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Gerade sitzt Michi im Rollstuhl. Vor den neuen Herausforderungen in ihrem Leben hat sie auch Angst.

Foto: privat

Das Mountainbiking war ihr Leben – bis zum Herbst 2018. Da verunglückte Michaela Benthaus, oder Michi, wie die 26-Jährige von allen genannt wird, bei einem eigentlich harmlosen Sprung in einem Bikepark in Tschechien schwer. Jetzt ist die ehemalige Hobbysportlerin querschnittsgelähmt. Seit kurzem ist die Studentin in der Reha, danach beginnt ihr neuer Alltag. Sie hat uns erzählt, wie es ihr gerade geht.

„Gerade fühlt sich für mich alles ziemlich komisch an. Meine Zeit im Unfallkrankenhaus in Murnau ist jetzt vorbei und die Reha hat begonnen, die wird vier bis sechs Wochen dauern. Dann geht es für mich zurück in so etwas wie Alltag, wo mich vieles an mein altes Leben erinnern wird. Meine Wohnung in Linz, wo ich studiert habe, musste ich aufgeben, denn sie ist nicht rollstuhlgerecht. Ich werde jetzt dann erst mal zu meiner Mama nach München ziehen, und ich habe Angst davor, wie ich im Alltag klarkommen werde. Die Klinik ist natürlich ein sehr geschützter Raum. Ich muss hier nie kochen, mein Bett wird jeden Tag gemacht, es ist alles für Rollstuhlfahrende angepasst. Aber ich merke schon, wenn ich nur kurz mal in Murnau bin, wie anders alles plötzlich ist, wenn man nicht mehr laufen kann. Davor mache ich mir große Sorgen.

In der Klinikumgebung bin ich komplett selbstständig. Hier ist ja alles an uns angepasst. Zum Duschen und um auf Toilette zu gehen hab ich einen Duschrolli. Dabei brauche ich so gut wie keine Hilfe. Daheim habe ich dann Hilfsmittel, wie zum Beispiel einen Badewannenlifter, weil ich allein nicht in unsere Dusche reinkomme. Ich werde schnell komplett selbstständig sein können, hoffe ich. Am Anfang brauche ich aber sicher noch Hilfe.

Ich kann nicht akzeptieren, dass ich wirklich querschnittsgelähmt bin

Meine Erinnerungen an den Unfall sind noch ziemlich gut, das vergisst man so schnell nicht wieder. Ich war mit einem guten Freund in einem Bikepark in Tschechien. Es war meine letzte Abfahrt an dem Tag, ich wollte noch einen neuen Sprung ausprobieren und habe extra einen ausgesucht, von dem ich dachte: Der ist sicher. Aber es kam ganz anders. Ich habe sofort gemerkt: Ich springe viel zu weit und viel zu hoch, wusste gleich in der Luft, dass jetzt was Schlimmes passiert. Meine nächste Erinnerung ist: Ich lag auf dem Boden, ein Freund und die Bergrettung waren über mich gebeugt. Ich hab sofort versucht, meine Beine zu bewegen. Aber es ging nicht. Das war so ein schreckliches Gefühl. Ich wusste, dass ich jetzt querschnittsgelähmt bin. Das war immer meine größte Angst, wegen des Sports irgendwann mal im Rollstuhl zu sitzen, aber ich dachte, dass mir das sicher nicht passiert. Ab diesem Moment habe ich nur geschrien, ich hab durchgeschrien, bis ich in München im Krankenhaus war. Weinen konnte ich gar nicht. In dem Moment wollte ich nur, dass alles vorbei ist.

Auch jetzt kann ich nicht akzeptieren, dass ich wirklich querschnittsgelähmt bin. Alle sagen, irgendwann ist man soweit. Aber ich kann nicht glauben, dass das wirklich die Wahrheit sein soll. Ich weiß, dass es jetzt gerade so ist, wie es ist. Aber für mich ist das eine Momentaufnahme. Ich bin so überzeugt davon, dass ich irgendwann wieder laufen kann.

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Michi ist momentan auf der Suche nach einem Sport, den sie auch im Rollstuhl betreiben kann.

Foto: privat

An den Unfall denke ich nicht jeden Tag, also nicht konkret an das, was passiert ist. Aber ich denke jeden Tag darüber nach, was aus meinem Leben geworden ist, und dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das so bleiben soll. Wenn ich dann sehe, wie viel Spaß andere Menschen zum Beispiel beim Snowboarden haben, tut mir das weh – ich bin immer so gerne Snowboard gefahren. Und ich habe wahnsinnige Angst vor dem Beginn der neuen Mountainbike-Saison. Ich glaube, dass ich da sehr traurig sein werde. Im Moment bin ich dabei, mir ein neues Hobby zu suchen, ich brauche wieder etwas, das mich begeistert.

Ich brauche Eigenständigkeit

Zur Zeit gefällt mir Rollstuhltennis sehr gut, aber den dafür geeigneten Rollstuhl muss man selbst bezahlen, und der kostet 8000 bis 10 000 Euro. Das ist einer der Gründe dafür, dass ich mit einer Spendenkampagne angefangen habe. Erst wollte ich das nicht. Aber es ist so: Ich bin Studentin, ich habe nie viel Geld verdient. Jetzt lastet alles auf meinen Eltern. Mir hat dann ein Freund vorgeschlagen, doch eine Fundraising-Kampagne zu starten, ich hab lange nachgedacht und gemeinsam mit meinen Eltern und Freunden beschlossen, das zu machen. Ich bin so beeindruckt davon, wie viel Geld schon zusammengekommen ist:

fast 50 000 Euro. Dafür bin ich unendlich dankbar. Denn ich möchte nicht, dass alles an meinen Eltern hängenbleibt. Von dem Geld könnte ich mir leisten, einen neuen Sport zu machen, und mir ein neues Auto zu kaufen. Das ist für mich eigentlich das Wichtigste. Ich brauche Eigenständigkeit.

Im Moment ist mein Studium das einzige, das mir geblieben ist. Ich habe im Bachelor Mechatronik studiert, das kann ich weiter machen. Auch meinen Traum vom Master in Luft- und Raumfahrtechnik kann ich mir noch erfüllen. Meine alte Uni ist allerdings in Linz – das ist für mich schwierig, denn ich kann dort im Moment nicht leben. Die Hochschule ist aber sehr entgegenkommend. Das werde ich demnächst angehen.“