Fans feiern die weibliche Hauptrolle der zweiten Staffel von „Bridgerton“

Fotos: NETFLIX/NICK BRIGGS/NETFLIX

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Ein Teelöffel. Dem widmeten die Fans von „Bridgerton“ nach der ersten Staffel tatsächlich einen eigenen Instagram-Account. Der Grund: Der Duke of Hastings hatte ihn in einer erotischen Zeitlupenszene genüsslich abgeleckt – unvergesslich! Die Fans feierten Aufnahmen wie diese, weil beim Zuschauen ausnahmsweise mal nicht nur hetero Männer auf ihre Kosten kamen.

Aber nicht nur das: Die Produktion von TV-Ikone Shonda Rhimes („Grey’s Anatomy“) hat eine auffallende Bonbon-Ästhetik – irgendwo zwischen barock und futuristisch. Da tanzen die Figuren in opulenten Kleidern des frühen 19. Jahrhunderts durch Ballsäle, während im Hintergrund ein Streichquartett Billie Eilishs „Bad Guy“ pumpt. Die Drama-Serie ist eine Mischung aus Jane Austins Stolz und Vorurteil und „Gossip Girl“ – mit Erfolg: Innerhalb der ersten 28 Tage streamten „Bridgerton“ weltweit 82 Millionen Haushalte – die Serie brach damit Ende vergangenen Jahres den Netflix-Rekord. Kein Wunder, dass die Fans eine zweite Staffel kaum erwarten können. 

Eine „kluge, willensstarke junge Frau, die sich von keinem Deppen etwas gefallen lässt – Anthony Bridgerton eingeschlossen“

Die Zuschauer*innen feiern „Bridgerton“ aber vor allem für eines: den diversen Cast. Eine Rarität, insbesondere für eine Historien-Serie – es gibt kaum ein weißeres Genre. Dementsprechend groß war die Vorfreude, als Netflix nun eine wichtige Personalie zur Besetzung der kommenden Staffel veröffentlichte: Simone Ashley, 25, bekannt aus der Dramedy-Serie „Sex Education“, soll die weibliche Hauptrolle spielen. Sie wird an der Seite von Jonathan Bailey, 32, zu sehen sein, der schon in der ersten Staffel Anthony Bridgerton verkörperte. Kürzlich wurde nämlich bekanntgegeben, dass der älteste Bruder des Bridgerton-Clans in der kommenden Staffel im Mittelpunkt stehen wird. Während er in der ersten Staffel noch versuchte, dem Heiratsmarkt zu entkommen und heimlich eine Affäre hatte, wird er sich wohl doch der Vernunft hingeben.

„Seid bereit, euch in Simone Ashley zu verlieben“, hieß es im Ankündigungs-Post von Netflix auf Twitter. Die Rolle der Kate Sharma, die Ashley verkörpern wird, sei eine „kluge, willensstarke junge Frau, die sich von keinem Deppen etwas gefallen lässt – Anthony Bridgerton eingeschlossen“. In der Buchvorlage lautet der Nachname von Ashleys Rolle „Sheffield“. Die Namensänderung zu „Sharma“ erklärten die Macher*innen damit, dass Kate in der Serie indische Wurzeln habe – weswegen ein indischer Nachname besser passe. 

Diese Wahl kam gut an. Denn während die weibliche Hauptfigur in der ersten Staffel mit einer weißen Frau (Phoebe Dynevor) besetzt war, ist es mit Simone Ashley nun eine Woman of Color. Die Besetzung von Ashley scheint vor allem für weibliche Fans mit indischen beziehungsweise südasiatischen Wurzeln ein wichtige mediale Repräsentation darzustellen: 

„Lange Zeit sah man keine POCs in romantischen Dramas“

Die Tatsache, dass ein „brown girl“ die Hauptrolle spielen wird, machte viele Twitter-Nutzer*innen, die sich mit einer Schauspielerin wie Ashley identifizieren können, offenbar sehr froh. „Ich verliere meinen Verstand, weil ihr so großartig seid“, kommentierte eine Nutzerin unter die Bekanntmachung der Serie. Eine andere schreibt von purer Euphorie, die schon die Vorstellung in ihr auslöse, dass eine Frau, die sie selbst repräsentiert, mit „diesem prachtvollen Exemplar eines Mannes“ (gemeint Anthony Bridgerton alias Jonathan Bailey) rummachen werde. 

Auch ein anderer Fan bedankte sich bei den Macher*innen der Serie für das diverse Casting und schrieb: „Lange Zeit sah man keine POCs in romantischen Dramen, und auch wenn es sich hier um eine neu gedachte Welt handelt, ist es immer noch so wichtig und wunderbar.“

Das „color-blind“ Casting von „Bridgerton“ wurde in der Vergangenheit auch kritisiert

Aber das sogenannte „color-blind“, also „farbenblinde“ Casting von „Bridgerton“ wurde in der Vergangenheit nicht nur gefeiert, sondern auch kritisiert. Es bedeutet, dass Rollen nicht nach den Phänotypen der Schauspieler*innen, sondern allein nach Fähigkeit und Talent vergeben werden sollen. Wie bei „Bridgerton“ führt das auch dazu, dass nicht-weiße Schauspieler*innen Charaktere spielen, die zum Beispiel historisch eigentlich weiß wären, wie Herzoge und andere Adlige des 19. Jahrhunderts. Aber die explizite Besetzung einer nicht-weißen Person für eine weiß geschriebene Rolle sei nicht „blind“, finden Kritiker*innen, sondern soll in der Filmbranche vielmehr ein explizites Zeichen setzen. Außerdem sei diese Praxis, gerade bei historischen Filmen und Serien, geschichtsvergessen: In Zeiten, in denen Schwarze Menschen in Wirklichkeit massiv unterdrückt und ausgegrenzt wurden, werden sie nun als gleichwertiger, selbstverständlicher Teil der Gesellschaft dargestellt. Der US-Dramatiker August Wilson bezeichnete das „farbenblinde Casting“ deshalb sogar als Symptom des „eurozentrischen Kulturimperialismus“. 

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt im Hinblick auf konsequente Diversität: Zwar seien einige Hauptcharaktere der Serie Schwarze Menschen und People of Color, aber diejenigen, die „darkskinned“ wahrgenommen werden, spielten vor allem Nebenrollen, hieß es beispielsweise in einem ausführlichen Beitrag von Refinery29. Im Vordergrund stünden dagegen vor allem „lightskinned“, also hellhäutige, Charaktere. Außerdem würden Ungleichheit sowie Rassismus in der ersten Staffel zu wenig thematisiert, beinahe ausgeklammert: vor allem in der Beziehung zwischen der weißen Daphne und dem Schwarzen Duke. Aber die Chance, dass sich das noch ändert, ist noch nicht ganz verspielt. Ein anderes Paar in der zweiten Staffel bringt ja vermutlich auch andere Themen mit sich – und andere Konflikte. 

fsk

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