Designerin erhält für Anti-Manspreading-Stuhl eine Auszeichnung

Und bekommt heftige Gegenreaktionen.

Das Phänomen Manspreading wird schon seit einiger Zeit diskutiert. Auf Twitter teilen immer wieder User unter #manspreading Fotos von Situationen in öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen Männer breitbeinig sitzen und viel Platz einnehmen. Jetzt gibt es einen Designvorschlag dagegen - und der polarisiert mindestens so sehr wie das Phänomen Manspreading selber.

Die 23-jährige Laila Laurel hat erst im Sommer 2019 ihr Design-Studium an der Universität Brighton abgeschlossen. Für das Design, um das es geht, wurde sie jetzt mit dem „Belmond Award“ für Nachwuchsdesigner in London ausgezeichnet. Es handelt sich um zwei Stühle: Der eine ist speziell für Männer konzipiert, damit sie nur mit geschlossenen Beinen sitzen können, womit Manspreading verhindert werden soll. Als Gegenpart dazu hat sie ebenso einen Stuhl für Frauen entworfen, auf dem man nur breitbeinig sitzen kann. Damit möchte sie auf die Unterschiede aufmerksam machen, die es bei der Art des Sitzens in Zusammenhang mit dem Geschlecht gibt.

Seit der Preisverleihung für ihr Projekt „A Solution for Manspreading“, schicken Männer Laila verärgerte Nachrichten, weil sie sich angegriffen fühlen. Die wiederrum fühlt sich von der Reaktion komplett falsch verstanden. Sie wolle zwar, so sagt sie in einem Interview mit der BBC, auf Alltagssexismus aufmerksam machen, allerdings nicht weil sie Männer hasse. Mit den Stühlen wolle sie schon provozieren, aber wichtig sei ihr, durch die Sitzposition Manspreading erfahrbar zu machen. Das Design dieser Stühle und auch das Gefühl, wenn man auf einem der beiden Stühle sitzt, soll ein humorvollen Zugang zu dem Thema Alltagssexismus sein. 

Inspiriert habe sie das Projekt „the everyday sexism project“: Eine Webseite, auf der Frauen sexistische Erlebnisse mitteilen können, die ihnen in ihrem Alltag widerfahren. Durch das Teilen der persönlichen Geschichte soll die Diskussion über Alltagssexismus erhalten bleiben. Laila betont, dass der provokante Titel und die Stühle nicht zu ernst genommen werden sollen, sondern auf einen witzigen Art zum Nachdenken anregen sollen. Die Stühle waren zudem ein Teil ihres Abschlussfilm namens „Feminism in the Third Dimension“. 

Auch die Reaktionen zu ihrem Abschlussfilm auf YouTube, in dem gleich zu Anfang die Stühle präsentiert werden, sind eher negativ. In den Kommentaren wird ihre Arbeit als #tocixfeminity bezeichnet. Bei der Jury des „Belmond New Designer“-Preises 2019 kamen Laila Laurels experimentelle und feministische Designstühle allerdings ziemlich gut an und sie wurde von über 3 000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen als Gewinnerin ausgesucht. 

jge

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