„Mach dein Hobby zum Beruf“

Mach dein Hobby zum Beruf! – Ein guter Tipp, findet unser Protagonist.
Illustration: FDE

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Mach dein Hobby zum Beruf! – Ein guter Tipp, findet unser Protagonist.

Illustration: FDE

Brian Jakubowski ist neben Fynn Kliemann das Gesicht von Kliemannsland, einem Kreativort in der niedersächsischen Provinz mit erfolgreichem YouTube-Kanal. Dort arbeitet er als Social-Media-Manager. Zuvor arbeitete er sieben Jahre in einer Metallfabrik.

„Früher hatte ich eine Mofa-Gang. Die Mofa-Gang hatte sogar ein Clubhaus, in dem wir alles selbst zusammen bauten. Wir haben ständig an unseren Mofas rumgeschraubt, eine schöne Zeit war das. Sachen selber bauen, kreativ sein – das waren immer schon die Dinge, die mir am meisten Freude bereiteten. In meinem gelernten Beruf war für Kreativität aber kein Platz. Bevor ich zu Kliemannsland kam, habe ich sieben Jahre lang in einer riesigen Metallwerkstatt im Schichtbetrieb gearbeitet. So richtig glücklich war ich dort nie. Ich stand nur im Betrieb und schob Konti-Schichten am Fließband: Drei Tage früh, drei Tage spät, drei Tage Nacht und vier Tage frei. Das war mein Leben.

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Brian Jakubowski arbeitet heute als Social-Media-Manager und ist glücklich damit.

Foto: Kliemannsland

Wenn man in seinem Job nicht zufrieden ist, dann muss man was dagegen tun. Das klingt banal – Es ist aber wahnsinnig schwierig, sich dazu zu überwinden, wenn man einen sicheren Job hat. Es braucht Mut, den aufzugeben. Bei mir hat es sieben Jahre gebraucht, bis ich soweit war. Erst dann habe ich begriffen, dass der Job wirklich nichts für mich war. Und dass man sich umschauen muss, wenn man nicht zufrieden ist. Ich hätte mich aber schon viel früher fragen sollen: Was kann ich eigentlich und was kann ich damit anstellen? Es gibt fast immer bessere Lösungen: Wenn man zum Beispiel Metaller ist und keinen Bock mehr hat, am Fließband Sachen zusammen zu schweißen, dann kann man auf einem Festival aushelfen und dort Deko bauen. Wenn man keinen Bock mehr hat, Hochzeiten zu fotografieren, dann kann man versuchen, als Landschaftsfotograf Geld zu verdienen. So seh ich das.

Mich störte damals jedenfalls vor allem das: Wenn du in Schichtarbeit bist, dann hast du außerhalb des Betriebs eigentlich kein Leben. Wenn ich daheim war, habe ich meistens gepennt. Alles, was mir Spaß machte, blieb auf der Strecke: Hobbys, Freunde und freie Zeit. Anderen im Schichtbetrieb ging es ähnlich. Mein Kollege konnte seinen Sohn nicht mal zum Fußball bringen. Auch das hat mir Angst gemacht. Wenn man wegen der Arbeit nicht mal Zeit für die Familie hat, dann läuft irgendwas falsch. Um dann aber wirklich etwas zu ändern, braucht es eine Alternative. 

Die fand ich auf Youtube, irgendwann in der Nacht, als ich nicht pennen konnte und mir ein Video nach dem anderen reinzog. Ich klickte auf ein Video von Fynn Kliemann, irgendwas hat er da gebaut. Ich dachte nur: ‚Krasser Typ, mega witzig, das will ich auch machen‘. Das nächste Video, das ich sah, war ein Aufruf. Fynn hatte einen Hof gekauft, der später das Kliemannsland werden sollte. Für dieses Projekt suchte er gerade noch Helfer. Da startete gerade das Funk-Format „Kliemandsland“ auf Youtube, das war 2016. Ich hatte zu der Zeit Urlaub. Am nächsten Tag packte ich sofort meine Sachen, fuhr hin und war einer der ersten Helfer auf dem Hof. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Ich habe gelernt, dass Zufriedenheit das Wichtigste im Beruf ist

Im Kliemannsland war es wieder wie in der Mofa-Gang. Ich war von Anfang an mit mega viel Bock und Enthusiasmus dabei. Relativ bald bin ich in eine WG im Kliemannsland gezogen und half mit, wo ich konnte. Das Projekt war vom ersten Tag an mein Baby. Und wenn man für etwas brennt, dann ist man darin auch gut. Das habe ich gelernt. Man braucht nicht unbedingt eine Ausbildung für alles, bei uns auf dem Hof sind mittlerweile sehr viele Quereinsteiger angestellt. Die sind gut, in dem, was sie machen, weil sie selbst die Motivation haben, dazuzulernen. Sie haben dieses Hobby zum Beruf gemacht. So weit war ich noch nicht. Ich hab zwar mitgeholfen, wo ich konnte, bin aber trotzdem jeden Arbeitstag eine Stunde mit dem Auto zu meinen Schichten in der Metallwerkstatt gefahren.

Nachdem ich anderthalb Jahre unbezahlt auf dem Hof mitgeholfen hatte, wurde im Kliemannsland eine Stelle als Social-Media-Redakteur frei. Ich hatte keine Ahnung, was man da machen musste. Aber ich wollte diese Chance ergreifen. Lieber Sachen bauen, filmen und fotografieren, als Schichten in der Metallfabrik zu arbeiten. Da ich schon von Anfang an dabei war, bekam ich eine Chance, obwohl ich in dem Job null Erfahrung hatte. Fynn zeigte mir, wie man mit Social Media umgeht, den Rest habe ich mir durch Tutorials drauf geschafft. Heute manage ich für das Kliemannsland alle Social-Media-Kanäle und bin auch selbst auf Instagram aktiv.

Ich habe gelernt, dass Zufriedenheit das Wichtigste im Beruf ist. Und dass es sich lohnt, umzuschulen. Man kann alles lernen, wenn man nur Bock drauf hat. Ich hatte sehr viel Glück, dass ich auf einmal dort arbeiten konnte, wo ich eh schon meine komplette Freizeit verbrachte. So ein Glück kann natürlich nicht jeder haben. Aber ich bin mir sicher, dass jeder irgendwas finden kann, worauf er oder sie Lust hat.“

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