„Schnell, aber falsch – wie immer“

Es gibt Sprüche von Lehrer*innen, die vergisst man nicht. Ein Twitter-Thread sammelt diese verletzenden Sätze.
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Demütigende Sprüche von Lehrkräften vergisst man so schnell nicht.

Foto: Taylor Wilcox / Unsplash / Bearbeitung: jetzt

Die Schulzeit prägt uns. Wenn Lehrkräfte an uns glauben und uns unterstützen, können wir Talente entdecken und Stärken entwickeln. Doch andersherum funktioniert das leider genauso. Wenn Lehrer*innen uns schlecht benoten, unter Druck setzen oder sogar vor der ganzen Klasse demütigen, werden diese Erfahrungen Teil unserer Persönlichkeit. 

Fast alle kennen eine Geschichte, in der Lehrkräfte sich ziemlich unkorrekt, wenn nicht sogar absichtlich beleidigend verhalten haben. Das ist zwar nicht die Regel. Doch manchmal fallen im Unterricht Sätze, die unser Selbstbewusstsein nachhaltig erschüttern. An solche oft auch traumatischen Aussagen erinnern sich Betroffene häufig ein Leben lang. 

Eindrücklich zeigt das die Twitter-Umfrage der Kunsthistorikerin und Twitter-Userin Erin L. Thompson. Sie selbst hat von einem Dozent nach einer falschen Antwort zu hören bekommen: „Schnell, aber falsch – wie immer.“ Diesen Satz habe sie nie vergessen, schreibt sie. Und sie wollte von der Twitter-Community wissen, wer solche negativen Sätze von Lehrer*innen oder Uni-Dozierenden kennt. Mehrere tausend Menschen kommentierten den Tweet, und fast 90 000 User*innen likten ihn auch.

Das hast du nicht selbst gemacht

Viele erinnern sich in ihren Antworten an Situationen, in denen Lehrer*innen ihnen nicht glaubten, dass sie Aufgaben selbst gelöst hätten. Das ist verständlich: Da schwingt schließlich immer der Vorwurf mit, man sei zu dumm.

Eine Userin etwa schreibt, dass sie ein Gedicht vortrug und ihr Lehrer sie daraufhin fragte: „Aus welchem Buch hast du das kopiert?“ Eine andere berichtet von einem Referat in der 7. Klasse, bei dem sie den Begriff „indigen“ benutzte. Daraufhin wurde sie gefragt, wer ihr geholfen habe, die Präsentation zu schreiben:

Kommentare über das Aussehen

Ziemlich grenzüberschreitend ist es auch, wenn Lehrer*innen das Aussehen von Schüler*innen kommentieren. Eine Userin schreibt, sie musste sich anhören: „Ich weiß nicht, ob ich finde, dass du darin gut aussiehst“. Eine andere wurde, so der Tweet, in der 8.Klasse von ihrem Musiklehrer beleidigt: „Ich weiß nicht, warum du in dieser Klasse bist mit einem Überbiss wie deinem. Du brauchst eine Zahnspange, wenn du weiterhin Flöte spielen willst.“ Verständlich, dass die Userin danach nie wieder ein Instrument gespielt hat. 

Lehrer*innen, die unbedingt Recht haben müssen

Schon fast witzig ist es dann, wenn Lehrer*innen unbedingt Recht haben wollen. Eine Userin schrieb in der Grundschule eine Geschichte über eine Großmutter, die nach „Zitronen und frisch gebackenen Scones riecht“. Der Lehrer habe geantwortet: „Menschen können nicht nach mehr als einer Sache riechen“. Eine andere Userin benutzte in einem Aufsatz ein Wort, das die Lehrerin offenbar noch nie gehört hatte. Der Kommentar der Lehrerin dazu sei gewesen: „Du kannst keine Wörter benutzen, die ich nicht kenne.“

Einfach nur fies

Manche Sätze sind aber auch einfach nur fies und demütigend. Bis heute verfolgt einen User der Kommentar, den eine Lehrerin machte, als er in der zweiten Klasse war. Als er ihr seine Zeichnung zeigte, habe sie laut gesagt: „Sei niemals stolz auf irgendetwas, das du machst oder tust.“ Ein anderer User schrieb, er habe sich in der 3. Klasse anhören müssen, wie ein Lehrer über ihn sagte: „Ich weiß nicht, warum er so seltsam ist und sich einfach nicht normal verhält.“

Die Trotzreaktion

Manchmal haben die gemeinen Sätze aber auch was Gutes. Nämlich dann, wenn sie uns anstacheln: Die Userin @TipsyWitchyVee etwa liest bis heute besonders viel, weil ihr in der 8. Klasse gesagt wurde, sie solle von den schwierigen Büchern wegbleiben, die seien ohnehin zu schwer für sie, erzählte sie. Einem anderen User wurde vom Schulleiter prophezeit, er sei nicht klug genug, um auf eine bestimmte Uni zu gehen. An genau dieser Uni machte der User dann später seinen Doktor. 

Diese Beispiele zeigen die Ohnmacht, die solche Sätze auslösen. Viele User*innen erzählen, dass sie nicht wussten, wie sie reagieren sollten. Klar, denn Lehrkräfte sind Respektspersonen. Uns wird oft beigebracht, ihnen nicht zu widersprechen. Wie soll man sich da wehren? Vermutlich sind diese grenzüberschreitenden Sätze auch deshalb häufig noch nach Jahren präsent. Denn die Ungerechtigkeit von damals fühlen wir als wäre es heute. 

abe

 

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