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Grundvoraussetzung: Spaß am Essen!

Foto: privat / Bearbeitung: jetzt

Der Alltag

An klassischen Tagen fahre ich um 8.30 Uhr von zuhause los und arbeite von neun Uhr bis 16 Uhr im Service oder hinter der Bar. Natürlich muss ich aber auch viele organisatorische Dinge erledigen wie Bestellungen aufgeben, E-Mails checken oder für meine Mitarbeiter gesprächsbereit sein. Das passiert dann meistens immer nach so einer Schicht. Dann habe ich einmal die Woche ein Meeting mit meinen Mitarbeitern, um die Woche und so Dinge wie die Speisekarte zu besprechen.

Wenn der Tag in dem einen Café zu Ende ist, fahre ich aber meistens noch in das andere, um dort nach dem Rechten zu sehen. Zuhause bin ich meistens erst so gegen 20 Uhr – vorausgesetzt, wir hatten keine Veranstaltungen, dann kann es auch nach Mitternacht werden. An manchen Tagen gehe ich auch persönlich für unsere Frühstücke besondere Lebensmittel wie Käse und Fleisch einkaufen oder mache Besorgungen in Gastrobedarfsläden. Am Anfang des Monats steht die Buchhaltung an, die auch immer einen ganzen Tag fordert. Besonders schön sind immer die Wein- und Kaffeeproben, die ich ab und an für unser Café machen darf.

Es ist also immer irgendwas los, was mich daran hindert, für fünf Minuten Pause zu machen. An sich könnte ich auch nur noch organisatorische Dinge übernehmen, aber ich versuche vier bis fünf Mal die Woche selbst zu kellnern oder hinter der Bar zu stehen, einfach weil es mir Spaß macht und da ich auf die Weise am besten mitkriege, wie Speisen oder Getränke beim Kunden ankommen. Ein Grund sind auch zusätzliche Personalkosten, die dadurch entstehen würden und die für den Laden teuer wären. Aber ich zahle lieber fair und arbeite selbst im Service, als niedrigere Löhne auszugeben.

Der Weg

Seit meinem 14. Lebensjahr habe ich eigentlich immer in diversen Bereichen in der Gastronomie gearbeitet. Aber wirklich konkret vom eigenem Café geträumt habe ich nicht.

Ich habe erst Eventmanagement studiert und nebenher in einer Eventagentur gearbeitet. Dort habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich so einen Job nicht mein Leben lang machen will. Zum Glück habe ich in dieser Agentur meine jetzige Geschäftspartnerin kennengelernt, die gerade dabei war, ein Café aufzumachen. Weil ich die Idee so schön fand und wir uns gut verstanden haben, habe ich sie in allem unterstützt und war damit irgendwann mehr beschäftigt als mit meinem eigentlichen Job. Schließlich fragte sie mich, ob ich nicht komplett einsteigen will – und das habe ich einfach gemacht. Mein Vater hat mir glücklicherweise Geld geliehen, das ich investieren konnte.

Damit konnten wir dann mit dem Allernötigsten anfangen. Wir haben jeden hart erwirtschafteten Euro nach und nach in die Ausstattung und in mehr Personal gesteckt. Auch habe ich viel gelernt während dieser Zeit. Denn mein Studium hat mir trotz ein paar Semestern BWL nur wenig Grundlagen gegeben, was Buchhaltung oder Personalmanagement angeht. Das musste ich mir nach und nach selbst aneignen oder von meinen vorherigen Gastronomieerfahrungen ableiten. Genauso habe ich ein Gespür für Speisen und Getränke entwickeln müssen und durch Ausprobieren viel gelernt. Irgendwie hat es funktioniert, gerade bauen wir den zweiten Laden zusammen auf.

Die Motivation

Die größte Motivation sind tatsächlich zufriedene Kunden. Es macht mich glücklich, wenn uns Leute für das Essen oder den Service loben und auch mal ihr Handy auspacken, um ihren Teller zu fotografieren. Oder wenn Touristen uns entdecken und dann für den Rest ihres Urlaubs jeden Tag wieder zum Frühstücken kommen.

Für mich ist das „Zimt & Zucker“ kein Café, in dem man nur schnell etwas isst oder trinkt, sondern ein Ort, an dem man sich gerne aufhält und Zeit verbringt. Deswegen bedrücken mich auch die Kunden, die alles nur möglichst schnell wollen, die Hälfte liegen lassen und gleich wieder weg sind. Das finde ich einfach schade.

Das Team

Ich habe insgesamt 42 Mitarbeiter. Trotzdem fühlt sich mein Team inzwischen nach Familie an: Egal ob es um die festangestellten Köche oder unsere Aushilfen im Service geht, wir funktionieren sehr gut zusammen. Mittlerweile habe ich sogar so viel Vertrauen, dass ich nicht ständig das Gefühl habe, vor Ort  sein zu müssen, sondern auch mal zu Hause abschalten oder sogar wegfahren kann.

Das war aber ein Lernprozess: Gerade am Anfang habe ich auch ein paar ungute Personalentscheidungen getroffen und mich in Leuten geirrt. Und ich musste lernen, eine Chefin zu sein: Zu Beginn war ich viel zu nett und locker, dann wieder zu streng. Jetzt glaube ich, habe ich mich in der Position gefunden.

Besonders schön ist es, dass ich mich so gut auf meine Partnerin verlassen kann. Sie ist 30 Jahre älter als ich und wahrscheinlich klappt es deswegen so gut. Ich sage öfters „Ja“ und gehe ein Risiko ein, während sie viel Erfahrung und gesunde Vorsicht mitbringt. So ergänzen wir uns sehr gut.

Das Geld

Die Anfangszeiten, wo gerade mal 500 Euro für einen selbst übrig geblieben, sind zum Glück vorbei. Aber es kommt sehr auf die Jahreszeit an. Im Sommer haben wir noch den Außenbetrieb und damit viel mehr Platz. Es sind mehr Touristen in der Stadt und die Leute sind abends einfach länger unterwegs. Im Sommer verdiene ich schon mal so 4500 Euro brutto im Monat. Monate wie Januar oder November sind oft zäh, denn die Leute bleiben lieber zu Hause – zumindest ist das meine Vermutung. Ein schlechter Schnitt sind gerade 1700 Euro brutto und das ist dann schon deutlich weniger – vor allem da ich ich einige Investitionen für das neue Café tätigen muss. Aber an sich kenne ich nun diese Schwankungen, und mit durchschnittlich 3000 Euro brutto kann ich in Berlin gut leben.

Die Verantwortung

Mit 42 Mitarbeitern und ordentlich Geld, was man in den Laden gesteckt hat, trägt man schon einiges an Verantwortung. Es gibt immer wieder Tage, wo ich das richtig spüre: Es läuft gerade nicht gut, irgendwas geht kaputt, ich muss Lieferanten und Mitarbeiter bezahlen und das Finanzamt will auch noch was. Dann schlafe ich schlecht und sorge mich um meinen Kontostand. Aber dann packe ich einfach härter an und vertraue darauf, dass mein Team und ich die schwierige Phase meistern. Das hat bisher auch immer geklappt und diese Phasen gehören irgendwie mittlerweile dazu.

Der Stress

Ich liebe meine Arbeit, aber manchmal beneide ich meine Freundinnen und ihre Agentur- und Bürojobs. Denn selbst wenn die einen schwierigen Tag hatten, ist es immerhin nicht der eigene Laden und ihre komplette Existenz, die daran hängt. Manchmal können meine Freunde und meine Familie nur schwer nachvollziehen, wie ich nur so viel Zeit in diesem Laden lassen kann. Aber ich führe nun mal ein Café, das sieben Tage die Woche zwölf Stunden geöffnet ist – also auch an Wochenenden und Feiertagen - während sie einen relativ geregelten Arbeitsalltag  haben und ganz anders planen können.

Dennoch genieße ich es  sehr, meine eigene Chefin zu sein und mich selbst und meine Vorstellungen zu verwirklichen. Ich kann mir außerdem auch mal spontan einen Tag freinehmen, wenn es gerade gut läuft, während alle anderen ganz normal zu Arbeit gehen müssen. Auch wenn es oft sehr stressig ist, hole ich mir auf diese Weise meinen Ausgleich.

 

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

„Braucht ihr gerade noch jemanden?“ Die Frage bekomme ich tatsächlich oft gestellt. Ich verstehe das ja auch: In einem Café aushelfen ist schließlich auch eine schöne Nebentätigkeit für Studenten oder Leute, die am Wochenende noch was dazu verdienen wollen.

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