2500 Euro brutto für die Zahnarzthelferin

Christina, 28, erzählt, warum sie findet, dass ihr Job unterschätzt wird, und wann Patient*innen zur Herausforderung werden.
Protokoll von Caroline Bergwinkl

Foto: privat; Illustration: jetzt

Wie sieht dein Alltag als Zahnarzthelferin aus?

Ich habe oft das Gefühl, dass Zahnarzthelferin nicht als richtiger Beruf angesehen wird. Die Patienten selbst sagen uns das natürlich nicht, aber in meinem Bekanntenkreis höre ich schon öfter, dass ich ja nur den ganzen Tag dasitzen und dem Zahnarzt ab und zu mit dem Sauger assistieren würde. Eine Kollegin hat mir erzählt, dass ihr eigener Freund auch so darüber denkt und das ärgert einen schon, da hinter unserer Arbeit viel mehr steckt, als die meisten denken.

Jeden Tag um 8 Uhr beginnt mein Dienst in der Zahnarztpraxis und ich bereite mit meinen Kollegen die Behandlungsräume vor und empfange die ersten Patienten zu ihrem Termin. Neben meinem Chef, dem Zahnarzt, sind wir zu viert im Team, zwei Auszubildende, eine Teilzeitstelle und ich arbeite Vollzeit und bin eigentlich immer da. Die Azubis reinigen die Geräte, die andere Kollegin erledigt Bestellungen für neues Equipment und ich bin großteils für die Verwaltung zuständig, schreibe Rechnungen und sitze vorne im Eingangsbereich. Im Laufe des Tages assistieren wir abwechselnd bei Wurzelbehandlungen oder Füllungen und machen selbstständig Zahnreinigungen. Besondere Operationen bieten wir nicht an, da wir keine chirurgische Praxis sind.

Bei uns im Zahnarzthelfer-Team ist die Stimmung sehr gut und wir sind auch alle Freundinnen und reden über Privates. Wir haben einen männlichen Azubi, das ist in meiner Branche zwar eher selten, wird aber in letzter Zeit immer häufiger.

Wie ist dein Verhältnis zu den Patienten?

Die meisten unserer Patienten sind nett und sehr freundlich. Es gibt aber Patienten, die mit Samthandschuhen angefasst werden wollen. Die kennt man meistens schon, da passe ich mich entsprechend an. Einige Patienten sind natürlich aufgeregt und haben ein bisschen Angst vorm Zahnarzt. Wenn wir das merken, sagt mein Chef immer: „Schauen tut nicht weh!“ und erklärt ihnen erst mal jeden einzelnen Schritt ganz genau. Meistens nimmt das den Leuten die Angst.

Es ist sehr selten, dass jemand wirklich heftig reagiert. Vor Kurzem hatten wir da beispielsweise einen Mann, der saß schon auf dem Behandlungsstuhl und ist dann einfach aufgestanden und gegangen, kurz bevor wir mit der Behandlung beginnen konnten. Er hat noch gesagt, er wolle das jetzt nicht und dann war er weg. Da können wir natürlich nichts machen, wenn einer gehen will, dann geht er.

Was gefällt dir an deinem Job?

Ich arbeite sehr gerne mit Menschen zusammen und finde es toll, wenn manche über die Jahre zu Stammkunden werden, mit denen ich mich gut verstehe und immer mal wieder nett unterhalte, wenn sie zu einem Termin kommen. Für mich ist ein gutes Verhältnis mit den Patienten sehr wichtig und auch motivierend für meine Arbeit.

Welche Herausforderungen hast du als Zahnarzthelferin?

Es ist schon eine kleine Herausforderung, sich ständig auf die unterschiedlichsten Menschen einzustellen und den jeweiligen Bedürfnissen gerecht zu werden, bei uns kommen sowohl kleine Kinder als auch ganz alte Menschen. Außerdem ist es natürlich unangenehm, wenn Menschen nicht so gepflegt sind und ich zum Beispiel eine Zahnreinigung mache, die ja eine Weile dauert. Manche Patienten müssen sich auch übergeben, wenn man Zahnabdrücke bei ihnen macht. Grundsätzlich bekommt bei uns aber jeder eine Mundspülung vor der Behandlung und die allermeisten kommen mit geputzten Zähnen. 

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf deinen Job aus?

Um das Ansteckungsrisiko während der Corona-Pandemie zu minimieren, haben wir eine Plexiglasscheibe bei der Anmeldung aufgebaut und alle Patienten dürfen ihren Mundschutz erst abnehmen, wenn sie auf dem Behandlungsstuhl sitzen. Bei der Behandlung selbst hat sich nichts geändert, da wir ja sowieso immer Mundschutz tragen. Wir haben allerdings schon gemerkt, dass die ganzen Hygiene-Produkte teurer geworden sind und zur akuten Krisenzeit nur noch schwer erhältlich waren. Außerdem kamen im März und April viel weniger Patienten in die Praxis, weil wir kleinere Behandlungen abgesagt hatten und nur noch dringende Eingriffe oder Schmerzpatienten behandelt haben. Jetzt ist aber wieder alles beim Alten.

Wie bist du Zahnarzthelferin geworden?

Mit 17 wusste ich nicht genau,was ich werden will, war aber offen für vieles und habe mich für eine Ausbildung im Kindergarten und bei verschiedenen Arztpraxen beworben. Ich habe dann zuerst eine Zusage von einer Zahnarztpraxis bekommen und mit der dreijährigen Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten begonnen. Danach bin ich bei dieser Praxis geblieben und mittlerweile arbeite ich seit etwa zehn Jahren dort. 

Die meisten Zahnarzthelferinnen, die ich kenne, bleiben so wie ich langfristig in diesem Beruf. Ich könnte mit meiner Ausbildung auch in anderen Arztpraxen als Arzthelferin arbeiten oder eine Weiterbildung zur Dentalhygienikerin machen, die meistens selbstständig für verschiedene Praxen arbeiten und beispielsweise Patienten individuell zur richtigen Mundhygiene beraten.

Wie viel verdienst du?

Momentan bekomme ich 2500 Euro brutto im Monat. Das Gehalt legt jeder Zahnarzt selbst fest, da wir keine Gewerkschaft für unseren Beruf haben. In meiner Praxis macht das unser Chef von der Berufserfahrung abhängig und zahlt mehr Geld, je länger man da ist. Grundsätzlich finde ich das schon ein bisschen schwierig, weil man dadurch als Zahnarzthelfer von der Laune des Chefs abhängig ist und das Gehalt überall anders ist. Ich denke, dass unsere Praxis so im Mittelfeld liegt, es gibt viele Praxen, bei denen man deutlich weniger verdient.

Welche beruflichen Pläne hast du?

Aktuell plane ich keine Berufsänderung und denke, dass ich in der Praxis bleiben werde. Es ist ein spannender Beruf und ich kann ihn weiterempfehlen. Klar gibt es immer bessere Jobs mit einem höheren Gehalt, aber ich bin schon sehr zufrieden damit. Ansonsten muss man schauen, was die Zukunft bringt. 

Welche Frage wird dir immer gestellt, wenn du von deinem Beruf erzählst?

Auch wenn viele meinen Beruf unterschätzen, reagieren die meisten sehr positiv und erzählen mir sofort von ihrer letzten Zahnbehandlung, also was sie da so alles haben machen lassen, und wollen dann von mir wissen, wie ich das finde.

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