„Ich fänd’s gut, wenn er die Klimakrise wie eine Krise behandeln würde“

Greta Thunberg kritisiert den amtierenden US-Präsidenten Joe Biden – in Anbetracht der Wissenschaft tue er längst nicht genug, um die Klimakrise zu bekämpfen.
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Foto: Kevin Dietsch / imago images, Virginia Mayo / dpa

Greta Thunberg hatte Hoffnungen in die Klimapolitik des neuen US-Präsidenten Joe Biden gesetzt. Zwar keine riesigen, man müsse erst mal abwarten. Deutlich klimafreundlicher als die Politk seines Vorgängers Donald Trump würde die von Biden aber definitiv werden, äußerte sie sich Anfang Januar kurz vor Bidens Amtsantritt. Jetzt zeigt sich die 18-jährige Klimaaktivistin skeptischer. 

In einem Interview auf dem US-amerikanischen Nachrichtensender MSNBC kritisierte Greta Thunberg am vergangenen Montag Joe Biden. Host Mehdi Hasan hatte sie gefragt, welche Note sie Bidens bisheriger Klimapolitik geben würde. Daraufhin wich Greta Thunberg zunächst aus und reagierte bescheiden. Sie sei nur ein Teenager, habe nicht das entsprechende politische Mandat, um Biden „benoten“ zu können: „Meine Meinung ist nicht so wichtig“. Anschließend machte sie dennoch sehr deutlich, dass die bisherige politische Performance des demokratischen US-Präsidenten im Hinblick auf die Klimakrise konsequenter hätte sein können.  

Statt an ihrer Meinung solle man sich an Fakten und Wissenschaft orientieren, um die Klimapolitik des US-Präsidenten einzuschätzen, so Thunberg. Man solle prüfen, ob er sich bislang an die Richtlinien des Pariser Klimaabkommens halte – dessen Ziel ist es, dass Staaten Anstrengungen unternehmen, um die Erdtemperatur unter 1,5 Grad Celcius zu senken. „Und dann sieht man sehr klar: Nein, das ist nicht der Fall“. 

„Wenn die Menschen nicht über die Krise Bescheid wissen, natürlich üben sie dann keinen Druck auf die gewählten Politiker aus“

Zwar ist Joe Biden nach seinem Amtsantritt dem Paris Klimaabkommen, das 2015 von der UN vereinbart wurde, wieder beigetreten. Vorgänger Donald Trump hatte das zuvor aufgekündigt.  

Durch den Beitritt verpflichten sich die beteiligten Länder dazu, die Treibhaus-Emissionen (der Hauptfaktor für die Klimakrise) unter einem bestimmten Limit zu halten. Biden hat zudem Gina McCarthy, ehemalige Leiterin der US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency, zur Klima-Beauftragten seiner Regierung ernannt. Am 27. Januar veröffentlichte er außerdem ein Programm, um die Klimakrise zu bekämpfen. Zu den darin formulierten Zielen für die USA gehören zum Beispiel Klimaneutralität bis 2050 und eine Stromversorgung ohne Kohle, Gas und Öl bis 2035

Greta Thunberg zufolge hat er dafür bisher aber noch nicht genug getan. Ihr geht es dabei nämlich auch um die Haltung: „Ich fänd’s gut, wenn er die Klimakrise wie eine Krise behandeln würde“, sagte sie im Interview bei MSNBC. Stattdessen werde „die Klimakrise wie eines unter vielen anderen politischen Themen behandelt“. Es sei zudem notwendig, in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein für diese Krise als Krise zu schaffen – und mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken. „Wenn die Menschen nicht über die Krise Bescheid wissen, natürlich üben sie dann keinen Druck auf die gewählten Politiker aus“, sagte sie. Ohne solchen Druck sei politisches Handeln nur bedingt möglich. 

Trotz der Kritik an Bidens Klimapolitik äußerte sich Greta Thunberg  vergleichsweise mild und verständnisvoll gegenüber der aktuellen US-Politik: „Um ehrlich zu sein wäre ich gerade auch ungern in einer Politiker-Position. Ich kann mir kaum vorstellen, wie schwer das sein muss.“ Wenn Greta Biden tatsächlich eine Note gegeben hätte, wäre es wohl trotzdem keine Eins mit Sternchen geworden. 

fsk

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