Die schwedische Fashion Week wird aus Umweltgründen abgesagt

Mit Nachhaltigkeit hat Fast-Fashion nämlich nichts zu tun.

Vor sieben Jahren gingen die Hunde über den Laufstegt auf der Fashion Week in Stockholm.

Bild: Getty Images, Ian Gavan

Der schwedische Modeverband „Swedish Fashion Council“  hat mit seiner Ankündigung, die Fashion Week in Stockholm zu streichen, für Aufsehen gesorgt. Diese mehrtägigen Messen sind die großen Aushängeschilder für die kreative Modebranche jedes einzelnen Landes und für Modedesigner*innen, Journalist*innen, Einkäufer*innen, Blogger*innen und Branchen-Insider*innen gleichermaßen wichtiger Treffpunkt.

Dass der schwedische Verband sich zu diesem Schritt entschlossen hat, erscheint da fast radikal. Natürlich: Die Fashion Week in Stockholm war nie so wichtig wie die in Paris oder New York.

Dennoch ist der Schritt wichtig und bemerkenswert. Denn der Verband hat nach eigenen Angaben beschlossen, die konventionelle Fashion Week unter anderem deshalb abzusagen, um ein neues, nachhaltiges Modell zu entwickeln, das in die aktuelle Zeit passt. Jenni Rosén, Chefin des schwedischen Modeverbands erklärte in einer Pressemitteilung, dass man sehr lange darüber diskutiert habe, ob man das konventionelle Modell der Fashion Week hinter sich lassen solle. Mit dieser Absage wolle sich der Verband darauf konzentrieren, Alternativen zu finden. Gerade weil die schwedische Modeindustrie weit verzweigt und wachsend sei, sei es notwendig, die Marken so zu unterstützen, wie es gegenwärtig nötig sei. Zudem könne man durch diesen Schritt die Nachhaltigkeitsziele erreichen und neue Standards für die Industrie etablieren. Das könnten unter anderem Reparaturen, Rücknahmen, Tauschaktionen oder Streaming sein.

Bald könnten mehr als 100 Millionen Tonnen Kleidung und Schuhe im Jahr gekauft werden

Die schwedische Modebranche ist alleine in den letzten sieben Jahren um mehr als 60 Prozent gewachsen und setzt mehr als 30 Milliarden Euro jährlich um. Weltweit setzt die Modeindustrie jährlich über 1,5 Billionen Euro (1 500 000 000 000) um, wie eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) im Auftrag der gemeinnützigen Nachhaltigkeitsinitiative "Global Fashion Agenda" von 2017 ergeben hat. Und das ist noch lange nicht das Ende des Wachstums: Laut Berechnungen der Global Fashion Agenda wird der Konsum weiter steigen – vor allem in Schwellenländern. In den kommenden Jahren sehen Berechnungen eine Umsatzsteigerung um mehr als 60 Prozent vor. Das bedeutet, dass dann bald jedes Jahr mehr als 100 Millionen Tonnen Kleidung und Schuhe gekauft werden.

Angesichts der Tatsache, dass die Modeindustrie seit Jahren auf dem zweiten Platz der umweltschädlichsten Industrien steht (direkt nach der Ölindustrie), sind diese Voraussagen nicht unbedingt Grund zur Freude. Zudem weiß jeder, dass die Arbeitsbedingungen in der Industrie zum Teil haarsträubend miserabel und menschenverachtend sind. Schwedens größter Player in der Modeindustrie ist der Fast Fashion-Gigant H&M, dessen bescheidene Wurzeln vor mehr als 70 Jahren in dem Ort Västerås begannen.

Die Fashion Week in Stockholm hätte heuer vom 27. bis 29. August stattfinden sollen. Nun will der Modeverband im Herbst ein neues Konzept präsentieren, wie die schwedische Modeindustrie bei der Entwicklung unterstützt werden können. Ob es dann wieder eine klassische Messe geben wird, bleibt dabei offen.

chwae

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