Horror-Nachbar: Der Club

Prügeleien, Belästigung, Lärm: Dass es so schlimm werden würde, über einem Club zu wohnen, hatte unsere Protagonistin nicht gedacht.
Illustration: FDE

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Manche Nachbar:innen sind schlimmer als andere, in dieser Kolumne erzählen wir von ihnen. Jana, 23, zog für ihr Studium nach Dortmund und wohnt seitdem über einem berüchtigten Club. Aggressive Partygäste inklusive. Unsere Autorin Anastasia hat mit ihr gesprochen und ihre Schilderungen als Protokoll aufgeschrieben. 

Horror-Stufe:  10 von 10  

Die Nachbar:innen: Ein Club 

Der Vibe: Eskalation 

„Meine Vormieterin und meine Mitbewohnerin versicherten mir vor dem Einzug: ‚Das ist alles nicht so schlimm mit dem Club unten!‘ Am Wochenende sei es ein bisschen laut – mehr aber auch nicht. Doch schon bald sollte ich das Gegenteil erleben.

Das Haus, in dem ich übrigens noch heute wohne, liegt direkt in der Dortmunder Fußgängerzone. Von der Straße aus muss ich in einen kleinen überdachten Eingang rein, dort sind zwei Türen nebeneinander: rechts die Haustür, links der Eingang zum Club, dazwischen befinden sich die Klingelschilder – breiter ist der Abstand zwischen den Türen nicht.

Es erschreckte mich schon bei der ersten Besichtigung, wie heruntergekommen der Eingang aussah und wie sehr der Boden klebte. Trotzdem zog ich ein – denn das Zimmer war sehr groß und günstig und ich hatte mich mit der Mitbewohnerin super verstanden. Wie schlimm konnte es schon sein, über einem Club zu wohnen?

Das sollte ich schon nach einigen Tagen erfahren: Als ich gegen 4.30 am Morgen von einer Party nach Hause kam, sah ich schon von weitem die Menschenmenge vor meiner Haustür. Ich hatte gar keine Lust, mich an ihnen vorbei zu drängen und entschied mich dafür, über den Hintereingang reinzugehen, den meine Mitbewohnerin erwähnt hatte.

Ich konnte an ihren Stimmen hören, dass die Männer mir folgten

Als ich mich näherte, bemerkte ich zwei Männer, die mir etwas zuriefen, was ich nicht verstand. Ihre Aufmerksamkeit machte mich unruhig, doch ich versuchte mich selbst zu beruhigen. Sicher meinten sie jemand anderen. Als sie dann aber direkt auf mich zugingen und ,Hey Lady‘ riefen, merkte ich, dass tatsächlich ich mit ihren Rufen gemeint war.

Ich ging zügig an ihnen vorbei, um zum Hintereingang zu kommen – aber bog falsch ab und stand vor einem geschlossenen Einkaufszentrum. Ich konnte an ihren Stimmen hören, dass die Männer mir folgten und näher kamen. Ich floh in ein Parkhaus links von mir. Dort versteckte ich mich hinter einem Auto. Die Männer hatten mich so zwar aus den Augen verloren, verfolgten mich aber weiter und riefen immer wieder nach mir. Irgendwann wurden sie wütend und fingen an, mich frauenfeindlich zu beleidigen.

Nachdem sie mich öfter als ,Schlam**‘ bezeichnet hatten, gaben sie auf und verließen das Parkhaus. Nach einiger Zeit verließ ich mein Versteck und sprach zwei vergleichsweise nüchterne Menschen auf der Straße an, die mich bis zu meiner Haustür begleiteten. Ich war mehr als erleichtert, als ich die Wohnungstür hinter mir schloss. Zur Sicherheit schob ich den Türriegel vor. Schlafen konnte ich jedenfalls nicht gut.

Nach der Verfolgung glaubte ich, das Schlimmste bereits erlebt zu haben. Doch die nächste Nacht wurde schlimmer. Ich lag in meinem Bett, als ich gegen vier Uhr aufwachte. Vor dem Haus war es laut geworden, sehr laut. Als ich aus dem Fenster schaute, um zu sehen, was auf der Straße passierte, sah ich mehrere Gruppen von Leuten, die sich beleidigten und prügelten. Die Stimmung war sehr aggressiv und ich war schockiert.

Leute schmissen Mülltonnen durch die Gegend, Frauen verprügelten sich gegenseitig

Ich sah zwei Männer, die ihre Schlägerei kurz unterbrachen, einer von ihnen schlug seine Bierflasche gegen die Hausfassade auf der anderen Seite und stach mit der kaputten Bierflasche auf den anderen Mann ein. Sowas hatte ich noch nie erlebt. Zwar kam die Polizei, die ich alarmiert hatte, schnell dazu – ich erholte mich aber nur langsam von diesem Anblick. 

Ich bin trotzdem geblieben, doch seit dieser Erfahrung nutze ich abends am Wochenende nur noch den Hintereingang. Etwas Vergleichbares geschah in meiner Anwesenheit zwar nie wieder. Trotzdem rief ich in den folgenden Wochen wegen anderen Schlägereien immer wieder die Polizei. Leute schmissen Mülltonnen durch die Gegend, Männer warfen Frauen gegen die Wand oder Frauen verprügelten sich gegenseitig. 

Vier Monate nach meinem Einzug musste der Club aufgrund der Corona-Pandemie  schließen, er hatte sich wohl nicht mehr finanzieren können. Vor einigen Tagen habe ich nun erfahren, dass ein neuer Besitzer den Raum übernommen hat. Ein Techno-Club soll einziehen. Zum Glück bin ich fast fertig mit meinem Studium.“

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