Wird man mit dem 18. Geburtstag wirklich frei?

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Auf den 18. Geburtstag wartet man oft seine ganze Schulzeit lang: Endlich selbst bestimmen dürfen! Endlich ein Autoführerschein! Endlich frei sein! Aber wie erleben diese Zeit eigentlich junge Menschen, die während einer globalen Pandemie 18 werden? Zehn von ihnen erzählen.

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Abed Smid fühlt sich nicht viel freier als mit 17.

„Ich spüre ehrlich gesagt nicht so sehr, dass ich Freiheiten gewonnen hätte, seit ich 18 bin. Ich hatte mich sehr aufs Autofahren gefreut. Den Führerschein habe ich deshalb auch noch vor der Pandemie angefangen, wegen der Kontaktbeschränkungen konnte ich ihn aber noch nicht fertig machen. Andere freuen sich oft, dass sie jetzt Alkohol kaufen können – ich trinke aber nur selten. Wenn man ehrlich ist, hat man ja Vieles in die Richtung auch schon gemacht, bevor man 18 wurde – und freut sich am Geburtstag dann nur noch, dass es legal wird.“

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Leona Dürken schätzt es, ab sofort allein reisen zu dürfen. 

„Trotz der Einschränkungen der Corona-Pandemie fühle ich mich freier. Es ist schon ein cooles Gefühl, alleine ins Auto zu steigen oder den Tank aufzufüllen. Das Autofahren ist eine der größten Freiheiten, die ich mit dem 18. Geburtstag bekommen habe. Ich freue mich außerdem sehr darauf, alleine reisen zu können. Ein Jahr vor meinem 18. Geburtstag habe ich einen Brief an mich selbst geschrieben, voll mit Reisenplänen – bisher konnte ich kaum einen davon umsetzen. Meinen Geburtstag hätte ich auch gern größer gefeiert. Bei meinem 19. scheint das wegen Corona wieder nicht zu klappen. Vielleicht also der 20.“

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Antonia Wegner arbeitet trotz Pandemie als Au-Pair in Barcelona.

„Ich dachte lange, der 18. würde eine richtige 180-Grad-Wendung ins Leben bringen. Ganz so war es nicht. Ich wurde schon lange erwachsen behandelt, weil ich erwachsen aussehe. An der Kasse werde ich beispielsweise nur sehr selten nach meinem Ausweis gefragt. Eine neue Freiheit habe ich vor allem gespürt, als ich meinen ersten Flug alleine gebucht habe. Ich kann jetzt hingehen, wo ich will und ich brauche niemanden dafür! Ich habe mir auch schon ein Tattoo stechen lassen, da musste ich natürlich auch niemanden vorher um Erlaubnis fragen, das ist cool.“

Hans Kraschweski findet das Volljährigsein eher belastend als befreiend.

„Ich glaube mit dem 18. Geburtstag kommen mehr Pflichten als Freiheiten. Seitdem ich 18 bin und auszog, muss ich einfach viel mehr selbstständig machen, ob Papierkram oder Kochen. Neue Freiheiten, kann ich durch Corona dagegen gar nicht ausleben. Meinen Führerschein konnte ich noch nicht beenden, eine große Wahl stand bisher auch noch nicht an. Mein 18. Geburtstag war mir nie wirklich wichtig, aber gerade das Ausziehen und die Selbstständigkeit mit 18 hatte ich mir besser vorgestellt.“

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Carlos Merkel bereitet sich gerade aufs Abitur vor.

„Mit 16, 17 konnte ich nur mit Muttizettel feiern gehen und war immer darauf angewiesen, dass mich jemand abholen kann. Alle sehen einen immer als kindlich und unreif an, auch wenn man schon fast 18 ist. Das ist von einen auf den anderen Tag ganz anders, man wird ganz anders wahrgenommen und gerade feiern gehen mit 18 oder so – da würde man die Freiheit schon merken. Ich habe richtig Lust in Berlin feiern zu gehen, sobald das wieder geht! Nach dem Abi will ich mit meinen Freunden reisen und einen Freiwilligendienst im Ausland machen. Wegen Corona weiß ich jetzt nicht, ob das geht. Diese ständige Unsicherheit ist echt anstrengend.“

„Gerade fühle ich mich gar nicht wie 18, sondern genauso wie mit 14“

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Ann-Sophie Pieck suchte kurz vor ihrem Geburtstag alle Internetseiten durch, um herauszufinden, mit wie vielen ihrer Freunde sie feiern darf.

„Bei einigem bin ich schon freier geworden: Ich bin nicht mehr ganz so gebunden, muss nicht mehr in die Schule, könnte theoretisch feiern gehen. Das würde ich in normalen Jahren jetzt bestimmt auch machen, feiern, mich mit meinen alten Schulfreunden treffen. Aber gerade fühle ich mich gar nicht wie 18, sondern genauso wie mit 14. Nur im Kopf fühlt es sich schon anders an, das Bewusstsein jetzt erwachsen zu sein ist krass. An meinem Geburtstag am 6. Oktober 2020 konnte ich zwar nur im kleinen Kreis feiern, aber wenigstens konnte man da noch Essen gehen.“

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Havva Vural fühlt sich schon wie eine Rentnerin.

„Mit 18 wollte ich unabhängig sein und mein Ding machen. Ich will mit Freunden rausgehen, feiern, die Welt entdecken – aber man soll seine Kontakte einschränken. Mein Tag besteht fast vollständig aus Arbeiten und Einkaufen. Ich habe außerdem angefangen zu backen, schaue Serien oder ich lerne türkisch, also immerhin ein paar neue Hobbys habe ich während der Pandemie gefunden. Ich führe ein Rentnerleben – mit 18!  Zumindest lerne ich gerade zwangsläufig, mit mir selbst klarzukommen. Viel anderes kann man ja sowieso nicht machen.“

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Duc Vu Phan wurde noch vor Beginn der Pandemie 18, im Dezember 2019.

„Ich habe inzwischen schon mehr Freiheiten als noch mit 17, das hab ich vor der Pandemie auch ausgenutzt, gerade was Alkohol angeht, da hatte ich schon einen Vorsprung gegenüber anderen. Jetzt kann ich mich selbst krankschreiben lassen, alleine reisen und wählen gehen. Im Moment verbringe ich aber viel Zeit in meinem Zimmer, ich merke, dass meine Freiheit pandemiebedingt an Grenzen stößt. Ich wollte eigentlich ein Gap Year machen, danach Mediendesign in einer neuen Stadt studieren. Jetzt habe ich doch direkt nach dem Abi mit dem Studium angefangen, Sozialwissenschaften – in meiner Heimatstadt Augsburg.“

„Jetzt ist mein Geburtstag schon fast ein Jahr her und ich war immer noch in keinem Club“

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Silvia Drago macht gerade ein Au-Pair Jahr in London.

„Mein Leben lang habe ich auf meinen 18. gewartet, dabei sind mir Geburtstage sonst eigentlich eher egal. Besonders auf die Freiheiten, die man durch die Selbstständigkeit mit 18 bekommt, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Jetzt ist mein Geburtstag schon fast ein Jahr her und ich war immer noch in keinem Club. Aber immerhin meinen Führerschein habe ich noch machen können und ich habe es geschafft mit 18 nach London zu ziehen, das war immer mein Ziel und mein Traum. Ich vermisse aber die Freiheit sehr, mit Freunden rausgehen zu können und zu wissen, dass das legal ist! Mich frustriert das auch, weil ich eigentlich gerade Sightseeing und lange Clubnächte in London erleben würde. Stattdessen spaziere ich in meiner Freizeit. Das konnte ich auch schon vorher tun.“

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Lenni Schroeder erlebt Freiheit durchs Autofahren.

„Das waren die Top zwei Freiheiten, auf dich ich mich gefreut habe: Alleine Auto fahren und alleine feiern gehen. Glücklicherweise konnte ich zwischen den Wellen der Pandemie mal in einen Club und es waren ein paar Geburtstage, auf denen ich lange bleiben konnte. Diese Unabhängigkeit, die man mit 18 hat, ist echt besonders. Aber ich glaube, gerade der Sommer als 18-Jährige während Corona wird anders. Mit Freunden treffen oder reisen fällt voraussichtlich weg. Da wäre es schöner gewesen, schon vor ein paar Jahren 18 geworden zu sein.“

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit der Katholischen Journalistenschule ifp entstanden. Die Autorin des Textes ist dort Stipendiatin und hat diesen Beitrag innerhalb eines gemeinsamen Projektes mit jetzt recherchiert und verfasst. Die im Rahmen des Projektes entstandenen Beiträge findest du auf der Themenseite „jetzt: Freiheit“.

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