Das „Riot Pant Project“ prangert Manspreading an

Mina und Elena wollen darauf aufmerksam machen, dass Männer sich immer noch mehr Raum nehmen als Frauen.
Von Sophie Aschenbrenner

Mina und Elena in ihren „Stop Spreading“-Hosen.

Foto: Lexi Sun

„Stop spreading“ steht fett zwischen den Beinen der Frau, sie hat sie weit gespreizt, obwohl die U-Bahn, in der sie sitzt, ziemlich voll ist. Sie nimmt sich Platz, mehr, als sie müsste. Das ist untypisch für Frauen. Deswegen sind die Zielgruppe dieser Botschaft: Männer. Und zwar vor allem diejenigen, die in der U-Bahn durch breit geöffneten Beine gleich mehrere Sitze einnehmen.

Foto: Hanko Ye

Foto: Nadine Hess

Foto: Nadine Hess

Die Hosen sind Teil des „Riot Pant Project“ von Elena Buscaino und Mina Bonakdar. Die Frauen studieren an der Universität der Künste in Berlin, Mina Modedesign, Elena visuelle Kommunikation. Kennengelernt haben sie sich vor einem Jahr in einem interdisziplinären Seminar. „Wir sollten gemeinsam eine Kollektion entwickeln“, erzählt Elena. „Dabei haben wir uns viel mit für Frauen und Männer typischen Körperhaltungen auseinandergesetzt.“ So kam eines zum anderen: „Wir hatten uns davor schon mal darüber unterhalten, wie sehr uns Manspreading in der Berliner U-Bahn nervt“, sagt Mina. Die Idee, Botschaften auf Vintagehosen zu drucken, war geboren.

Die beiden führten nach dem Seminar ihre Zusammenarbeit einfach fort und begannen in den Semesterferien mit den ersten Probedrucken. „Viele unserer Freund*innen fanden die Idee von Anfang an total super und die Hosen genau richtig. Deswegen haben wir weitergemacht“, sagt Mina. Auf manchen Hosen steht „Stop Manspreading“, auf anderen „Toxic Masculinity“ oder „Give us Space“. Beiden fällt seitdem noch mehr auf, wenn jemand mit extrem gespreizten Beinen in der U-Bahn sitzt.

Manspreading ist eine Machtdemonstration

Auch die Künstlerinnen sind mit ihren Hosen schon U-Bahn gefahren, Elena in Berlin, Mina in London. „In Berlin haben viele Menschen ziemlich irritiert reagiert“, erzählt Elena. Ihr sei vor allem eines aufgefallen: „Männer schauen uns Frauen auf die Brüste, auf den Hintern, ins Gesicht, auf die Beine – aber nicht so wirklich in den Vulvabereich. Das ist stigmatisiert. Für viele ist es sehr ungewohnt, dort eine Botschaft zu lesen.“ Mina sagt: „Alleine durch das Wissen, den Spruch zwischen meinen Beinen zu haben, habe ich mich besser und sicherer gefühlt.“

Foto: Hanko Ye

Foto: Nadine Hess

Foto: Nadine Hess

Für die beiden geht es aber nicht nur um spaßige Sprüche zwischen den Beinen, es geht um mehr. Manspreading ist für die Künstlerinnen eine Metapher für ein Verhalten: „Viele cis hetero Männer sind mit dem Gefühl aufgewachsen, dass es ihr gutes Recht sei, Platz einzunehmen. Viel Platz. Das ist eine Machtdemonstration. Und je stärker die Beine gespreizt sind, desto stärker manifestiert sich diese Macht.“ Zwar wünschen sich die beiden, dass sich niemand „auf den Schlips getreten fühlt“ durch das Projekt, es solle lustig sein und unterhalten, meint Elena. Ernst meinen sie es dennoch.

„Manspreading ist eine Form von toxischer Männlichkeit“, sagt Mina. Denn auch diese Art, sich Raum zu nehmen, steht für das Patriarchat und dafür, dass Männer in unserer Gesellschaft noch immer weit mehr Macht haben als Frauen, trans Menschen oder nicht-binäre Menschen. 

Die beiden hoffen, durch ihr Projekt zumindest im Kleinen etwas ändern zu können, den Diskurs anzuregen. „Wir müssen dahin kommen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Männer mehr Raum einnehmen als Frauen“, sagt Elena. „Uns ist es wichtig, Menschen ein Werkzeug zu geben, um sich stärker zu fühlen. Wir wollen nicht nur cis Frauen ansprechen, sondern auch queere Personen, nonkonforme Personen, Männer, die sich nicht als cis hetero definieren.“

Zumindest im Kleinen funktioniert das schon gut. „Wir bekommen von vielen Menschen in unserem Umkreis jetzt die Rückmeldung, dass sie viel sensibler geworden sind“, sagt Elena. Sie erzählt, dass immer mehr männliche Freunde jetzt zu ihr sagen: „Ich höre deine Stimme im  Hinterkopf, wenn ich gerade dabei bin, mich in der U-Bahn breit zu machen.“ 

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