Warum ich mein Bett mit niemandem teilen möchte

Viele Menschen schlafen am besten, wenn sie sich das Bett mit jemandem teilen, den sie gerne mögen. Unsere Autorin bevorzugt ein Bett für sich allein.
Illustration: FDE

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Sich abends im Bett in die Arme des Partners kuscheln und dann eng beieinander einschlafen – für viele Menschen ist das das Sinnbild einer glücklichen Beziehung. „Wir wachen morgens auch genauso wieder auf“, erzählten mir einige Freundinnen schon schwärmerisch. Mir persönlich rollen sich bei solchen Aussagen die Fußnägel hoch. Und das nicht, weil ich mich nicht für diese Personen freue. Sondern weil diese Art des Schlafens für mich persönlich der absolute Horror wäre.

Der Partner atmete mir feucht ins Ohr und ich floh auf die Couch

Das Szenario des Arm-in-Arm-Einschlafens sah bei mir in der Vergangenheit nämlich häufig so aus: Die Arme meines Partners legten sich um meinen Oberkörper – für meinen Geschmack meistens viel zu fest. Nach wenigen Minuten wollte ich mich bewegen, spürte, wie mein Arm langsam zu kribbeln begann und dann gänzlich taub wurde. Doch mein Partner war, nachdem sich seine Nase ein Luftloch zwischen meiner Haarpracht gesucht hatte, eingeschlafen und atmete mir seitdem feucht ins Ohr. Zudem wurde mir durch seine Körpernähe langsam unerträglich warm. Als er dann auch noch zu schnarchen begann, befreite ich mich aus seinem Griff und flüchtete auf die Couch. Erfahrungen wie diese habe ich immer wieder gemacht – sowohl in Partnerschaften als auch bei Dates. Und sie haben mir gezeigt, dass ich offensichtlich nicht zu den Menschen gehöre, für die das Arm-in-Arm-Einschlafen der ultimative Liebesbeweis ist – mein Freund sieht das übrigens ähnlich. Gott sei Dank!  Denn bei den ersten gemeinsamen Übernachtungen und in nachfolgenden Gesprächen haben wir schnell festgestellt, dass wir diese Art des Einschlafens beide nicht mögen. Bei mir geht das Ganze jedoch noch etwas weiter: Ich schlafe nämlich grundsätzlich nicht gerne neben oder mit anderen Menschen in einem Raum. Am liebsten – und besten – schlafe ich allein. Und das war schon immer so.

Und deshalb waren auch Übernachtungen von Freund:innen in meinem damaligen WG-Zimmer nur selten ein Grund zur Freude. Denn sobald ich mir mit einer Person ein Bett teile, fange ich an, mir Gedanken über diese zu machen. Kann sie wohl gut einschlafen? Kann ich mich jetzt umdrehen oder wird sie dann wach? Atme ich zu laut? Und so kommt es, wie es kommen muss: Ich atme verkrampft und möglichst leise, liege schon ewig unbequem auf einer Seite und hoffe, dass ich so irgendwann doch noch einschlafe. Natürlich geschieht das nicht. Auch Schäfchen zählen hilft nichts. Stattdessen schaue ich immer wieder auf die leuchtenden Zahlen des Weckers und rechne aus, wie viele Stunden Schlaf mir noch bleiben. Noch acht Stunden. Noch sechs Stunden. Noch vier Stunden. Draußen wird es hell. Ich möchte am liebsten aufstehen, denn an Schlaf ist eh nicht mehr zu denken. Das gleichmäßige Atmen meines Bettnachbarn stört mich mittlerweile auch. Denn ich bin zusätzlich nachts sehr geräuschempfindlich. Von der kleinsten Kleinigkeit wache ich auf. Wie soll man mit solchen Voraussetzungen gut neben anderen Menschen schlafen?

Leider bringt mir das soziale Umfeld oft wenig Verständnis entgegen, wenn ich sage, dass ich am liebsten ein Bett bzw. Schlafzimmer ganz für mich allein haben möchte. Erzähle ich beispielsweise, dass ich beim Zusammenziehen gerne zwei getrennte Schlafzimmer hätte, in denen mein Partner und ich dann jeweils sehr gut schlafen werden, heißt es von anderen oft: „Liebst du deinen Freund nicht?“ oder „Dann war’s das ja mit der körperlichen Nähe. Ihr habt dann ja quasi eine WG.“ Während diese Aussagen früher dafür gesorgt haben, dass ich an mir gezweifelt habe, bin ich mittlerweile der Meinung, dass man sein persönliches Schlafverhalten nicht ändern sollte, nur weil andere Menschen es komisch finden. Was bringt es mir und meinem Partner, wenn ich mich durch die Nacht quäle und am nächsten Tag mies gelaunt bin? Wenn wir beide gut schlafen, haben wir mehr davon. Und das heißt auch keineswegs, dass die körperliche Nähe auf der Strecke bleibt.

Frauen schlafen neben dem Partner oft schlechter

Unterstützung bekomme ich auch vonseiten der Wissenschaft: Die erste Reaktion von Psychologin und Schlafforscherin Christine Blume auf das Thema „Schlafen neben anderen Menschen“ ist ein Lachen und die Aussage: „Das kann ich sehr gut nachvollziehen!“ Sympathisch, finde ich. Die Forscherin an der Uni Basel ist der Meinung, dass beim Thema Allein-Schlafen auch häufig die soziale Komponente der Erwünschtheit eine Rolle spielt: „Viele Menschen trauen sich nicht, offen zu sagen, dass sie neben ihrem Partner schlecht schlafen. Sie haben Sorge, dass andere denken, etwas sei mit ihrer Beziehung nicht in Ordnung. Dabei sehen wir häufig, dass besonders Frauen neben ihrem Partner schlechter schlafen, bei Männern ist das nicht unbedingt der Fall.“ Laut Christine Blume gibt es dafür drei Gründe: Zum einen bewegen sich Männer nachts mehr und schlafen unruhiger, was wiederum die Partnerin weckt. Zum anderen ist das männliche Geschlecht ein Risikofaktor für Schnarchen. Das ist laut Blume anatomisch bedingt. Und der dritte Grund: Frauen sollen laut einer Studie der Uni Wien sozialer eingestellt sein und sich daher nachts eher für den Mann verantwortlich fühlen. Schläft einer der Partner immer schlecht, bringt das laut der Schlafforscherin keinem etwas. Daher rät sie, offen mit dem Thema umzugehen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Denn konstanter Schlafmangel hat neben den gesundheitlichen Folgen sonst irgendwann wirklich Auswirkungen auf die Beziehung.

Aus Sicht der Wissenschaft scheint mein Schlafverhalten also gar nicht so unnormal zu sein und auch mein Partner ist zum Glück sehr kompromissbereit. Dennoch stehe ich immer wieder vor neuen Herausforderungen – beispielsweise im Urlaub mit Freund:innen. Schließlich kann man da nur selten sagen: „Ich hätte gerne ein Einzelzimmer“. Und meist wird das dann auch ein teurer Spaß. Doch auch hier habe ich eine Lösung gefunden: Gleichgesinnte! Eine gute Freundin von mir schläft ebenso wie ich am liebsten allein. Daher haben wir im letzten Urlaub kurzerhand eine günstige Unterkunft für drei Personen gebucht. Warum? Weil es dann zwei Betten gab. Herrlich! Nach der kurzen Irritation unseres Gastgebers, wo denn die dritte Person sei, konnten wir beide den Urlaub in vollen Zügen genießen. Die Tage waren erlebnisreich, die Nächte umso erholsamer. So wie es im Urlaub sein sollte. Wenn der finanzielle Rahmen es erlaubt, würde ich es beim nächsten Mal wieder so machen.

Immer wieder stelle ich fest, wie gut es mir tut, zu meinem Schlafverhalten zu stehen. Und was spricht dagegen, wenn man sich freut, das Bett nur für sich allein zu haben? Ich kann mich ausbreiten, wie ich möchte, kann quer darin schlafen und niemand wird dadurch gestört. Ich kann laut atmen, schnaufen, husten und mich herumwälzen. Und ich muss mir keine (unnötigen) Gedanken darüber machen, wie gut mein Nebenmann gerade schläft. Das finde ich sehr befreiend.

Und deshalb möchte ich auch in Zukunft möglichst allein schlafen. Was andere darüber denken, ist mir mittlerweile herzlich egal, denn mein Schlaf ist mir heilig. Und daher freue ich mich jetzt schon wieder auf mein großes Bett, in dem ich heute Abend so schlafen werde, wie ich es am liebsten mag: allein. Gute Nacht!

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