800 Euro brutto für die Buchhändlerin

Buchhändlerin Kerstin erzählt von ihrem Beruf.
Foto: Privat / Illustration: jetzt

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Der Weg zur Buchhändlerin

Ich habe immer schon viel gelesen und mich für Bücher interessiert. Weil ich später auch in diesem Bereich arbeiten wollte, habe ich erstmal angefangen, Germanistik zu studieren. Während meines Bachelorstudiums habe ich dann ein Praktikum in einer Buchhandlung gemacht, um einen besseren Einblick in die Praxis zu bekommen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich hinterher als Aushilfe weiterhin dort gearbeitet habe. Als mein Studium dann irgendwann zu Ende ging, war mir klar, dass ich Buchhändlerin werden will. Da ich den Beruf aber wirklich von Grund auf erlernen wollte, habe ich mich entschieden, die zugehörige Ausbildung zu machen – die dauert insgesamt drei Jahre. 

Wenn man im Buchhandel arbeiten will, ist es natürlich das Wichtigste, dass man selbst gerne liest oder sich zumindest für Bücher interessiert. Da man jeden Tag Kontakt mit Kund:innen hat, sollte man aber auch gut mit Menschen umgehen können. Man sollte selbstbewusst, offen und hilfsbereit sein und immer freundlich bleiben.

So sieht mein Arbeitsalltag aus

Mein Alltag als Buchhändlerin ist ziemlich vielseitig, finde ich. Es gibt bestimmte Aufgaben, die man jeden Tag erledigen muss: Am Morgen wird zum Beispiel erstmal die Ware ausgepackt und eingeräumt, Bestellungen werden eingelesen und in ein extra Regal gestellt, wo die Kund:innen sie dann abholen können. Nach und nach müssen außerdem Aktionstische neu bestückt werden. Aufräumen gehört auch dazu – man findet eigentlich immer irgendwo ein Buch, das da nicht hingehört. Ganz wichtig ist natürlich die Beratung der Kund:innen: Manche suchen bestimmte Bücher, andere sind dankbar für Empfehlungen, weil sie ein Buch verschenken wollen oder selbst etwas Neues entdecken möchten. Dafür gibt es auch unsere Empfehlungswand: Dort stellen wir Mitarbeitenden regelmäßig unsere aktuellen Lieblingsbücher mit kurzen Rezensionen vor.

Vorstellung vs. Realität

Viele stellen sich wahrscheinlich vor, dass man den ganzen Tag Bücher lesen kann, wenn man in einer Buchhandlung arbeitet. Das ist aber absolut nicht der Fall. Es geht ja mehr ums Verkaufen der Bücher, das heißt, man hat viel mehr Kontakt mit Menschen, gibt Empfehlungen ab und räumt Regale ein. Gelesen wird natürlich auch, aber vor allem zu Hause oder in der Mittagspause.

Was der Job mit dem Privatleben macht

Seit ich im Buchhandel arbeite, lese ich gefühlt sogar noch mehr als vorher, weil ich ja den ganzen Tag von Büchern umgeben bin und die ganze Zeit so viel Inspiration bekomme, was ich als nächstes lesen könnte. Meine Bücher kaufe ich inzwischen fast ausschließlich bei uns im Laden oder lasse sie mir über unseren Onlineservice nach Hause liefern.

Da der Buchhandel zum Einzelhandel gehört, muss man natürlich bedenken, dass meine Arbeitswoche nicht am Freitag endet. Der Laden hat auch an Samstagen geöffnet, dementsprechend muss man hin und wieder auch am Wochenende arbeiten. Da kann es natürlich passieren, dass alle meine Freund:innen samstags Zeit haben und etwas unternehmen wollen, während ich arbeiten muss. Auch was die Uhrzeiten angeht, unterscheidet sich mein Arbeitsalltag beispielsweise von einem Bürojob: Öffnungszeiten bis zwanzig Uhr sind bei uns ganz normal. Auch an Weihnachten oder Silvester habe ich nicht unbedingt frei.

Das Gehalt

Ich bin gerade im ersten Ausbildungsjahr und verdiene 806 Euro brutto im Monat. Damit komme ich momentan ganz gut über die Runden, das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich zusätzlich von meiner Familie unterstützt werde und außerdem noch meine Halbwaisenrente beziehe. Ohne diese Zuschüsse würde es mit der Miete manchmal wirklich eng werden. Im zweiten Lehrjahr bekomme ich dann 867 Euro und im dritten 944 Euro brutto. Wie viel man mit einer abgeschlossenen Ausbildung verdient, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich, bewegt sich aber meistens in einem Bereich zwischen 1360 und 2000 Euro brutto.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird 

Die Frage, die am häufigsten aufkommt, wenn man sagt, dass man in einer Buchhandlung arbeitet, ist: Kannst du mir ein Buch empfehlen? Ich versuche dann meistens erstmal herauszukriegen, was mein Gegenüber gerne liest, weil ich es mega schwierig finde, einfach so random ein Buch vorzuschlagen. Jemand, der am liebsten Psychothriller liest, wird mit einem Liebesroman vermutlich eher wenig anfangen können… Ein Buch, das mich persönlich sehr berührt hat und das ich immer wieder lesen kann, ist Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green. Das ist einfach ein tolles Buch. Es ist wahnsinnig traurig, aber gleichzeitig auch unfassbar schön und humorvoll. Das war auch das allererste Buch, das ich auf meinem Instagram-Account buch.verzaubert vorgestellt habe. Wenn ich mich also entscheiden müsste, dann wäre das wahrscheinlich meine ultimative Leseempfehlung an alle!

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