Cardi B empört mit verhülltem Gesicht

Denn wieso darf sie das auf der Pariser Fashion Week, wenn Burkas in Frankreich verboten sind?

Cardi B ist bei der Fashion Week in Paris in einem Outfit durch die Stadt gelaufen, das man in erster Linie exzentrisch finden kann – aber das ist High Fashion ja oft. Die Rapperin trug einen Faltenrock mit Jacke und Stiefeln im gleichen Blumenmuster. Außergewöhnlich allerdings: Auch ihre Haare waren durch einen Schal im gleichen Muster verhüllt – und ihr Gesicht. Die Kreation stammt vom 29-jährigen Londoner Designer Richard Quinn. Die Musikerin postete ein Video von sich in dem Outfit unter dem Eiffelturm und schrieb dazu: „Paris Fashion Week, da bin ich!“ Im Video wird sie von umstehenden Menschen und Paparazzi für diesen Auftritt gefeiert.

In den sozialen Medien sieht das anders aus, denn: In Frankreich gibt es ein Verschleierungsverbot, das die Sicherheit im öffentlichen Raum verbessern soll. Als erstes europäisches Land hat Frankreich im April 2011 das öffentliche Tragen von Burka und Niqab verboten. Um Diskriminierungsvorwürfen vorzubeugen, heißt es im Gesetz aber bewusst vage: „Niemand darf im öffentlichen Raum ein Kleidungsstück tragen, das dazu dient, das Gesicht zu verhüllen.“

Einige Menschen finden deswegen, dass Cardi Bs Aktion zeigt, welche Doppelstandards bei dem Verhüllungsverbot gelten: Will eine Frau aus religiösen Gründen ihr Gesicht nicht zeigen und trägt deshalb eine Burka, droht eine Geldstrafe von 150 Euro. Hat Cardi B einfach mal Bock auf ein bisschen Aufmerksamkeit und ein fancy Outfit, kann sie wohl machen, was sie will (mal davon abgesehen, dass Cardi B eine Strafe von 150 Euro wahrscheinlich kaum wehtut).

Viele weisen daraufhin auf das Gesetz hin – und beschweren sich über eine angebliche Doppelmoral. Eine Twitter-Userin kommentiert: „Also für muslimische Frauen in Frankreich ist es illegal, einen Niqab zu tragen, aber wenn Cardi B zur Fashion Week ein Ganzkörper-Outfit trägt, dann wird das gefeiert??“ Das mache keinen Sinn.

Auch „Game of Thrones“-Darstellerin Nathalie Emmanuel ist irritiert: „Ich hoffe, das erinnert die Leute daran, dass Niqabs an öffentlichen Plätzen in Frankreich verboten sind und mit einer Geldstrafe von bis zu 150 Euro geahndet werden.“

Ist das Outfit ein politisches Zeichen? Will Cardi B darauf aufmerksam machen, dass manche Frauen wohl ganz unbehelligt verhüllt durch Paris spazieren dürfen und andere nicht? Die Musikerin selbst hat sich noch nicht geäußert. Der Fall zeigt aber einmal mehr, dass Mode oft weit mehr ist als eine mehr oder weniger dekorative Hülle.

soas

  • teilen
  • schließen