Horror-Nebenjob: Eine ewig schmutzige Glastüre putzen

Manche Ferienjobs sind kurioser als andere. Heute erzählt Leserin Theresa, wie sie in einer Autobahnraststätte gegen Fingerabdrücke an einer Scheibe kämpfte.
Protokoll von Philina Berati
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Glasscheibe putzen – für unsere Leserin ist dieser Job in eher unschöner Erinnerung geblieben.

Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

Manche Jobs sind schlimmer als andere – in dieser Serie erzählen wir von unseren und euren schrägsten Nebenjobs. Diese Geschichte hat unsere Leserin Theresa erlebt und uns am Telefon erzählt. 

Horror-Stufe: 7 von 10

Chef: Ein Mann, der nur auftauchte, wenn es etwas zu Meckern gab

Bezahlung: 7 oder 8 Euro die Stunde

Erlernte Skills: Keine

„Mit 17 oder 18 Jahren habe ich in den Sommerferien vier Wochen lang in der Autobahnraststätte Bergen an der A8 Salzburg-München gearbeitet, um Geld für meinen Führerschein zu verdienen. Mein Job war es, das benutzte Geschirr von den Tischen zu räumen und den Gastraum sauber zu halten. Doch die meisten Gäste räumten ihre Tabletts selbst in die dafür vorgesehenen Geschirrwagen. Und da es nicht so viel Zeit in Anspruch nahm, die Tische abzuwischen, bekam ich am zweiten Tag die zusätzliche Aufgabe, die Glastüre am Eingang sauber zu halten. In den Sommerferien sind da entsprechend viele Leute ein- und ausgegangen. Es dauerte nicht lang, bis ich mich fragte: Warum zur Hölle baut man eine Glastür an den Eingang einer Autobahnraststätte?!

Kaum war sie sauber, waren direkt wieder Fingerpatscher an der Scheibe

Natürlich fassen ALLE MENSCHEN mit ihren Fingern an diese verdammte Glastür. Deshalb habe ich die ganzen vier Wochen lang fast nichts anderes gemacht, als die Tür zu putzen. Kaum war sie sauber, waren direkt wieder Fingerpatscher an der Scheibe.

An das schlimmste Erlebnis kann ich mich auch zehn Jahre später noch gut erinnern: Irgendwann bin ich dazu übergegangen, den Leuten diese Tür aufzuhalten, damit sie sie nicht anfassen. Die Kunden waren auch immer total nett und haben mich angelächelt. Dann kam aber mein Chef um die Ecke und hat mich vor allen Leuten zur Sau gemacht: Das sei so nicht abgemacht gewesen und es gebe einen guten Grund, die Tür geschlossen zu halten – wegen der Klimatisierung. Er bezahle mich schließlich nicht dafür, die Tür aufzuhalten! 

Meine Kolleginnen und Kollegen waren sonst alle sehr nett. Sie saßen an der Kasse oder haben das Essen ausgeteilt und waren alle deutlich älter als ich. Zwar verstanden sie auch nicht so richtig, warum über die Sommerferien extra jemand eingestellt wurde, um Tabletts zurück zu tragen und die Tür sauber zu halten. Trotzdem waren sie eigentlich immer auf meiner Seite –doch als mein Chef mich angepampt hat, hat mich niemand verteidigt. Vielleicht haben sie das aber auch gar nicht mitbekommen.

Habe ich dabei gelernt, wie man eine Fensterscheibe perfekt putzt? Schön wär’s!

Gearbeitet habe ich den ganzen Tag, immer sechs bis acht Stunden. Ich kam mir wirklich dämlich vor, weil ich ja genau wusste, dass es keinen Sinn ergibt, diese Scheibe den ganzen Tag zu putzen. Habe ich dabei gelernt, wie man eine Fensterscheibe perfekt putzt? Schön wär’s! Ich kann es heute noch nicht, es bleiben immer noch Schlieren. Gebracht hat mir dieser Job, bis auf das Geld, nichts. Ich habe mehr Zeit damit verbracht, die Leute zu beobachten, die ein und aus gingen, als irgendetwas Sinnvolles zu tun. Trinkgeld habe ich auch keins bekommen. 

Durchgezogen habe ich den Job trotz allem. Im Nachhinein ist die Erinnerung daran natürlich eine lustige Geschichte. Man kann drüber lachen und sich denken: „Mein Gott, was sind schon vier Wochen?“ Ich finde es auch immer besser, etwas durchzuziehen, als es sofort hinzuschmeißen. Es war ja nur für meinen Kopf frustrierend. Ansonsten ist mir nichts passiert, es war keine körperlich schwere Arbeit. Und am Ende war es den Frust doch wert: Ich konnte meinen Führerschein zumindest teilweise selbst finanzieren.“

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