen kann, Ordnung ins Chaos zu bringen. Sowohl im Kopf als auch im Kleiderschrank. Organisiert zu leben, kann man nämlich lernen wie Englisch oder Kochen.”

Wie du auch mal ein anspruchsvolles Buch liest

jahresendspurt text alice staskova

Foto: Anne Günther (Universität Jena)

Von Alice Stašková, Direktorin des Institutes für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Jena

„Es könnte als eine etwas billige Provokation erscheinen, dass ich als Lektüre bis zum Ende dieses weiterhin unberechenbaren Jahres, gerade Georges Perecs ,Das Leben. Gebrauchsanweisung‘ von 1978 empfehle. Das Buch ist Hunderte von Seiten lang, noch dazu in erzählender Prosa und höchst ungewöhnlich. 

Aber nein, ich bestehe auf Perecs Buch. Im Untertitel führt es die Bezeichnung ,Romane', tatsächlich im Plural, und dieser Plural signalisiert eine bunte und kurzweilige Lektüre, die eine Art Summe der menschlichen Lebensläufe bietet. Es geht dabei um Schicksale, die sich phantasieren lassen, wenn man hinter die Fassade eines großen Mietshauses blickt. Wer an hochkarätiger literarischer Qualität interessiert ist, kommt mit diesem Buch voll auf seine Kosten. 

Gleiches gilt für all jene, die einfach eine oder gleich mehrere spannende Geschichten lesen möchten. Denn man kann in dem Buch ja auch nur blättern, hie und da einer Erzählung folgen, sich bis hin zu den tragischen Abgründen der zentralen Geschichte dieser Romane verführen lassen – oder eben nicht. Auch für Knobler oder für Schachspieler ist Bestes dabei: Bei der Sichtung der bloßgestellten Räume jenes Hauses folgt man dem Springer beim Schachspiel. Allerdings braucht man, um das faszinierend zu finden, das Schachspiel weder zu kennen noch zu meistern. Denken Sie sich einfach eine Hausfassade weg – und lesen Sie, wie man von dem, was sich dann dem Blick darbietet, großartig erzählen kann.”

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