Horror-Nachbar: Das spuckende Kind

Die Polizei stand nach der Party zwar nicht vor der Tür, dafür der Vater des spuckenden Kindes.
Illustration: FDE

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Manche Nachbar:innen sind schlimmer als andere, in dieser Kolumne erzählen wir von ihnen. Diesmal geht es um das gemeine Kind aus dem Nachbarhaus. Die gezielten Spuckattacken stören unseren Autor massiv. 

Horror-Stufe:  5  von 10  

Der Nachbar: Das spuckende Kind 

Die Wohnatmosphäre: Langweiliger Außenbezirk, bedrohte Balkonidylle 

Als die Spucke des zwölfjährigen Jungen zum ersten Mal in den Haaren einer Freundin landete, war schon klar, dass dies keine gute Nachbarschaft werden würde. Wir saßen auf unserem Balkon, rauchten und tranken. Das Radio lief, wir sprachen über die Arbeit, und da passierte es. Das Kind lehnte sich über die Balkonbrüstung seiner Wohnung, sodass unser Balkon in Reichweite war. Dann zog es den Schnodder ein, sammelte ihn im Gaumen und rotzte der Freundin eine dicke Ladung in die Locken. Das Kind lachte und knallte die Balkontür zu. Die Freundin ging ins Bad und wusch sich die Haare aus. 

Die Wohnung, um die es geht, war in München, wir wohnten dort als WG. Das spuckende Kind lebte neben uns im Reihenhaus, unsere Balkone berührten sich. Das Haus stand in einem der äußeren Innenstadtbezirke in München, keinem von den Schönen. Wir redeten uns immer ein, dass unser Stadtteil bald das neue In-Viertel sei. Bald würden die Schlüsseldienste tollen Cafés weichen. Bis heute ist das nicht passiert. Dafür gibt es viele orthopädische Arztpraxen und Geschäfte für Outdoorklamotten. 

Immerhin hatten wir einen Balkon. Er ging nach hinten raus, ins Grüne. Er war zu klein, aber das sind ja alle Balkone. Ein Tisch und zwei Stühle passten gerade so hin. Eine mittelschwere Taubenplage versaute uns den Balkon kurzfristig, aber wir zogen uns Handschuhe an, kratzten den Kot vom Boden und hingen ein Netz auf. Das half gegen die Tauben. Aber nicht gegen das spuckende Kind. 

Laute Schreie und Wasserattacken

Das Kind spuckte nicht nur, es nervte auch so. Wenn wir auf dem Balkon saßen und das Kind auch da war, äffte es uns nach. Es kreischte, verstellte die Stimme. Manchmal pfiff es auch. Oder es schrie einen kurzen Schrei in den Hinterhof. Es war seltsam. Doch wir ließen es gewähren.  

Schlimm wurde es im Sommer. Das spuckende Kind hatte nicht das beste Verhältnis zu seinen Eltern. Immer wenn sie stritten, und sie stritten recht häufig, sperrten die Eltern das Kind zur Strafe für ein paar Minuten auf den Balkon. Während wir darüber diskutierten, ob das im Jahr 2022 noch sein müsse, ein armes Kind einfach aussperren, hörten wir ein Gurren. Das spuckende Kind machte jetzt die Tauben nach. Dann landete ein Wasserstrahl auf unserem Balkon. Das spuckende Kind hatte jetzt eine Wasserpistole. 

„Ey, kannst du das mal lassen“, sagte mein Mitbewohner. 

„Ey, kannst du das mal lassen?“, sagte das spuckende Kind. 

Mich hat das spuckende Kind zweimal angespuckt, zum Glück hat es mich immer verfehlt. Die Freundin blieb sein einziger Treffer. Irgendwann ging mir sein Verhalten so auf die Nerven, dass ich mir vornahm, mal was zu den Eltern zu sagen. Die Gelegenheit dazu sollte ich bald bekommen.  

Konfrontation mit dem Vater

Wir machten eine Party. Unter der Woche. Im Haus wohnten viele Familien. Unter der Woche macht man keine Partys in Randbezirken, in denen eigentlich Familien wohnen. Aber wir hatten irgendwas zu feiern, ich weiß nicht mehr was. Am Tag danach, wir lagen verkatert wie die Hunde in unseren Betten, klingelte es. Ich öffnete. Wie naiv. 

Ein Mann polterte die Treppe hoch. Dann stand er vor mir, ein riesiger Kerl. Es war der Vater des spuckenden Kindes. Er schrie mich an, was für arbeitslose Arschlöcher wir seien und was wir uns erlaubten: eine Party unter der Woche! Er war so sauer, dass mir seine Spucke beim Schreien ins Gesicht flog.  

Seine Stimme war so laut, dass andere Türen im Hausflur langsam aufgingen. Die Nachbarn lauschten fröhlich, wie er uns, die Partyarschlöcher, runterputzte. Ich entschuldigte mich demütig und beteuerte, dass Partys ab jetzt nicht mehr stattfinden würden. Er beruhigte sich nicht, schrie weiter, einige Minuten lang. Ich fühlte mich, als würde jemand eine Kreissäge an mein armes Gehirn halten.    Dann war es vorbei. Er ging. Ich schloss die Tür und fühlte mich schlecht. Ich setzte mich auf den Balkon. Die frische Luft tat gut. Dann fiel es mir ein. Ich hatte vergessen, ihm zu sagen, dass sein Kind uns immer anspuckt.

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