Bis zu 3000 Euro brutto für den Radiojournalisten

Foto: MDR / Sophie Lotzwik / Bearbeitung: jetzt

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Meine Begeisterung für das Radio 

Radio ist schnell und im Vergleich zu anderen Medien unaufwändig. Du brauchst nur dich, das Pult und die Musik. Am Anfang hat es mich gereizt, dass ich Musik und Gags machen und Sachen über einen Künstler erzählen kann, die noch nicht jeder weiß. Die Begeisterung für das journalistische Arbeiten kam später. Als ich noch bei MDR Sputnik moderiert habe, war der Terroranschlag in Halle. Ich hatte genau an diesem Tag die Nachmittagssendung. Das war eine völlig neue Situation. Man schaltet von einem in den anderen Moment um. Uns war klar: Alles, was wir heute geplant haben, kommt weg. Wir machen heute keine Späße. Ich fand es wichtig, aufzuklären, Quellen zu checken und die Leute darüber zu informieren, was gerade passiert. Das will ich auch heute noch machen. 

Wie der Arbeitsalltag eines Radiomoderators aussieht

Beim SWR moderiere ich zwei Wochen im Monat die Nachmittagsshow für die junge Welle „DASDING“. Meine Schicht beginnt um 9.30 Uhr. Manchmal recherchiere ich davor schon im Internet Themen und überlege mir, was ich zu den Songs erzähle, die wir den Zuhörern zeigen wollen. In der Redaktion informiere ich mich dann, was aktuell in der Welt abgeht: Ich durchforste Websites, frage bei den Kollegen von SWR Aktuell nach, lese Agenturmeldungen und Zeitungsartikel, gucke, was in den YouTube-Trends ist und worüber die Leute auf Twitter schreiben. Anschließend bespreche ich die ausgewählten Themen mit einem Show-Producer, der mit mir die Show gestaltet und mit dem Chef vom Dienst, der den Überblick darüber hat, ob die Themen schon in einer anderen Sendung vorkamen.  Dann fange ich an, Interviewpartner zu kontaktieren und die Moderation zu schreiben. Es gibt Expertengespräche, die vorher aufgezeichnet und in der Sendung abgespielt werden. Manchmal machen wir das auch live in der Show. Um 18 Uhr ist dann Feierabend.

Außerdem produziere ich für den MDR den LGBTIQ+ Podcast „Sputnik Pride“ über alle möglichen queeren Themen. Das Produzieren des Podcasts läuft ganz anders als eine Radiosendung. Da ich dort freier Mitarbeiter bin, habe ich keine festgelegten Schichten, sondern kann mir die Arbeit selbst einteilen. Es gibt also keinen festen Arbeitszeiten, sondern kleinere Abschnitte, die über mehrere Tage verteilt sind: Zuerst suche ich mir ein Thema, dann kontaktiere ich Gesprächspartner, führe Vorgespräche und zeichne auf. Dann bearbeite und schneide ich die Aufzeichnung. 

Vorstellung vs. Realität

Als Zuhörer denkt man vielleicht, Radiomoderatoren machen nur sunny Gelaber: „Heute ist gutes Wetter. Macht euch ne schöne Zeit. Hier ist der Song xy, Ciao!“ Das machen wir auch, klar. Und manchmal schaltet man das Radio ein und hört genau die Viertelstunde, in der nur Musik läuft. Aber im Radio laufen auch informative Beiträge oder Moderationen. Als Moderator hat man die Verantwortung, die Leute darüber zu informieren, was gerade in ihrer Umgebung passiert. Man muss zwar die Befindlichkeiten der Zuhörer abdecken, darf dabei aber auch nicht beliebig sein. Das ist jedenfalls der Anspruch, den ich an mich selbst habe.

Wie ich dort hingekommen bin

Meine Familie hat einen Bekannten bei Radio Rheinwelle, einem Lokalsender in Wiesbaden. Als ich 13 Jahre alt war, durfte ich dem über die Schulter schauen. Es gab freitags einen Sendeplatz, an dem jeder mal moderieren durfte, eine Art Bürgerradio. Dort mitzumachen wurde zu meinem Hobby. Irgendwann durfte ich sogar meinen eigenen Sendeplatz haben. Das hat sich bis zum Abi durchgezogen, bis ich alt genug war, mir zu überlegen, was ich beruflich machen will. Die wenigsten Leute kommen durch eine Ausbildung zum Radio, die meisten sind Quereinsteiger. Ich habe aber angefangen, in Magdeburg Journalismus zu studieren.

Während des Studiums habe ich Praktika gemacht, unter anderem bei MDR Sputnik. Dort war ich zuerst Redakteur, dann freier Autor und habe auf die Moderation hingearbeitet. Als ich die ersten Sendungen machen durfte, bin ich immer zwischen Uni und Arbeit hin und her gependelt. Dadurch konnte ich viele Präsenzveranstaltungen an der Uni nicht mehr wahrnehmen und mich nicht mehr so auf mein Studium konzentrieren, wie ich das wollte. Irgendwann habe ich einfach aufgehört, hinzugehen und habe mich exmatrikuliert. Wahrscheinlich hätte ich das Studium abschließen sollen, ein Hochschulabschluss ist ja immer etwas Gutes. Aber mein eigentliches Ziel war es ja, zum Radio zu kommen. 

Was das mit dem Privatleben macht

Als freier Journalist kann es stressig werden und oft arbeitet man auch noch nach Feierabend. Meistens schaffe ich es aber, die ganze Arbeit auf einen bestimmten Zeitraum zu legen. Dann ist es mal zwei bis drei Tage sehr stressig, aber dafür habe ich danach eine komplette Woche frei. Als freier Mitarbeiter muss man nicht immer verfügbar sein.

Ich sehe mich als Workaholic und liebe meinen Job sehr. Ich höre eigentlich nie auf, nach Themen zu gucken, auch nicht in meiner Freizeit. Ich schreibe mir dann gerne Notizen auf oder bereite Dinge für den Podcast vor. Manche freien Journalisten stellen ihre Benachrichtigungen aus oder löschen sogar Nachrichten-Apps von ihren Handys, wenn sie frei haben. Ich kann aber auch so ganz gut runterkommen. 

Was ich auf Partys gefragt werde 

„Wählst du die Musik selbst aus?“, fragen ständig Leute. Und die Antwort ist: Nein, nie. Das entscheidet die Musikredaktion. Genau wie ich nach Themen für die Sendung suche, schauen die Musikredakteure in den Spotity Charts nach, auf TikTok, bei anderen Radiosendern und natürlich ein bisschen, was ihnen selbst gefällt. Es gibt zwar Moderatoren, die haben eine Personality Show, in der sie die Musik mitgestalten. Aber bei einer Nachmittagsshow ist das fast nie so. 

Welche Eigenschaften man als Radiomoderator braucht

Als Moderator musst du etwas zu sagen haben. Während eines Praktikums hat mal ein Kollege zu mir gesagt: „Ich laber gerne, deswegen will ich zum Radio.“ Aber das ist nie der Grund. Klar, Radio ist ein Nebenbei-Medium, aber du musst trotzdem Haltung zeigen und journalistisch sorgfältig arbeiten. Es gibt genug Leute, die ganz genau hinhören. Es gehört natürlich auch ein bisschen zum Job, dass du in der Öffentlichkeit stehen willst und dass es dir gefällt, dass die Leute dich hören.

Wie viel man als Radiomoderator verdient

Wenn man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeitet, weiß man in etwa, wie viele Schichten man pro Monat zu erwarten hat. Dafür gibt es Rahmenverträge. Beim Podcast habe ich auch eine gewisse Anzahl an Folgen pro Monat. Manchmal kommt dann noch eine Bühnenmoderation dazu. Insgesamt komme ich bei einer 30- bis 40-Stunden-Woche auf 2500 bis 3000 brutto pro Monat. Ich habe Kollegen, da schwankt das mehr. Die haben einen Monat lang ein paar große Moderationen und dann ist einen Monat komplett Flaute, aber das gleicht sich aus.

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