Horror-Party: Das erste Mal Kiffen beim GNTM-Finale

Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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Man vergisst leicht, dass Feiern nicht immer nur spaßig ist. In dieser Serie erzählen wir deshalb von den schlimmsten Partys, auf denen wir in unserem Leben waren. Viel zu viel Alkohol, grässlich langweilige Verwandte, emotionale Tiefpunkte – es gibt ja viel, das eine Feier vermiesen kann. Falls du selbst von einer schlimmen Party erzählen willst: Schreib uns eine Mail an info@jetzt.de! 

Horrorstufe: 6/10

Center of Attention: Ein einziger Joint 

Trinkverhalten: Zum Glück nichts

„Sollen wir uns diese Menthol-Kippen kaufen?“, textet mir meine beste Freundin Lina auf Whatsapp mit einem Bild von einer grünen Marlboropackung. Ich, 16, fühle mich ziemlich cool als ich „Yep“, antworte und mir vorstelle, wie ich später mal mit einer Kippe im Mund in einem Café sitzen, Zeitung lesen und meinem Beruf als Journalistin nachgehen werde. Sieben Jahre später kommt mir das  überhaupt nicht mehr cool vor. Doch damals, 2015, bin ich mir ziemlich sicher, dass das die Person ist, die ich gerne sein möchte. Auf einem dunklen Parkplatz rauchen Lina und mein 16-jähriges Ich also unsere erste Kippe, besser gesagt, wir husten sie.

Das alles ist wichtig um zu verstehen, warum ein anderer Abend, einige Wochen später, zum Desaster werden sollte. 

Es ist Donnerstagabend, es läuft das Germany’s Next Topmodel-Finale. Lina und ich sind große GNTM-Fangirls und unsere Boyfriends haben gar keine Wahl, als dieses Großereignis mit uns zu schauen. Als Lina mich in der Schule fragt, ob ihr Freund Marcel uns auch etwas Gras besorgen soll, bin ich natürlich dabei. Wenn ich nachts auf einem verlassenen Parkplatz Menthol-Kippen rauchen kann, bin ich ja quasi schon eine Kifferin. Wie gesagt, die Person, die ich gerne sein will. 

Vom Kiffen kriegt man Heißhungerattacken, das weiß wirklich jede:r 

Das Event steht also fest. Marcel hat den Stoff schon von unserem „Schuldealer“ besorgt (wer das damals gewesen sein soll, ist mir bis heute ein Mysterium) und wir treffen uns abends in der Wohnung seiner Eltern. Insgesamt sind wir zu fünft: Mein Freund Eric und ich, Lina, Marcel und Marcels kleine Schwester Margot, die uns zu dem Zeitpunkt ziemlich nervt. Natürlich haben wir genug Snacks besorgt, denn: Vom Kiffen kriegt man Heißhungerattacken, weiß ja jede:r. 

Marcel betont ziemlich stolz, dass er heute Abend sturmfrei hat und ich frage mich, warum das überhaupt wichtig sein soll: Die Wohnung ist für einen Hygiene-Freak wie mich ein absoluter Albtraum. Die Eltern von Marcel und Margot sind selbst krasse Raucher:innen. In der Küche stehen volle Aschenbecher, auf Zeitungsstapeln sind Aschereste verteilt. Es riecht nach kaltem Rauch.

Aber wir wollen das Finale zum Glück nicht in der Küche gucken, sondern im Wohnzimmer. Alle sind ziemlich aufgeregt. Nur Eric ist die ganze Kiff-Geschichte zuwider. Er hat mir schon vorher klar gemacht, dass er nicht kiffen möchte. Auch mein Betteln, dass wir doch noch jung seien und unser bestes Leben jetzt leben müssen, haben ihn nicht überzeugt. Während ich also euphorisch auf Marcel blicke, der kichernd den Joint für uns dreht, sitzt Eric eher unbeholfen neben mir und isst Chips. Er hat wohl einfach keinen Sinn für diesen, wie ich zu diesem Zeitpunkt noch finde, magischen Moment. 

Wir beschließen, zuerst noch ein bisschen Heidi, Thomas und Thomas (den damaligen GNTM-Juror:innen) zuzugucken und dann in der Werbepause auf dem Balkon zu kiffen. Und irgendwie fängt der Abend ab dem Zeitpunkt an, schlecht zu werden. Denn das Finale von GNTM, auf das Lina und ich uns seit Wochen gefreut haben, ist nämlich das sogenannte Bombendrohung-Finale. Auf einmal sehen wir auf dem Bildschirm gar nicht mehr das Finale, sondern Wiederholungen von alten Folgen. Zu dem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass Heidi Klum gerade von einer Bombendrohung erfahren hat, und deshalb so viele Wiederholungen und Werbepausen geschaltet werden. Um die Langeweile zu überbrücken, gehen wir also jetzt schon auf den Balkon. 

Das Ganze entwickelt sich allmählich zu einer Hustorgie

Der Joint ist gedreht, wir alle draußen, Margot, zu dem Zeitpunkt 15, hat ihren großen Bruder Marcel mittlerweile überredet, dass sie auch ziehen darf. Marcel, der Nichtraucher, bläut uns nochmal ein, dass wir auf jeden Fall auf Lunge ziehen müssen. Wir sind bereit, ziehen nacheinander – und dann geht das Gehuste los. Panisch versuche ich den Rauch runterzuschlucken, um meinen Zug bloß nicht zu vergeuden. Das klappt natürlich nicht auf Anhieb, ich schnappe nach Luft. Der süßliche Geschmack des Joints klebt eklig in meinem Mund. Hustend und mit Tränen in den Augen schaue ich zu Lina rüber: Bei ihr läuft es nicht besser. Das Ganze entwickelt sich allmählich zu einer Hust-Orgie, bei der ich mir ziemlich blöd vorkomme. Eric schaut mich mitleidig von der Seite an und geht dann rein. Ich als coole Kifferin, das hatte ich mir irgendwie deutlich lässiger vorgestellt. Aber zumindest, denke ich mir, wartet das wortwörtliche Highlight ja noch auf mich. 

Aber dann passiert: nichts. Auch nach einer halben Stunde spüre ich noch nichts von dem blöden Joint. Marcels kleine Schwester spürt dafür angeblich umso mehr. Sie beteuert uns, dass sie auf jeden Fall auf einem „Trip“ sei und wird nicht müde, uns ihre angeblich roten Augen zu zeigen. Marcel, der selbst schon ein paar Mal gekifft hat, kichert und hängt müde auf der Sofacouch seiner Eltern. Zu dem Zeitpunkt wird dann auch das GNTM-Finale offiziell abgebrochen – und damit ist der Abend endgültig gelaufen. 

Ich fühle mich unreifer denn je. Die ganze Aktion kommt mir lächerlich vor und high bin ich überhaupt nicht geworden. Auch Erics tadelnder Blick hilft mir nicht. Aber bevor ich mit Eric nach Hause radle, sprühe ich mich immerhin noch mit reichlich Deo ein – wie eine echte, heimliche Kifferin. 

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