Wie Menschen am 9. November der Opfer der Nazis gedachten

Viele zogen am Montag los, um Stolpersteine zu putzen. Und teilten das Ergebnis unter #KeinVerblassen.
stolpersteine 9. november

Foto: dpa / Christian Charisius

Stolpersteine erinnern  in vielen deutschen Städten an die Opfer des Nationalsozialismus – oft aber gehen wir nur unachtsam darüber hinweg. Am 9. November riefen deshalb viele Initiativen dazu auf, die Stolpersteine vor der eigenen Haustür, vor dem Büro oder in der Nachbarschaft zu putzen, einmal genau anzuschauen, innezuhalten und sich zu erinnern an die Menschen, die von den Nationalsozialisten getötet wurden.

Denn am 9. November ist der Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht: Vom  7. bis zum 13. November 1938 wurden deutschlandweit mehrere hundert Juden und Jüdinnen von den Nazis ermordet. Mehr als 1400 Synagogen und religiöse Versammlungsräume wurden zerstört, genauso wie Tausende Wohnungen, jüdische Friedhöfe und Geschäfte jüdischer Inhaber*innen. 

Das Gedenken am 9. November war in diesem Jahr wegen der Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie ohnehin schwierig. In vielen Städten wurden Gedenkveranstaltungen abgesagt und die Menschen dazu aufgerufen, einzeln zu gedenken. Umso wichtiger ist für viele das Teilen des Gedenkens in den sozialen Medien. Und so posteten viele Menschen unter dem Hashtag #KeinVerblassen Fotos der Stolpersteine, die sie geputzt hatten – so, dass sie wieder glänzen. 

Diese Nutzerin schreibt, vergangenes Jahr sei sie mit dieser Mission in ihrer Gegend noch alleine unterwegs gewesen, in diesem Jahr seien aber bereits viele Steine geputzt gewesen. Einige Menschen fühlten sich wohl auch durch Hashtags und Bilder in den sozialen Medien dazu aufgerufen, selbst loszugehen und einige der Steine zu polieren. 

Diese Nutzerin berichtet, dass nicht alle vorbeikommenden Menschen angetan von ihrem Engagement gewesen seien. Viel wichtiger aber: Die Namen derjenigen, die von den Nazis getötet wurden, sind nun wieder sichtbar. 

Viele Menschen legen zu den geputzten Steinen auch Blumen und Kerzen nieder. 

Um einen Stolperstein zu putzen, braucht es nicht viel: einen Spülschwamm mit rauer Seite, Wasser, Putzmittel für Messing oder Metall und ein Putztuch. Gröberen Schmutz kann man mit dem feuchten Tuch entfernen, dann wird das Messingputzmittel direkt auf den Schwamm aufgetragen und die Oberfläche des Steins gründlich eingerieben. Nach einer kurzen Einwirkzeit wird der Stein nun mit dem Schwamm nochmals abgewischt und mit Wasser nachgespült. Dann wird der Stein trocken gerieben. Wie schnell das geht, zeigt auch dieses kurze Video: 

Und Politikwissenschaftler Ismail Küpeli schreibt: Wer am 9. November keine Zeit hat, einen Stolperstein zu putzen, kann dies auch an jedem anderen Tag machen. 

Denn eigentlich ist ohnehin klar: Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist nicht an einen Tag gebunden. Erinnern an und aufmerksam machen auf Antisemitismus ist in Deutschland nach wie vor sehr wichtig.  Von 2018 auf 2019 registrierte das Bundesinnenministerium einen Anstieg antisemitischer Straftaten um 13 Prozentpunkte. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2000 judenfeindliche Delikte gemeldet. Damit sind die Zahlen  so hoch wie noch nie seit Beginn der statistischen Erfassung vor fast 20 Jahren. Der rassistische und antisemitische Terroranschlag in Halle oder der Angriff auf einen jüdischen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg verstärken das Gefühl der Unsicherheit vieler Juden und Jüdinnen zudem.

soas

  • teilen
  • schließen