„Junge, soll ich nach Nevada kommen und mitzählen?“

Die US-Wahl wurde in den vergangenen Tagen zur Hänge- und Zitterpartie. Wie Menschen auf Twitter mitfiebern.
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Collage: jetzt / Fotos: Brendan Smialowski/AFP / Drew Angerer/Getty Images/AFP

Die US-Wahl 2020 ist spannender als jeder Blockbuster: Zwar war schon am 3. November offizieller Wahltag, doch auch jetzt noch (Stand 6. November, 14.45 Uhr) ist nicht ganz klar, ob Donald Trump oder Joe Biden der nächste US-Präsident wird, trotz aktuellen Vorsprungs von Biden. Das Rennen zwischen den beiden Kandidaten ist so knapp, dass es auf einige Swing-States ankommt – und die zählen derzeit größtenteils noch Stimmen aus der Briefwahl aus: Georgia, Pennsylvania, Arizona, Nevada, North Carolina. Währenddessen rechnet die Welt mit – allen voran CNN-Wahlerklärer John King.

... aber auch Deutsche, die die Wahl gebannt verfolgen.

Besonders überraschend ist die aktuelle Entwicklung in Georgia: Der Staat wählt meist republikanisch, derzeit liegt aber der Demokrat Joe Biden mit einigen Hundert Stimmen äußerst knapp vorn, es wird immer noch ausgezählt. Sollte Biden hier tatsächlich gewinnen, ist ein Trump-Sieg quasi ausgeschlossen. Auch in Pennsylvania führt Biden knapp – gewinnt er diesen Staat, hätte er schon alleine dadurch die für den Wahlsieg notwendigen 270 Stimmen erreicht.

Während es in Georgia auch über Nacht mit der Auszählung voranging, lässt ein anderer Staat die Welt seit einer gefühlten Ewigkeit warten: Nevada. Dort hofften viele eigentlich auf einen schnellen Sieg von Joe Biden, der dort deutlicher führt als anderswo – aber seit vielen Stunden gelten erst 86 Prozent der Stimmen dort als ausgezählt. Und die Leute fragen sich: Was machen die da eigentlich? Ein deutscher Nutzer bietet deshalb scherzeshalber Hilfe an: „Junge, soll ich nach Nevada kommen und mitzählen?“

Die Leute sind gerade deshalb so ungeduldig, weil nicht ganz klar ist, was genau da eigentlich so lange dauert. Sie spekulieren also: 

Angesichts dieses spannenden Showdowns wird zumindest eines klar: Dass die Floskel „Jede Stimme zählt“ ihre Berechtigung hat. Zeitweise lagen Donald Trump und Joe Biden in einigen Staaten nur um einen, in Georgia um keinen Prozentpunkt auseinander. Ein Nutzer vermutet daher: „Am Ende entscheiden das zehn Leute.“ Viele US-Amerikaner*innen dürften im Nachhinein sehr froh darüber sein, sich zur Wahl aufgerafft und teils stundenlange Wartezeiten in Kauf genommen zu haben. 

Nur der amtierende Präsident Donald Trump mag am liebsten aufhören, zu zählen. Er erklärte sich bereits am Wahltag zum Sieger und forderte, die Zählung zu stoppen – zumindest in den Swing-States, in denen er Prognosen zufolge verlieren wird. Er sprach von Wahlbetrug und schrieb auf Twitter von „Stimmen für Biden, die magisch auftauchen“ würden.

Während Twitter daraufhin diesen und viele andere Tweets von Trump mit einem Warnhinweis versah, fiel der Umweltaktivistin Greta Thunberg darauf nur eine Antwort ein: „Chill Donald, Chill!“ Mit ihrem Tweet revanchiert sie sich für einen Tweet im selben Wortlaut, den Donald Trump vor Monaten einmal an sie gerichtet hatte.

Andere machen sich über Donald Trumps Forderung auf andere Art und Weise lustig – mit Vorschlägen, wer eigentlich noch so aufhören sollte zu zählen. Beliebstestes Beispiel: die Waage.

Und obwohl so ein bisschen Spannung ja auch mal ganz nett und aufregend ist, und die Twitter-Witzchen die Wartezeit erträglicher machen, ist diese Zitterpartie vielen am Ende doch zu viel. Sie haben schlaflose Nächte hinter sich, können sich bei der Arbeit kaum mehr konzentrieren.

Ein Deutscher resümiert deshalb, was sich wohl auch viele andere denken: Einige Tage später in dieses Finale einzusteigen, hätte auch gereicht.

lath

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