rihanna kapernick cover

Der Super Bowl hat in den USA einen ähnlichen Stellenwert wie bei uns ein Fußball-WM-Finale mit deutscher Beteiligung: Jedes Jahr ist das Spiel die TV-Sendung mit den höchsten Einschaltquoten. Dementsprechend astronomisch sind die Kosten für Werbespots. Die Unternehmen überschlagen sich darin, coole neue Spots extra für diese Sendung zu produzieren. Und weil die Amis sich mit Entertainment und Geld so gut auskennen, wird sogar die Halbzeitpause dazu genutzt, so viele Menschen wie möglich vor den Fernseher zu locken. 

Seit Ende der 1960er Jahre gibt es in der Pause eine musikalische Darbietung. Wer dort auftaucht, kann sichergehen, dass er von sehr, sehr vielen Menschen gesehen wird. Denn auch die Halbzeit-Show hat Rekord-Einschaltquoten und wird auch von Menschen gesehen, die sich ansonsten für Football nie im Leben interessieren würden. Als 2015 Katy Perry auftrat, sahen ihr dabei 118,5 Millionen Menschen zu. 2017 hat Lady Gaga mit 150 Millionen Zuschauern einen weltweiten Rekord gebrochen: Ihr Konzert war das musikalische Event mit den meisten Zuschauern aller Zeiten. Man kann also zurecht behaupten, dass ein Auftritt bei der Super Bowl Halftime Show die Krönung der Karriere eines jeden Popstars ist.

Angesichts dieser Dimensionen wird auch klar, welche Bedeutung die Absage von Rihanna hat.

Die amerikanische Klatschzeitschrift „US Weekly“ behauptet, über Informanten erfahren zu haben, dass Rihanna von den Organisatoren gebeten wurde, bei der Halbzeit-Show aufzutreten. Dieses Angebot habe Rihanna aus politischen Gründen ausgeschlagen: Rihanna sei überhaupt nicht einverstanden mit der Behandlung des Football-Spielers und Aktivisten Colin Kaepernick durch die NFL. Kaepernick gilt als einer der besten Quarterbacks seiner Generation. Zuletzt war er auf dieser Position bei den San Francisco 49ers beschäftigt. 2016 begann er als erster Spieler seinen Protest gegen Diskriminierung: Vor allen Football-Spielen wird in den Stadien die Nationalhymne abgespielt, zu der die Zuschauer und Spieler aufstehen und die Hand aufs Herz legen. Kaepernick weigerte sich aufzustehen – mit der Begründung, er könne nicht stolz auf eine Flagge sein, die für ein Land steht, das schwarze und farbige Menschen unterdrückt. Zugleich kritisierte er die Polizeigewalt in den USA, der vor allem junge Afroamerikaner zum Opfer fallen.

Diese Entscheidung eines einzelnen Menschen hatte große gesellschaftliche Auswirkungen: Bald folgten Kaepernicks Beispiel andere Spieler und knieten während der Nationalhymne. Vor allem Donald Trump machte daraus ein Politikum: Während seiner zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen beschimpfte er immer wieder die protestierenden Spieler, nannte sie „sons of bitches“ und interpretierte ihren Protest als Respektlosigkeit gegenüber der Nation, der Flagge und Kriegsveteranen. Im März 2017 trennten sich die 49ers von Kaepernick, danach war er zwei Jahre lang „Free Agent“. Weil ihn in dieser Zeit kein einziger Verein verpflichten wollte, ist er nun nicht mehr Teil der NFL und aus dem Sport ausgeschieden. Im Mai 2018 verabschiedete die NFL zudem eine Regel, dass alle Spieler, die während des Abspielens der Nationalhymne nicht stehen wollen, künftig in der Kabine bleiben sollen. 

Ersatz für Rihanna wurde übrigens schnell gefunden: Bei der Super Bowl Halftime-Show am 3. Februar in Atlanta wird die Band „Maroon 5“ auftreten. 

chwa

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