Berliner Beuth-Hochschule sucht nach einem neuen Namen

Denn der frühere Namensgeber Christian Beuth war Antisemit.

Illustration: jetzt

Wie viel sagt der Name einer Institution über sie aus? Das wurde in Berlin in den vergangenen Wochen stark diskutiert – mit Konsequenzen. Die Beuth-Hochschule für Technik in Berlin Wedding soll jetzt umbenannt werden, weil der Namensgeber Christian Beuth ein Antisemit gewesen ist. Das entschied die Akademische Versammlung der Hochschule am Donnerstag. „Es hatte immer eine Kluft zwischen Namen und Anspruch der Hochschule gegeben“, sagte Hochschulpräsident Werner Ullmann gegenüber dem Tagesspiegel. Er reichte den Antrag auf Namensänderung ein, nachdem eine Arbeitsgruppe aus Studierenden und Beschäftigten die Debatte um den Namen angestoßen hatte. 

Von Beuths politischer Gesinnung wusste man angeblich nichts

Der Grund: Namensgeber Christian Peter Beuth war Antisemit. 1811 hielt er eine Hassrede, in der er Juden und Jüdinnen den Tod wünschte und sie mit Schweinen verglich. 2009 entschied sich die Hochschule dennoch für seinen Namen, weil er als Wegbereiter der Ingenieurswissenschaften gilt. Dafür gab sie damals übrigens auch ihren bis dahin unverfänglichen Namen „Technische Fachhochschule Berlin“ auf. In einer Pressemitteilung zur Namensänderung in „Beuth-Hochschule“ aus dem Jahr 2008 ist nichts über Beuths Antisemitismus zu finden.

Von seiner politischen Gesinnung habe man angeblich nichts gewusst, so die Universität gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Anscheinend erfuhr die Universitätsleitung erst 2017, dass Beuth eine problematische Persönlichkeit gewesen ist. Fast drei Jahre lang suchte die Hochschule daraufhin nach einer Lösung – und hat sich nun für die Namensänderung entschieden. Das hat weitreichende Folgen: Laut Tagesspiegel wird die Namensänderung (inklusive Logo) etwa 2,5 Millionen Euro kosten. 

Ein neuer Name ist übrigens noch nicht gefunden. Die gesamte Hochschule soll in diesen Findungsprozess miteinbezogen werden, daher ist noch nicht klar, wann er feststehen wird. Asta-Vertreter Dario Brinkmann schlägt vor, den Namen im Rahmen von Workshops zu erarbeiten.

Dass die Uni wieder nach einer Person benannt werden soll, ist laut Präsident Ullmann unwahrscheinlich. Zumindest nicht nach einem Mann: Staatssekretär Steffen Krach sagte dem Tagesspiegel: „Wenn Ideen gebraucht werden für einen neuen Namen: Mir fielen viele hervorragende Frauen ein.“ 

cku

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