3900 brutto für die zoologische Präparatorin

Anna hat viel Praxiserfahrung gesammelt, bevor sie ihren Traumjob beginnen konnte.
Foto: Privat / Illustration: SZ Jetzt

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Was man als zoologische Präparatorin macht

Zoologische Präparator:innen stellen Exponate von Tieren her, die dann beispielsweise in Museen ausgestellt werden. Exponate können Tierpräparate sein, also ehemals lebende Tiere, die zu einem Ausstellungsstück präpariert werden. Als ich mich dazu entschieden habe, diesen Beruf anzutreten, habe ich vorrangig Vögel und Säugetiere präpariert. Die Tiere kommen entweder aus Zoos oder werden als Verkehrsopfer zu uns gebracht. Darüber hinaus haben wir auch Kontakt zu Vogelwarten, der Straßenwacht und zu Förstern. Dann wird entschieden, was mit den Tieren passiert: Entweder werden sie in wissenschaftliche Sammlungen überführt oder kommen zu uns zur Präparation. Ich habe auch schon Tiere präpariert, die von Besucher:innen angefasst werden können.

Als zoologische Präparator:in kann man auch biologische Modelle herstellen, das mache ich seit ein paar Jahren vorrangig. Das heißt, ich baue aus Kunststoffen und künstlichen Materialien Tiere naturgetreu nach. Oft sind das auch Tiere, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann, solche Modelle reizen mich besonders. Welche Tiere man präpariert oder modelliert, kommt auf die Ausstellung im Museum an. 

Wie ich zoologische Präparatorin geworden bin 

Schon als Kind habe ich es geliebt, ins Senckenberg Museum in Frankfurt zu gehen und mir die naturwissenschaftlichen Ausstellungen anzugucken. Ich war außerdem oft draußen in der Natur und war immer fasziniert von verschiedenen Lebewesen, vor allem aber von Pilzen und Käfern. Es wäre naheliegend gewesen, Biologie zu studieren. Das wollte ich aber nicht, weil ich gerne handwerklich arbeite. Deswegen habe ich zunächst die zweijährige Ausbildung zur „Technischen Assistenz für naturkundliche Museen und Forschungsinstitute“ am Senckenberg-Institut in Frankfurt gemacht.

Dort habe ich aber nur wenige Grundlagen zur Präparation kennengelernt, weshalb ich das Handwerk nach meiner Ausbildung vertiefen wollte. So habe ich einige kurze, unvergütete Praktika und längere, vergütete Volontariate in verschiedenen Naturkundemuseen absolviert, um als Quereinsteigerin in die Präparation zu kommen. In diesen praktischen Tätigkeiten habe ich wahnsinnig viel über Präparation gelernt, sie waren immer zielführend als Weiterbildung konzipiert. So gibt es verschiedene Ausbildungswege, um zoologische Präparator:in zu werden. Ein klassischer Weg wäre über die Berufsfachschule für präparationstechnische Assistent:innen in Bochum.

Ich hatte Glück, dass ich schließlich an eine Festanstellung im Senckenberg Museum gekommen bin und so wieder in Frankfurt arbeiten konnte. Der Job dort ist perfekt für mich, denn ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Handwerk, Naturwissenschaft und Kunst.

Wie mein Arbeitsalltag aussieht 

Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es wegen der unterschiedlichen Ausstellungen nicht. Zur Zeit baue ich Modelle von Bärtierchen, das sind mikroskopisch kleine Tierchen, die sehr putzig aussehen und mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Die Modelle fertige ich für eine Dauerausstellung an, die sich mit der Bedeutung von verschiedenen Lebensformen für Wissenschaft und Medizin befassen wird. Bärtierchen sind besonders spannend, weil sie unter sehr lebensfeindlichen Umständen in einen Zustand verfallen können, in dem sie mehr als hundert Jahre überdauern können. So können sie auch starker Radioaktivität, sehr hohen und niedrigen Temperaturen und dem Vakuum des Alls trotzen. Das macht sie zu kleinen Superhelden, und ich bin sehr froh, dass ich mich gerade mit ihnen beschäftigen kann.

Vor einer Ausstellung erzählen uns die Kurator:innen zunächst von ihrem Konzept, das wir dann gemeinsam besprechen. Anschließend recherchiere ich zu dem Thema und kann mich auch jederzeit mit den Wissenschaftler:innen im Senckenberg Institut in Verbindung setzen, wenn ich Fragen habe. 

Zudem bin ich für die Instandhaltung und Pflege von bestehenden Exponaten und Sammlungsstücken zuständig. Manchmal kommt es zu Schäden an den Objekten, die wir beheben müssen, nach einiger Zeit müssen die Objekte auch gereinigt werden. Dafür ist es wichtig, dass wir Präparator:innen wissen, aus welchem Material die Objekte bestehen.

Das spannendste Projekt

Das letzte große Projekt, bei dem ich mitgearbeitet habe, war eine Riff-Inszenierung: Auf einer sechs mal drei Meter großen Fläche haben wir ein indopazifisches Riff nachgebaut. Das hat mehr als drei Jahre lang gedauert. Dabei durfte ich ein paar Objekte herstellen, die auch für uns eher ungewöhnlich sind und an die man als Präparator:in nicht so schnell kommt. Zum Beispiel habe ich eine Gruppe von fünf Riffhaien nachgebaut und eine Riesenmuräne, die ich mittlerweile sehr gerne mag, auch wenn sie etwas gruselig aussieht.

Welche Eigenschaften man für den Job braucht

Zoologische Präparator:innen sollten auf jeden Fall eine Liebe zur Natur- und Tierwelt mitbringen – aber ich denke, das geht mit dem Interesse am Job einher. Auch handwerkliches Geschick ist von Vorteil, denn man kann Techniken zwar erlernen, aber ein Grundgefühl für Formen, Farben und Proportionen hilft.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

„Ist das nicht eklig und blutig, stinkt das nicht total, wenn man Tiere ausstopft?“ Das höre ich besonders oft. Wobei es falsch ist, von „Tiere ausstopfen“ zu sprechen. Die richtige Bezeichnung ist „präparieren“, „aufstellen“ oder „eine Dermoplastik anfertigen“.  Tiere zu präparieren, kann blutig werden, aber nicht, wenn man sauber arbeitet. Ich habe schnell gelernt, die Haut von Tieren sauber abzuziehen, denn das erspart mir auch später viel Arbeit: Je blutiger die Angelegenheit, desto schwieriger ist es, das Fell später zu reinigen. Trotzdem kommt es immer wieder zu schwierigen Fällen. Sind Tiere im Winter gestorben, haben sie ganz schön viel Fett angefressen, das man dann erst einmal entfernen muss. Wir stellen dann eine Dermoplastik her, also ein Präparat für das der Körper des Tieres lebensecht nachgebaut und anschließend mit dem Fell des Tieres überzogen wird. 

Wie viel man verdient

Ich werde als Angestellte des öffentlichen Dienstes nach dem Tarifvertrag des Landes Hessens bezahlt, da gibt es dann je nach Arbeitserfahrung verschiedene Stufen, ich bin gerade bei 3900 Euro brutto.

Manche arbeiten auch freiberuflich als Präparator:innen, da ist die Bezahlung dann unterschiedlich. Denn eine Festanstellung an einem Museum zu bekommen, ist eher schwer. Es gibt wenige Stellen, die besetzt werden können. Die meisten Menschen, die am Museum angestellt sind, bleiben lange auf diesen Stellen. Und so dauert es teilweise Jahrzehnte, bis ein Museum wieder neue Stellen ausschreiben kann. Deswegen muss man beim Ort auch sehr flexibel sein – dass ich als Frankfurterin an meinem Lieblingsmuseum arbeiten kann, war großes Glück für mich. 

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