„Was würdest du lieber spielen: Türsteher oder Verbrecher?“

Die Schauspieler*innen Hassan Akkouch, Ron Iyamu und Denise M'Baye haben mit uns über Rassismus in der Branche gesprochen – und von ihren eigenen Erlebnissen erzählt.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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„Ich kann jede Rolle spielen“, steht in neongrünen Buchstaben zwischen vier Porträt-Aufnahmen von Hassan Akkouch. Auf einem Bild lächelt er, auf den anderen wirkt er ernst, verletzlich oder verträumt. Die Collage ist Teil der Anti-Rassismus-Kampagne von „MTV Germany“. Mehrere deutsche Schauspieler*innen, sowohl weiße, Schwarze als auch People of Color, wollen damit auf rassistische Strukturen in der Branche aufmerksam machen. Das Statement, dass Hassan jede Rolle spielen kann, bedeutet also: Er könnte, wenn er dürfte. Denn die Voraussetzungen hat er, zum Beispiel ein Schauspielstudium an der renommierten Otto Falckenberg Schule in München und viel Erfahrung in Theater- und in Fernsehproduktionen – vom „Kaufmann von Venedig“ bis zum „Tatort“. Hassan spielte in Berlin am Maxim Gorki Theater, in der Serie „4 Blocks“ und als Ensemble-Mitglied in den Münchner Kammerspielen. Trotzdem gibt es oft nur ganz bestimmte Rollen, für die Hassan infrage kommt: Krimineller, Türsteher, Drogendealer und alles, was in die Kategorie „Fremder“ fällt. Das möchte er nicht mehr wortlos hinnehmen. 

Hassan Akkouch kam als Geflüchteter mit seiner Familie aus dem Libanon nach Deutschland, da war er zwei Jahre alt. Im Berliner Stadtteil Neukölln wuchs er auf, wurde mit 14 abgeschoben und flüchtete sechs Wochen später erneut zurück nach Deutschland. Er hat schon früh erfahren, wie es ist, in Schubladen gesteckt zu werden, erzählt er im Videocall mit jetzt. Egal, ob in die Araber-Schublade oder die Neukölln-Schublade. Und das setzte sich in der Schauspiel-Branche fort. 

Aus „Typecasting“ kann schnell ein Phänotyp-Casting werden – und ein Spiel mit Klischees

Bei der Besetzung für Film-, Theater- und Fernsehproduktionen nennt man dieses Schubladen-Denken auch „Typecasting“. Schauspieler*innen werden dabei auf einen bestimmten Rollentyp festgelegt: den Bösewicht, den Helden, die wunderliche alte Frau. Eine Praxis, die im 17. und 18. Jahrhundert noch als besondere Auszeichnung für Schauspieler*innen galt. Heute ist es eher umgekehrt: Das schauspielerische Ideal ist es meist, möglichst viele verschiedene Rollen spielen zu können. 

Typecasting gibt es aber immer noch, und zwar in allen möglichen Genres und Produktionen. Und es hat nicht immer etwas mit den Fähigkeiten, sondern oft auch mit den Äußerlichkeiten der Schauspieler*innen zu tun, ob und auf welche Rollen sie „festgelegt“ werden. So kann aus „Typecasting“ auch schnell ein Phänotyp-Casting werden – und ein Spiel mit Klischees. Das führt besonders dann zu Konflikten, wenn die entsprechende Rolle immer wieder eine ist, die gesellschaftliche Vorurteile befeuert – etwa gegenüber einer marginalisierten Gruppe, der die Schauspieler*innen selbst angehören. Ein typisches Beispiel ist der migrantische Clan-Kriminelle. 

rassismus schauspieler text hassan akkouch

In der Serie „4 Blocks“ hat Hassan Akkouch, 33, den Drogendealer Maruf gespielt, jetzt spielt er in der ARD-Serie „WaPo“ einen Polizisten. Ihm kommt es aber nicht darauf an, wie böse eine Figur vermeintlich ist, sondern wie viel Substanz sie hat.

Foto: Nils Schwarz

„Wir wollen doch im Fernsehen ein Bild von unserer Gesellschaft sehen, das unserer Realität so nah wie möglich kommt“, sagt Hassan Akkouch und erläutert: „Es gibt auch Menschen in meiner Familie, die studiert haben. Aber das spiegelt sich nicht in meinen Rollen wider.“ In der Serie „4 Blocks“ spielte Hassan einen Drogendealer, jetzt spielt er in der ARD-Serie „WaPo“ einen Polizisten. Erst weglaufen, jetzt hinterherlaufen. Erst Ausbrecher, jetzt Angepasster. Aber: „Es geht mir nicht nur darum, wie böse eine Figur vermeintlich ist, sondern darum, wie viel Substanz sie hat“, sagt Hassan. 

Mehr Sichtbarkeit zu schaffen, bedeutet für Hassan: komplexe, diverse und vielschichtige Rollen für alle

Hassan weiß, dass er auch selbst ein Vorbild ist. Ein starkes Verantwortungsbewusstsein habe ihn schon früher geprägt. Da hat er als Tanzlehrer Kindern und Jugendlichen Breakdance beigebracht. Und auch zu seinem Schauspielerberuf gehören soziale und politische Verantwortung dazu, findet er. „Lass die Finger weg von den Drogen, arbeite dich nach oben – du hast Talent, mach es nicht kaputt, was ich kann, kannst du schon lange“, schrieb Hassan in einem Instagram-Post, nachdem seine Polizisten-Rolle bei der „WaPo“ vor eineinhalb Jahren publik wurde. 

Mehr Sichtbarkeit zu schaffen, bedeutet für Hassan auch: komplexe, diverse und vielschichtige Rollen für alle. Ihm ist bewusst, dass er als Schauspieler automatisch migrantische Menschengruppen mitrepräsentiert. „Es ist anstrengend, aber es gehört irgendwie zum Job dazu.“ Gewisse Rollen habe er deswegen schon abgelehnt: „Ich habe mir gedacht: Ich kann keinen geflüchteten Menschen spielen, der eine kopftuchtragende Frau mit einem Messer bedroht, weil sie mit einem Türsteher rumgemacht hat. Das geht einfach nicht.“

Studien, die einen Hinweis darauf gegeben hätten, wie ausgeprägt Rassismus in der deutschen Film- und Theaterbranche ist, gab es lange Zeit nicht – anders als Analysen zur On-Screen-Geschlechterungerechtigkeit. Seit Kurzem gibt es allerdings die Datenerhebung der Initiative „Vielfalt im Film“, die einen Einblick in die Lage der Branche gewährt. Untersucht wurden Diversität hinter und vor der Kamera sowie Diskriminierungserfahrungen. Mehr als 6000 Filmschaffende haben an der Befragung teilgenommen. Ein Viertel von ihnen gab an, in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung im Arbeitskontext erlebt zu haben. „Die Ergebnisse von Vielfalt im Film deuten darauf hin, dass Diskriminierung die deutsche Filmbranche durchzieht“, heißt es auf der Website der Initiative

Rassismus in der Film- und Theaterbranche äußert sich demzufolge grundlegend auf zwei Ebenen: Zum einen auf den Bühnen oder Bildschirmen durch stereotyp geschriebene Rollen:

  • 87,5 Prozent der befragten Filmschaffenden gaben an, dass arabische Menschen im deutschen Film und Fernsehen klischeehaft dargestellt werden.
  • 82,9 Prozent bewerteten die Darstellung muslimischer Menschen als stereotyp.
  • 79,7 Prozent halten die Darstellung von Menschen mit Migrationsgeschichte für stereotyp.
  • 77,5 Prozent bewerten auch die die Darstellung von Schwarzen Menschen so.

„Er fragte dann einen anderen Kollegen: ‚Und wann schneiden wir dem N-Wort eigentlich die Eier ab?‘“

Zum anderen äußert sich Rassismus in der Branche konkret durch rassistische Erfahrungen hinter den Kulissen: also beim Casting, bei Proben und am Set. Dass die beiden Ebenen zusammenhängen, zeigt auch der Fall von Ron Iyamu. Ron arbeitet seit 13 Jahren als Schauspieler, vorwiegend am Theater. Und seit 13 Jahren macht er dabei Rassismus-Erfahrungen: 2019 kam Ron an das Düsseldorfer Schauspielhaus. Davor hatte er am Mozarteum Salzburg Schauspiel studiert. Seine erste Rolle im neuen Ensemble war damals die eines bekifften Jugendlichen beim Abiball, der das Gras außerdem an eine andere, ebenfalls migrantische Person weitergibt, erzählt er im Telefonat mit jetzt. Eine Besetzung, die das Klischee des Schwarzen Drogendealers bediene.

rassismus schauspieler text ron iyamu

Seit 13 Jahren arbeitet Ron Iyamu, 29, als Schauspieler. Und seit 13 Jahren macht er dabei Erfahrungen mit Rassismus.

Foto: Eva Marschall

Später spielte Ron in der Inszenierung von Georg Büchners „Dantons Tod“ mit. In dem Stück geht es um die französische Revolution, aber der Regisseur wollte dabei auch die haitianische Revolution thematisieren, die historisch zeitgleich stattfand, nämlich zum Ende des 18. Jahrhunderts. Also spielte Ron einen haitianischen Freiheitskämpfer und ehemaligen Sklaven. „Das hat dann immer wieder zu Situationen geführt, in denen der Regisseur gerufen hat: ‚Der Sklave kommt jetzt auf die Bühne!‘ oder ‚Sklave: Mach dies!‘“, erzählt Ron im Gespräch mit jetzt. Das habe zunächst daran gelegen, dass seine Figur noch keinen Namen hatte – fortgesetzt hätten sich die „Sklaven“-Rufe aber auch nach der offiziellen Namensvergabe. „Und es gab auch im Umfeld der Produktion immer wieder rassistische Witze“, erzählt Ron. Einmal, als er ein Club Mate getrunken hat, hieß es etwa: „Trink mal das Bananengetränk.“ 

Ein anderes Mal, nach einem Videodreh für die Produktion, habe ihm ein Kollege ein Cutter-Messer an den Schritt gehalten: „Er fragte dann einen anderen Kollegen: ‚Und wann schneiden wir dem N-Wort eigentlich die Eier ab?‘. In dem Moment fand er das witzig, aber ich war einfach perplex“, sagt Ron. Später sprach er die Vorfälle bei den Zuständigen in Dramaturgie und Regie an. Man machte ihm das Angebot einer Aussprache – das, so sagt Ron, nicht eingelöst wurde. Er wartete mehr als ein Jahr lang. Rückblickend findet er das besonders fatal: dieses Warten auf eine Entschuldigung, auf eine Aussprache, eine ehrliche Auseinandersetzung. Denn: „In dem Moment, wo mir ein Gespräch über Rassismus versprochen wurde, und ich nur noch wartete, habe ich meine Initiative verloren. Ich wurde damit besänftigt, dass etwas passieren würde“, so Ron. 

Also machte Ron die Geschehnisse öffentlich, zuerst in einem WDR-Interview. Daraufhin erfuhr er viel Solidarität – vor allem seitens anderer Schwarzer Theatermacher*innen und Theater*macherinnen of Color, die einen offenen Brief verfassten und darin deutlich machten: Was Ron passiert ist, sei kein Einzelfall, sondern verweise  auf „Kontinuität und Strukturiertheit von Rassismus an deutschen Theatern und Schauspielhäusern“. 

Rons Arbeitgeber, das Düsseldorfer Schauspielhaus, reagierte auf Anfrage von jetzt mit einem Statement, das später auch offiziell auf der Website veröffentlicht wurde. Darin heißt es: „Wir verurteilen jegliche Form von Rassismus und möchten nicht, dass jemand rassistisch behandelt wird.“ Außerdem wurde darin auch eine Entschuldigung abgegeben, man habe „das Ausmaß der Verletzungen und vor allen Dingen die Aufarbeitung falsch eingeschätzt.“ Weiter wird darin auf den Posten eines Diversity-Beauftragten im Haus verwiesen, der Mitte 2019 besetzt wurde, sowie auf zukünftige Anti-Rassismus-Fortbildungen für Mitarbeiter*innen: „Die Ereignisse zeigen uns aber eindeutig, dass wir noch sehr viel mehr an unseren internen Strukturen arbeiten müssen, um Missstände zu erkennen und zu beseitigen.“

„Ich konnte gar nicht so schnell reflektieren, was mit mir passiert. Und dann habe ich eben den Verbrecher gespielt“

Wirklich zufriedenstellend findet Ron das Statement nicht. Es verwundere ihn eher, wie er in einem Instagram-Video Ende März erklärt. Darin sagt er, er habe bereits im Herbst vergangenen Jahres wegen der Rassismus-Erfahrungen bei der Leitung des Hauses um Auflösung seines Vertrags gebeten. Seiner Ansicht nach habe es also durchaus Gelegenheiten gegeben, das Geschehene anders einzuschätzen und Konsequenzen zu ziehen. „Das zu lesen, liebes Düsseldorfer Schauspielhaus, verletzt mich“, sagt Ron. 

Von Verletzung spricht auch Hassan Akkouch, wenn er über bestimmte Situationen in seiner Karriere spricht. Klischeehafte Rollenangebote bekam er schon in der Schauspielschule, da hieß es dann: „Hier sind zwei Angebote, was würdest du lieber spielen: Türsteher oder Verbrecher?“ Das Gefühl in solchen Momenten beschreibt Hassan als eine Art Schock: „Ich konnte gar nicht so schnell reflektieren, was mit mir passiert. Und dann habe ich eben den Verbrecher gespielt.“ Einmal habe einer seiner Dozenten im Schauspielstudium sich darüber gewundert, dass Hassan das Wort „esoterisch“ kennt. „Das hat mir gezeigt, was dieser Dozent an der Schule vielleicht über mich denkt“, so Hassan.

Auf Anfrage von jetzt schreibt Jochen Noch, der aktuelle Direktor der Otto Falckenberg Schule, man habe im Zusammenhang mit der #metoo-Debatte den Verhaltenskodex des deutschen Bühnenvereins auf die Ausbildungssituation in der Schule übertragen – auch wenn dieser Kodex Situationen, wie Hassan sie erlebt hat, nicht verhindern könne. Der Kodex wurde 2018 zur Prävention gegen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch entwickelt. Weiter beteuert Jochen Noch: „Die zunehmende Sensibilisierung für Rassismus, Sexismus und andere Macht-Ohnmacht-Situationen im Theateralltag bzw. im Ausbildungszusammenhang in den letzten Jahren führte auch bei uns zu verschiedenen Formaten der Auseinandersetzung“. Auch er verweist auf Workshops und Vorträge zum Thema. Darüber hinaus bietet er Hassan ein Gespräch über die Vorfälle an. Vielleicht, so sagt Hassan, werde er darauf zurückkommen, wenn er mal in der Stadt ist. Mittlerweile lebt er nicht mehr in München, sondern wieder in Berlin.

„Ich habe es nicht immer geschafft zu sagen, dass ich etwas so nicht machen werde. Aber ich bin immer in den Dialog gegangen“

Was muss passieren, damit sich in der Branche etwas grundlegend verändert? Der Großteil der befragten Filmschaffenden von „Vielfalt im Film“ wünscht sich als Antidiskriminierungsmaßnahmen: Konsequenzen für Täter*innen, schnellere Handlungsoptionen im Akutfall und eine frühzeitige Diskriminierungsprävention in der Ausbildung. Sprich: grundsätzlichere Veränderungen. Maßnahmen wie Diversitätsquoten oder -checklisten, Workshops oder Verhaltenskodizes schätzen die Filmschaffenden demgegenüber als weniger wirksam ein.

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Eigentlich ist Denise M’Baye, 45, hoffnungsvoll, dass sich die Branche im Hinblick auf Rassismus gerade verbessert. Aber sie sagt auch: „Die kleinen Verbesserungen, die ich im Arbeitsalltag wahrnehme, sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein“.

Foto: Michael Neugebauer

Hoffnungsvoll, dass die Branche sich dahingehend positiv verändert, ist jedenfalls Schauspielerin und Sängerin Denise M’Baye, die vor allem durch ihre Rolle in der Fernsehserie „Um Himmels Willen“ bekannt ist. Seit Jahren setzt sie sich schon für mehr Vielfalt in der Branche ein: „Ich merke, dass sich hier was bewegt“, sagt sie im Telefonat mit jetzt. Aber auch Denise hat in der Vergangenheit bei ihrer Arbeit Erfahrungen mit Rassismus gemacht, das sei aber deutlich besser geworden. Früher habe sie zum Beispiel häufig erlebt, dass Stylist*innen mit ihren Afrohaaren überfordert waren und die Farbpalette der Make-up-Artist*innen nur Grundierungen für helle Hauttöne enthielt. In ihren aktuellen Produktionen sei das Team allerdings deutlich aufgeklärter. Denise findet es wichtig, bei Kolleg*innen anzusprechen, wenn sie etwas stört: „Es gab Zeilen in Skripten, die nicht in Ordnung waren, aber dann habe ich immer was gesagt“. Dieser Schritt sei für sie allerdings nicht immer einfach: „Ich habe es nicht immer geschafft zu sagen, dass ich etwas so nicht machen werde. Aber ich bin immer in den Dialog gegangen, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass es nicht immer verstanden wurde“. Gerade in mehrheitlich weißen Produktionen handeln die Leute nicht immer böswillig, so Denise, sondern seien sich der Rassismen häufig gar nicht bewusst. Dennoch beteuert sie, es sei noch immer ein langer Weg, und erklärt: „Die kleinen Verbesserungen, die ich im Arbeitsalltag wahrnehme, sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.“ Denn natürlich gebe es in der Branche immer noch Rassismus, aber es gebe auch mehr Menschen, die aktiv gegen den Rassismus kämpfen.

„Es gibt Dinge, die ich lieber tun würde. Aber das rassistische System, in dem wir leben, hat mich zum Aktivisten gemacht“

Ron Iyamu hat viel getan, um eine öffentliche Diskussion über rassistische Strukturen im Kulturbetrieb anzuregen, hat auch seine Diplomarbeit über Rassismus in der deutschen Schauspielszene geschrieben. Aber nach etlichen Medienberichten, nach hunderten positiven Nachrichten in den sozialen Medien, aber auch zahlreichen Beleidigungen, nach allem, was er in den Versuch gesteckt hat, etwas zu verändern, will Ron sich nun erst einmal zurückziehen. „Ich (…) habe so vieles dafür aufgeben müssen, dass ich selber am Ende auf der Strecke geblieben bin“, schreibt er auf Instagram. Die Konsequenz: Ron wird das Theater verlassen. 

In seiner Schauspielkarriere habe Ron oft diese eine, ganz bestimmte Reaktion erlebt, wenn er Rassismus-Vorfälle in Produktionen angesprochen habe, erzählt er. Man sagte ihm, er solle seine Wut doch „auf die Bühne bringen“. Aber all die Wut-Monologe, die Ron schon gehalten hat, haben für ihn nachträglich wenig bewirkt. Statt sich mit dem rassistischen Verhalten hinter der Bühne zu beschäftigen, wird Rassismus auf der Bühne verhandelt – von demjenigen, der davon betroffen ist. „Und am Ende fragt man sich dann: Wer verdient an meiner Wut?“. Profitieren würde letztlich die meist weiße Regie. 

Eigentlich hat Ron sich schon immer für Politik interessiert, sagt er. Dennoch: Gegen Rassismus aufzubegehren, fühlte sich für ihn nicht wirklich wie eine freie Entscheidung an. „Es gibt Dinge, die ich lieber tun würde. Aber das rassistische System, in dem wir leben, hat mich zum Aktivisten gemacht“, erklärt er. Und auch Hassan Akkouch wäre gerne einfach nur Schauspieler. So, wie es viele seiner weißen Kolleg*innen auch sein können. Nicht Schauspieler mit Migrationshintergrund. Nicht arabischstämmiger Schauspieler. Nicht Schauspieler, der immer mitreflektieren muss, welche Verantwortung er trägt, wenn er diese oder jene Rolle spielt. Einfach nur: Schauspieler.

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