3000 Euro brutto für den Totengräber

Marc, 29, hat als Friedhofsgärtner angefangen, kümmert sich aber heute mehr um Gräber und spricht mit Angehörigen.
Foto: Privat / Bearbeitung: jetzt

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Was man als Totengräber macht

Unsere wichtigste Aufgabe auf dem Friedhof ist es, die Gräber bereitzustellen. Wir wissen erst einen Tag vor der Beerdigung, um welche Gräber wir uns kümmern sollen. Dann fahren wir mit einem Auto und einem Bagger zur freien Grabstelle und graben eine etwa 1,80 Meter tiefe Grube aus.  Die Grube befestigen wir mit Dielen, damit keine neue Erde hineingerät.

Am ausgehobenen Grab stellen wir für die Beerdiung Sachen bereit: eine Kondolenzschaufel, einen Eimer mit Erde und Blumen. Nach der Trauerfeier schließen wir das Grab, indem wir wieder Erde ins Grab kippen. Auf dem Erdhügel stellen wir das Kreuz des verstorbenen Menschen auf und legen die Blumenkränze ab, die die Trauergäste mitgebracht haben.

Außerdem kümmern wir uns auch um die Gräber, bei denen die Ruhezeit abgelaufen ist, die meist 20 Jahre beträgt. Die Verwaltung spricht mit den Angehörigen, ob die Ruhezeit verlängert werden soll. Wenn die Zeit abgelaufen ist, räumen wir die Grabstätte ab. Wird die Grabstelle neu vergeben, wird das Grab tiefer gebuddelt und der alte Sarg kommt noch tiefer in die Erde, damit der neue Sarg Platz hat. Gräber müssen auch dann tiefer gelegt werden, wenn zum Beispiel Ehepaare keinen Doppelplatz kaufen, sondern nur einen Einzelplatz. Der Partner, der früher stirbt, kommt weiter nach unten.

Ansonsten erledigen wir immer mal wieder kleinere Dinge. Wir arbeiten am Friedhof auch als Gärtner und kümmern uns um Blumen und Hecken. Falls ein mal Sargträger ausfällt, tragen wir die Särge auch zum Grab.

Wie der Arbeitsalltag aussieht

Der Tag fängt um halb acht an. Wir schauen im Büro den Dienstplan an und sehen, welche Gräber wir fertigen sollen. Dann fahren wir zu den jeweiligen Stellen und bereiten die Gräber vor. Das Ausgraben dauert meistens 15 bis 30 Minuten. Das Eingraben dauert nur eine Viertelstunde. In der Zwischenzeit kümmern wir uns dann um Blumen, Hecken oder andere Gräber.

Wie man Totengräber wird

Eigentlich bin ich gelernter Friedhofsgärtner, ich habe also eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen. Irgendwann wurde ich von einem Kollegen gefragt, ob ich nicht auch Gräber ausgraben möchte. Ich habe mir das erst einmal angeschaut und dabei gelernt, den Bagger zu bedienen, und bin dann in die Aufgabe hineingewachsen. Mittlerweile ist das meine Hauptaufgabe.

Welche Fragen mir auf Partys gestellt wird

Wenn ich erzähle, dass ich als Totengräber arbeite, bekomme ich erst skeptische Blicke ab. Viele zollen mir Respekt dafür, dass ich es schaffe, mich täglich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Blöde Sprüche habe ich dagegen noch nie gehört. Von jüngeren Menschen höre ich oft die Frage: „Was machst Du da eigentlich genau?“ Dann erkläre ich, dass wir mit Baggern Gruben graben und befestigen. 

Von älteren Menschen höre ich öfter die Frage: „Was bleibt noch vom Leichnam übrig? Wie sieht der Körper nach all den Jahren aus?“ Ich erzähle dann, dass das vom Boden abhängt. In einem lehmigen Boden wird der Körper besser konserviert, weil weniger Feuchtigkeit und Luft eindringen. Dann bleiben auch noch Überreste der Kleidung und der Schuhe übrig. Wenn der Boden feucht ist, wird das Holz faul und der Sargdeckel stürzt ein. Dann bleibt meist nur das Skelett übrig. Wie der Körper aussieht, hängt auch davon ab, wie lange der Körper unter der Erde liegt. Einmal mussten wir einen Leichnam nach einem halben Jahr wieder aus dem Grab holen, um ihn in die Gerichtsmedizin zu übergeben. Der Leichnam sieht dann verwesen aus, mit gräulicher Haut.

Was der Job mit dem Privatleben macht

Die Aufgaben, die wir haben, sind natürlich nicht vergleichbar mit Bürojobs. Aber ich kann meine Arbeit und mein Privatleben gut voneinander trennen. Der Tod ist nicht mein ständiger Begleiter. Freunde und Verwandte haben sich an meine Arbeit gewöhnt und respektieren den Beruf.

Welche Eigenschaften man als Totengräber braucht

Man muss hartgesotten sein, der Job ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Wenn man Gräber aufmacht, muss auch den Anblick der verfaulten Überreste eines Menschen und strenge Gerüche aushalten können. Den Angehörigen auf dem Friedhof muss man mit Mitgefühl begegnen. Nach der Arbeit sollte man abschalten können und nicht ständig über den Tod nachdenken.

Vorstellung vs. Realität

Ich kannte den Beruf und die Aufgaben bereits, weil ich meine Kollegen kenne. Insofern war ich nicht überrascht. Ich hatte nur nicht erwartet, dass mein Kollege mich dafür anfragt.

Das Gehalt

Ich verdiene etwa 3000 Euro brutto. Mit dem Gehalt bin ich auch sehr zufrieden.

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