2700 Euro brutto für die Müllwerkerin

Nadine hat lange als Malerin und Lackiererin gearbeitet und wollte sich beruflich verändern. Heute ist sie Müllwerkerin.
Illustration: jetzt; Foto: privat

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Was eine Müllwerkerin macht 

Wir räumen den Müll von der Straße und laden ihn ins Müllfahrzeug. Ich stehe hinten auf dem Trittbrett des großen Müllwagens, sammle Säcke ein und leere Tonnen. Das Fahrzeug darf ich noch nicht fahren, dafür bräuchte ich einen LKW- Führerschein. Den will ich aber unbedingt bald machen! Wir haben feste Touren und Fahrer. Und ich, als „Springerin“, werde für unterschiedliche Abfallarten, sogenannte Fraktionen, eingesetzt: Papiermüll, Restmüll, Biomüll und so weiter. Wenn der Müll bei uns in der Betriebsstätte abgeladen wurde, ist mein Job erledigt.   

Der Arbeitsalltag als Müllwerkerin 

Aktuell gibt es zwei verschiedene Schichten. Gerade bin ich in der Frühschicht, da fange ich um 6.45 Uhr an. Morgens komme ich mit privaten Klamotten an, deshalb gehe ich zuerst in die Umkleidekabine und ziehe mich um. Danach gibt es eine allgemeine Ansprache und dann gehen wir zu den Müllfahrzeugen. Die Fahrzeuge werden jeden Tag kontrolliert, bevor wir abfahren. Wenn alles in Ordnung ist, geht es direkt los. Dann fahren wir die Strecke ab und sammeln Müllsäcke ein oder leeren Tonnen und Container. Zwischendurch sind die Fahrer dazu verpflichtet, kurze Pausen zu machen. Dann können wir uns von der körperlichen Arbeit ein wenig erholen. Wenn wir alles eingesammelt haben, fahren wir zurück in die Betriebsstätte. Bevor wir nach Hause fahren, gehen wir dort noch duschen. Gegen 15 Uhr ist Feierabend.  

Wie man Müllwerkerin wird 

Ich habe lange als Malerin und Lackiererin gearbeitet und wollte mich beruflich verändern. 2019 hat die Firma, in der ich jetzt arbeite, mit einer Kampagne speziell nach weiblichen Berufsanwärterinnen gesucht. Meine Familie und Freunde haben mich dann immer wieder darauf angesprochen. Die dachten sich schon, dass das eigentlich genau mein Ding ist und zu mir passen könnte. Körperliche Arbeit war mir schon immer wichtig und die Arbeitszeiten haben mir, als alleinerziehende Mutter, auch gut gepasst. Allerdings konnte ich mich nicht gleich bewerben, weil eine meiner Töchter zu dem Zeitpunkt gesundheitliche Probleme hatte. Das habe ich nachgeholt und nun bin ich seit einem knappen halben Jahr dabei.  

Was ich an dem Job mag und was nicht 

Man ist viel draußen unterwegs, das gefällt mir. Ansonsten mag ich die Abwechslung und die Arbeitszeiten. Es gibt auch oft Anerkennung und Wertschätzung: Gestern erst ist eine Kindergartengruppe an die Straße gekommen, um zu sehen, wie wir den Müll abholen. Meine Tochter nennt uns immer die „Alltagshelden“, so fühlt es sich auch manchmal ein bisschen an. Wenn wir auf Tour sind, kommt bei einem Haus immer ein Mann an den Zaun und bedankt sich für unsere Arbeit.   

Was ich nicht mag, ist die Unachtsamkeit einiger Mitbürger. Manchmal brettern Fahrrad- oder Autofahrer einfach an uns vorbei, das wirkt schon teilweise etwas respektlos. Ein Kollege hat einmal gesagt: „Orange macht unsichtbar.“ Das Gefühl habe ich wirklich manchmal. Würden wir nicht immer aufpassen, hätte es bestimmt schon das eine oder andere Mal im Straßenverkehr gekracht.  

Welche kuriosen Sachen man im Müll entdeckt

Ich bin ja noch nicht so lange dabei, deshalb habe ich bisher noch keine spektakulären Funde gehabt. Aber wir haben tatsächlich mal Sextoys im Papiermüll gefunden.  

Wie es ist, als Frau in diesem Job zu arbeiten 

Ich finde, das ist ein Beruf, den eine Frau gut ausüben kann. Aber dass es trotzdem etwas Besonderes ist, merke ich schon. Da gibt es mal einen Daumen nach oben, wenn ich den Müll auf der Straße einsammle, aber das stört mich nicht. In unserem Betrieb war ich die erste Frau, mittlerweile sind es aber schon vier. Deswegen bin ich nicht mehr die große Ausnahme. Aber klar, insgesamt sind es überwiegend männliche Kollegen und der Ton ist eher harsch. Damit komme ich jedoch super klar. Ich hatte sowieso meist immer mehr männliche als weibliche Freunde. 

Die Frage, die ich auf Partys immer gestellt bekomme 

Häufig werde ich gefragt, ob ich so einem „Männerberuf“ überhaupt gewachsen bin und wie ich mit den ganzen männlichen Kollegen klarkomme. Viele fragen auch, ob es Ratten gibt oder ob es stark stinkt. Da kann ich nur sagen, dass es natürlich mal Ratten gibt und es auch mal ziemlich stinkt. Ich stehe hinten auf dem Fahrzeug und kriege das direkt mit, aber das ist für mich total okay. Ich bin nicht so zimperlich. 

Das verdient man als Müllwerkerin 

Hier in meinem Betrieb habe ich einen Tarifvertrag im öffentlichen Dienst. Da verdient man 2700 Euro brutto. Für mich, als alleinerziehende Mutter, ist das ausreichend. Außerdem steigt das Gehalt auch langsam an. 

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