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Und jetzt alle: Die Handys zum Himmel, kommt lasst uns fröhlich sein!

Bild: John Mark Arnold / unsplash

So ein Konzert ist eine tolle Sache: Der Künstler, dessen Musik man zu Hause wochenlang rauf und runter gehört hat, steht auf einmal da vorne auf der Bühne, Luftlinie 20 Meter – und singt seine Songs nur für mich und dich und fünf bis 10.000 Leute. Das Bier ist vielleicht schal und der Preis für die Karte war sportlich, aber dafür bekommt man etwas Unbezahlbares: ein echtes Live-Erlebnis, das sich nicht reproduzieren lässt. Oder etwa doch?

Jeder, der in den letzten Jahren auf einem Konzert war, weiß, dass die ganz große Mehrheit der Konzertbesucher da anderer Meinung zu sein scheint. Denn gefühlt jeder Zweite hält während so eines Konzertes sein Handy hoch und filmt den Künstler ab. Und nervt dabei nicht nur alle Menschen, die hinter oder neben ihm stehen, sondern offenbar auch sich selbst.

Die globale Plattform für Ticketing und Event-Technologie Eventbrite hat eine repräsentative Studie mit 1000 Menschen zum Thema „Smartphone-Nutzung auf Events – Live-Killer oder Live-Turbo?“ durchgeführt und ist zu einem relativ erstaunlichen Ergebnis gekommen: Über 70 Prozent der Befragten, die in den vergangenen zwölf Monaten eine Musikveranstaltung besucht haben, fänden es gut, wenn andere Besucher weniger Bilder oder Videos während eines Auftritts aufnehmen würden. 40 Prozent der Befragten (Mehrfachnennung möglich) finden sogar, dass während eines Auftritts überhaupt keine Videos oder Bilder aufgenommen werden sollten. Allerdings gab jeder zweite Befragte dieser Studie auch an, während eines Konzertes selbst Fotos oder Videos zu machen. Und das vielleicht deprimierendste, aber nicht wirklich überraschende Ergebnis der Studie: 34 Prozent der Befragten erklärten, dass sie schon einmal das Gefühl hatten, etwas von der Veranstaltung zu verpassen, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, Bilder oder Videos davon zu machen.

In der Studie wurden auch Veranstalter, Künstler und Clubbetreiber befragt. Die finden ebenso wie die Besucher, dass das aktuelle Ausmaß der Smartphone-Nutzung bei Auftritten problematisch ist. Gleichzeitig können sich 70 Prozent der befragten Veranstalter nicht vorstellen, Regeln für die Handy-Nutzung aufzustellen, denn die Verbreitung dieser Bilder und Videos hat für Veranstalter durchaus einen Nutzen: Bilder und Videos von Veranstaltungen wirken sich spürbar auf Ticketverkäufe aus und haben einen nicht zu unterschätzenden Marketing-Effekt.

Ein Verbot von Smartphones fänden nur wenige gut

Soll man die Handhabung von Smartphones also bei Konzerten regeln?  Manche Künstler, wie Jack White oder Bob Dylan, verbieten auf ihren Konzerten die Nutzung von Smartphones. Doch so ein rigoroses Verbot kommt bei den Fans nicht besonders gut an. Nur 16 Prozent der Befragten in der Eventbrite-Studie fänden ein totales Verbot von Smartphones auf Konzerten gut.

Dabei ist es erwiesen, dass wir uns besser an einen Moment erinnern, wenn wir den ohne Ablenkung – wie zum Beispiel ein Smartphone – erleben. Wenn wir also unser Smartphone zücken, um damit einen Moment festzuhalten, verpassen wir genau dadurch das, was gerade um uns herum geschieht.

Was also tun gegen die grassierende Seuche der Smartphone-Zücker auf Konzerten?

Vielleicht würde eine kleine Lektion viele hartnäckige Konzert-Filmer eines Besseren belehren: Wer es nicht lassen kann, ein Event zu filmen und zu fotografieren, wird in Zukunft dazu gezwungen, sämtliche Videos, die es von diesem Live-Erlebnis gibt, zwei Wochen später auf Youtube anzusehen. Nach 15 Stunden Schüttel-Trauma und tragischen Sound-Erlebnissen wäre vermutlich jeder dieser Konzertfilmer von seiner Leidenschaft geheilt.

chwae

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