Bis zu 5500 Euro brutto für den Entwicklungsingenieur für Solarenergie

Der Entwicklungsingenieur Jan, 38, will mit seinem Job Solarzellen effizienter machen und führt dafür Experimente durch.
Foto: privat; Bearbeitung: jetzt

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Wie man Entwicklungsingenieur wird

Ich habe Umwelttechnik und Regenerative Energien studiert und fand es damals schon interessant, dass man Strom direkt aus der Sonne machen kann. In meinem Studium wurden alle Formen der regenerativen Energien, zum Beispiel  Wind, Geothermie und Wasserkraft behandelt. Dabei fand ich Photovoltaik am spannendsten. Während des Studiums habe ich ein halbes Jahr lang ein Praxissemester am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg gemacht. So bin ich das erste Mal mit der Forschung in Kontakt gekommen. Das war ein bisschen so, als ob man einen Baukasten bekommt und basteln kann. Eine Solarzelle dort entstand so: Man hat verschiedene Flüssigkeiten, die gießt man aufeinander. Dann kratzt man ein bisschen was weg und schon hat man eine Solarzelle – vereinfacht gesagt. Das selber zu machen, war sehr faszinierend.

Nach meinem Abschluss wollte ich gerne genauso weiterarbeiten, deshalb habe ich am Helmholtz-Zentrum in Berlin promoviert. Es gibt grundsätzlich leider wenig feste Wissenschaftlerstellen in Deutschland. Deshalb habe ich der Wissenschaft nach ein paar Jahren den Rücken gekehrt und mich der Industrie zugewandt. Meine jetzige Firma sitzt in Singapur. Sie hatte dort passenderweise eine Produktionslinie für genau den Typ Solarzelle, auf den ich spezialisiert bin – deshalb bin ich für den Job dorthin gezogen. 

Vorstellung vs. Realität

Die Arbeit in der Industrie ist deutlich anders als in der Forschung. In der Industrie geht es viel weniger um das Verstehen der Dinge, die man tut und herausfindet, sondern hauptsächlich darum, ob man etwas realisieren kann oder nicht. Außerdem stelle ich mir jetzt immer die Frage, inwiefern meine Ergebnisse dem Unternehmen etwas bringen, also ob sie entweder die Kosten reduzieren oder das Produkt besser machen. 

Diese Eigenschaften sollte ein Entwicklungsingenieur haben

Man sollte auf jeden Fall den Drang haben, Dinge verbessern oder optimieren zu wollen. Dabei hilft es, wenn man gerne ins Detail geht. Ergebnisorientiert zu sein, ist definitiv auch ein wichtiger Punkt – vor allem in der Industrie. Als Entwicklungsingenieur in der Wissenschaft ist das zwar auch hilfreich, aber hier liegt der Fokus mehr auf dem Verständnis der Materie. 

Wie der Berufsalltag aussieht

Meine Arbeit findet stets während des laufenden Betriebs statt. Das heißt, ich halte einen kleinen Teil der Produktion an und mache dann meine Experimente. Dabei bestimme ich vorab unterschiedliche Versuchsgruppen, an denen ich dann einzelne Schritte des Herstellungsprozesses variiere. Anschließend geht die Produktion weiter und ich schaue mir die Ergebnisse an. Mal sind sie so, wie erwartet, mal aber auch ganz anders. Und dann muss ich schauen, woran das liegt. So versuche ich das Produkt immer weiter zu verbessern und effizienter zu machen. 

Das Schönste am Job

Das Schönste ist definitiv, dass man an einem richtigen Produkt arbeitet. Wenn man auf dem Fabrikgelände die Container sieht, die in alle Welt verschickt werden, dann ist das schon echt cool. Unser größter Absatzmarkt sind die USA. Dort kommen unsere Solarzellen meist auf private Dächer und Dachanlagen. Wir stellen die effizientesten Solarzellen her, die es momentan auf dem Markt gibt.  Eines unserer Solarmodule hat eine Leistung von 300 bis 350 Watt. Eine helle LED-Lampe hat elf Watt. Wenn die Sonne ordentlich scheint, kann man mit einem unserer Module also 30 LED-Lampen zum Leuchten bringen. Wenn ich nun während meiner Versuche etwas finde, das die Solarzellen noch besser macht, dann werden irgendwann Module gebaut, an denen ich mitgewirkt habe. Das ist eine schöne Vorstellung.  

Die Herausforderungen

Das Zeitmanagement und die Planung sind die größten Herausforderungen meines Jobs. Wenn man Versuche in der Produktionslinie macht, muss man die Produktion zumindest kurz unterbrechen – das ist aber grundsätzlich natürlich nicht gut bzw. kostet Geld, weil man die experimentellen Solarzellen ja nicht verkaufen kann. Also muss ich effizient sein und schon vorher genau überlegen, wann ich was mache. 

Leben und Arbeiten in Singapur

Als ich 2020 nach Singapur gezogen bin, hatte ich schon einen kleinen Kulturschock. Ich fahre zum Beispiel gerne Fahrrad und in Singapur kann man das nicht gut. Auf der Straße zu fahren ist dort einfach zu gefährlich. Das hat mir vor allem am Anfang das Gefühl gegeben, dass ich in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt bin. Bei meinem Job ist es so, dass ich meist pünktlich um 16:45 Uhr Feierabend machen kann. Dann fährt der Shuttle-Bus zurück in die Stadt. Da die Fabrik ein Stück vom Zentrum entfernt ist, brauche ich ca. eine Stunde nach Hause, was ja aber auch in Berlin durchaus üblich sein kann. Auch Urlaub hat man in Singapur grundsätzlich weniger. Ich habe aktuell 16 Urlaubstage pro Jahr.  Insgesamt gefällt es mir hier aber gut. Es ist nur sehr warm und feucht, was manchmal ein bisschen anstrengend ist.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

„Wie viel kostet denn so eine Solarzelle?“ – das ist eigentlich die Frage, die ich am meisten zu hören bekomme. Und ob man die Energie, die man für die Herstellung braucht, jemals wieder reinkriegt. Dann antworte ich immer mit „Ja, bekommt man. Das dauert je nach Standort 0,5 bis 1,5 Jahre“. 

Das Gehalt

Es ist schwierig, genau zu sagen, was man verdient, weil die Steuern in Singapur anders sind und man hier zum Beispiel auch die Krankenkasse und Rentenbeiträge selber zahlen muss. Würde ich jetzt in Deutschland arbeiten, wären es heute wohl rund 5500 Euro brutto im Monat.

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