1000 bis 3000 Euro brutto für den Hopfenbauer

Robert Obermaier, 31, arbeitet oft nachts und sein Einkommen schwankt stark. Warum er seinen Job trotzdem mag.
Protokoll von Leonie Fößel
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Als Hopfenbauer arbeitet Robert oft bis spät in die Nacht hinein. Sein Verdienst bleibt währenddessen oft gering.

Foto: Leonie Fößel / Bearbeitung: jetzt

Wie sieht ein ganz normaler Tag als Hopfenbauer aus?

Jeder Tag ist anders, weil unsere Arbeit stark vom Wetter abhängt. Neulich etwa musste ich Pflanzenschutzmittel ausbringen, aber es war tagsüber zu windig. Daher musste ich eine Nachtschicht einlegen. Ich bin dann abends um 20 Uhr aufs Feld bis zwei Uhr morgens. Aber am nächsten Morgen musste ich halt trotzdem wieder um sechs Uhr aufstehen. Dafür ist es dann zum Beispiel bei Regenwetter so, dass ich auch mal erst um acht Uhr aufstehe und weniger arbeite. Der Arbeitstag kann also zwischen acht und 17 Stunden lang sein – normalerweise sind es aber so zwölf Stunden pro Tag.

Arbeitest du alleine oder im Team?

Ich arbeite mit meinen Eltern zusammen, meine Familie ist seit Generationen im Hopfenbau. Außerdem werden wir von Saisonarbeiter*innen unterstützt. Einmal im Frühjahr im April und Mai, da drehen wir den Hopfen an die Drähte. Dafür kommen normalerweise etwa 15 Menschen aus Polen zu uns und unterstützen uns. Da einige seit fast 30 Jahren immer wieder zu uns kommen für die Saisonhilfe, sind die natürlich wirklich fit darin. Die Zeit des Hopfenandrehens ist mit zwei bis drei Wochen relativ kurz, Hopfen wächst einfach sehr schnell. Deswegen müssen wir die Arbeit besonders attraktiv für unsere Hilfskräfte machen. Sie schlafen bei uns im Haus und bekommen einen ordentlichen Lohn und gutes Essen. Dieses Jahr war durch Corona alles ein wenig anders, da die polnischen Helfer*innen nicht einreisen konnten. Deshalb haben wir deutsche Hilfskräfte bekommen und hatten eine bunte Gruppe, die wirklich gut zusammengepasst hat. Das war für uns auch eine neue Erfahrung, die aber viel positiver war, als wir am Anfang gedacht hatten. Im September gibt es dann noch die Zeit der Ernte, da arbeiten wir meist mit zwei Personen aus Polen und einem aus dem Dorf zusammen. Aber ansonsten machen meine Eltern und ich die restliche Arbeit, die übers Jahr anfällt, alleine.

Hast du nie etwas anderes machen wollen?

Ich habe es mir schon offengehalten. Ich habe in Triersdorf in Mittelfranken meine Ausbildung zum Techniker für Landbau gemacht. Die Ausbildung ist sehr breit gefächert, ich hätte danach in verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft arbeiten können. Zum Beispiel in der Pflanzenzüchtung, in der Landtechnik oder als Tierzüchter. Aber ich habe mich für den Hopfen entschieden. Das hat sich bei mir natürlich angeboten, weil wir einen Hopfenbaubetrieb haben. So ein Bürojob hat auch was für sich, aber für mich ist das auf Dauer auch nicht das Wahre.

Neben der Arbeit als Hopfenbauer bin ich noch als Berater beim Hopfenring e.V. in Wolnzach tätig. Das ist eine Selbsthilfeeinrichtung für Hopfenbauern und Hopfenbäuerinnen. Wenn sie Probleme mit Schädlingen oder Krankheiten haben, kommen sie auf mich zu und ich sehe nach, was man machen kann. Ich arbeite dort 40,2 Stunden pro Woche. In Zeiten, in denen es im Hopfenbau intensiver ist – etwa im Frühjahr oder im Herbst – nehme ich mir dann beim Hopfenring frei.

Was macht die Arbeit als Hopfenbauer für dich besonders schön?

Die Arbeit als Hopfenbauer ist schon anstrengend, klar. Besonders, wenn es im Frühjahr nur heiß ist oder nur regnet beim Andrehen der Pflanzen an den Draht. Man braucht Durchhaltevermögen, vor allem für den harten Teil. Aber wenn der Hopfen im Sommer an den Drähten dann mal oben ist und es im Hopfengarten richtig dunkel ist, wenn man der Natur beim Wachsen zuschauen kann und dann die Dolden blühen und es so gut riecht, das ist schon echt schön. Außerdem ist der Vorteil im Hopfenbau, dass nach Juni eine ruhigere Zeit beginnt. Dann kommt im September noch die Ernte, aber danach, im Winter, haben wir weniger zu tun.

Wie viel verdient ein Hopfenbauer?

Das kann jedes Jahr extrem unterschiedlich sein, weil der Hopfenpreis jährlich stark schwankt. Und auch in der Erntemenge gibt es Schwankungen. Da wir unser Geld nur einmal im Jahr nach der Ernte im Herbst bekommen, ist es auch schwierig, einen Monatslohn zu berechnen. Der reine Gewinn unseres Hopfenbetriebs variiert zwischen 50 000 Euro in schlechten und 120 000 Euro in guten Jahren. Wir sind drei Personen, die dauerhaft mitarbeiten und dann kommt man am Ende im Monat auf etwa 3000 Euro pro Person – in einem guten Jahr. In einem schlechten Jahr manchmal nur auf 1000 Euro abzüglich Steuern. Also das ist wirklich sehr unterschiedlich. Pauschal kann man deswegen schwer sagen, wie viel man in unserem Beruf verdient. Abseits vom Hopfenbau verdiene ich beim Hopfenring mein Hauptgehalt. Mein Vater aber lebt beispielsweise nur vom Hopfenbau. Er hat auch noch ein bisschen Ackerbau, aber das fällt nicht ins Gewicht.

Mit welchen Herausforderungen hast du in deinem Beruf zu kämpfen?

Zunächst gibt es eben diese großen Schwankungen im Einkommen, weil der Hopfenpreis sich immer verändert. Da wir nur einmal im Jahr unser Gehalt bekommen, muss das dann für ein Jahr reichen. Das klingt für manche vielleicht krass, aber für uns ist das normal. Gefährlich für uns sind Hagelereignisse, weil diese die Ernte deutlich verringern können. Was wir inzwischen deutlich merken, sind die extremen Temperaturen im Sommer. Und Hitzesommer ist nicht gleich Hitzesommer: Wenn du Glück hast, gibt es mal ein gutes Gewitter, wenn du Pech hast, aber nicht. Da kann es passieren, dass man 30 Prozent weniger verdient als normal, das ist keine Seltenheit. Der Klimawandel ist hier schon deutlich zu spüren. Wenn wir nach Hitzesommern gefragt werden, können wir eigentlich jeden der letzten fünf Jahre nennen. Ich schätze, meine Generation kann schon noch Hopfen anbauen. Aber die nach uns? Da bin ich nicht sicher. Es ist ja nichts so beständig wie der Wandel, besonders in der Landwirtschaft. Vielleicht wachsen hier in der Hallertau irgendwann Wein und Zitrusfrüchte, wer weiß. (lacht)

Wie reagieren die Menschen, wenn du ihnen erzählst, was du arbeitest?

Die meisten finden es voll cool und sagen „Super, dass du den Grundstoff für’s Bier machst!“ Also es ist eigentlich immer eine positive Reaktion. Viele wollen dann wissen, wie die Arbeit abläuft, wie der Alltag als Hopfenbauer so aussieht. Und dann schreckt es schon viele ab, wenn sie hören, wie es um meine Work-Life-Balance und meinen Verdienst bestellt ist. (lacht) Aber wir machen das ja nicht wegen des Geldes – natürlich auch, von irgendwas muss man ja leben. Man muss aber schon viel Leidenschaft mitbringen, das ist quasi Hobby und Beruf in einem. Es ist schwer zu erklären, wenn mich Leute fragen, warum ich so viel arbeite, vor allem mitten in der Nacht. Ich glaube, das lässt sich am besten vergleichen mit jemandem, der*die selbstständig ist. Selbstständige arbeiten ja auch oft so viel – nur eben in einem anderen Bereich.

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