Horror-Schwiegereltern: Die Besserwisser

Das Blöde an der Liebe: Den Partner sucht man sich selbst aus, die Schwiegereltern nicht. In dieser Serie erzählen wir davon.
Protokoll von Melanie Maier

Alter zum Zeitpunkt der Beziehung: Sie 32, er 30

Beziehungssituation: Seit sechs Jahren zusammen, seit zwei Jahren verheiratet

Horrorstufe: 4 von 10

„Bis vor Kurzem bin ich sehr gut mit meinen Schwiegereltern ausgekommen. Im Laufe der Jahre haben wir so etwas wie einen gemeinsamen Nenner gefunden. Zumindest dachte ich das. Ich war sehr glücklich mit der Situation, denn im Gegensatz zu manchen Freundinnen, fand ich meine Schwiegereltern richtig cool. Klar, sie hatten schon immer ein paar Ansichten, mit denen ich nicht so einverstanden war und haben manche Dinge getan, die ich komisch fand, aber im Großen und Ganzen war alles gut.

Dann hat sich alles geändert. Mein Mann und ich haben zwei Kinder, eine dreijährige Tochter und einen Sohn, der im März ein Jahr alt wird. Die Große darf immer mal wieder einen Nachmittag mit ihren Großeltern verbringen. Vor einer Weile war Klara* wieder bei Oma und Opa. Als ich sie abends abgeholt habe, hat meine Schwiegermutter mir erzählt, wie sie und ihr Mann nachmittags Kaffee getrunken haben. Dabei habe Klara einen „Kinder-Kaffee“ von ihr gefordert.

Meine Schwiegermutter wusste nicht, was das war. Deshalb hat sie Klara einfach so lange Kaffee in die Milch geträufelt, bis sie eine andere Farbe bekommen hat. Ich habe ihr also erklärt, dass wir so keinen Kinder-Kaffee machen. Bei uns kommt einfach eine Prise Zimt in die Milch oder vielleicht  ein bisschen Kakao – irgendetwas, das cool aussieht. Aber definitiv kein Kaffee.

Ich dachte, damit wäre die Sache geklärt. Bis ich Klara wieder mit ihren Großeltern allein gelassen habe. Die drei waren bei uns zuhause. Als meine Schwiegereltern wieder gegangen waren, habe ich gesehen, dass Klara aus ihrer Kindergarten-Flasche getrunken hat. Zuerst dachte ich: „Vielleicht hatte sie einfach Lust, aus der Flasche zu trinken.“ Dann hat Klara mir erzählt, dass Kinder-Kaffee darin sei.

Als ich die Flasche aufgedreht habe, kam mir schon ein krasser Kaffee-Geruch entgegen. Ich habe die angebliche Milch in die Spüle geleert – sie war braun. Meine Schwiegereltern haben Klara schon wieder Kaffee zu trinken gegeben und zwar ordentlich. Da war ich echt auf 180. Ich dachte: „Das kann ja wohl nicht wahr sein! Erstens habe ich ihnen schon gesagt, dass ich das nicht möchte. Und zweitens sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand: Kind und Kaffee – das passt nicht zusammen.“

Ich habe sofort versucht, meine Schwiegereltern anzurufen, konnte sie aber nicht erreichen. In dem Moment konnte ich das allerdings auch nicht so stehenlassen. Ich war sauer. Also habe ich beiden eine Nachricht geschickt und ihnen geschrieben, dass sie Klara bitte keinen Kaffee mehr geben sollen, weil ich absolut dagegen bin. Ich habe geschrieben, dass es durchaus möglich sei, dass Koffein in so geringen Dosen einem Kind nichts ausmache, dass ich aber trotzdem nicht möchte, dass Klara so früh damit in Berührung kommt. Ehrlich gesagt glaube ich schon, dass selbst geringe Mengen Koffein bei Kleinkindern etwas im Gehirn bewirken. Ich wollte aber keine Diskussion anfangen.

Mein Schwiegervater hat ihr dann ein bisschen Bierschaum auf den Schnuller gestrichen

Meine Schwiegermutter hat dann auch zurückgeschrieben, dass sie Klara keinen Kaffee mehr geben wird. Mein Schwiegervater ist vom Typ her allerdings ein bisschen sturer, er lässt sich ungern etwas sagen und mischt sich öfter in die Erziehung ein. Zum Beispiel hat er mir schon gesagt, dass ich meinen Sohn nicht bei jedem kleinen Quäken hochnehmen soll, damit er irgendwann lernt, allein klarzukommen. So hätten sie das früher, mit ihren Kindern, auch gemacht. Meine Nachricht hat er einfach ignoriert.

Als mein Mann und ich die beiden das nächste Mal besucht habe, war die Stimmung angespannt. Nach dem Mittagessen hat meine Schwiegermutter sehr förmlich angekündigt, sie würde jetzt noch einen Kaffee machen. Ich habe nichts dazu gesagt. Klara hat tatsächlich auch nur Milch bekommen. Kurz bevor wir gegangen sind, habe ich dann noch angesprochen, dass ich auch nicht möchte, dass Klara oder mein Sohn Alkohol von ihren Großeltern bekommen.

Meine Schwiegereltern haben sofort gesagt, dass sie das niemals machen würden. Aber ich weiß von meinem Mann, dass seine Schwester als kleines Kind immer Bier von ihren Eltern verlangt hat, wenn die beiden vor ihren Augen getrunken haben. Mein Schwiegervater hat ihr dann ein bisschen Bierschaum auf den Schnuller gestrichen, damit sie merkt, dass das nicht schmeckt. Ich hoffe sehr, dass meine Schwiegereltern sich zumindest an meine Regeln halten werden.“

*Name geändert

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