Mädchen, wie findet ihr männliche (Intim-)Behaarung?

Es gibt da nämlich nur drei Optionen: Wildwuchs, getrimmt oder kahl – ausgefallener wird es nicht.
Von Maximilian Senff und Berit Dießelkämper

Foto: Markus Gann / photocase.de; Illustration: jetzt

Liebe Mädchen,

dass Affen unsere engsten Verwandten sind, zeigt sich im Äußeren von uns Männern besonders deutlich. An manchen Stellen haben wir sehr viel mehr Haare als ihr – das ist ja nichts Neues. Außer bei Bart, Achselhöhlen und Intimbereich machen wir uns darüber aber meist nicht so viele Gedanken. Unser Toleranzbereich hinsichtlich der Körperbehaarung ist relativ groß. Auf der Brust tragen wir sie sogar mit Stolz.

Trotzdem sind wir, was unsere Haare angeht, mittlerweile ein bisschen unsicher. Waren Männer in Modemagazinen früher eher der Typ haariger Bär, sehen die Hochglanz-Markenklamotten-Models heute oft ganz anders aus: glattrasiert und haarlos. Der Mix ist ja ganz normal. Auch unter uns Normalos gibt es Leute mit mehr Haarwuchs und andere, die mit Anfang 30 noch in Jubelstürme ausbrechen, sollten sie morgens im Spiegel mal ein Brusthaar entdecken. Das gilt natürlich auch für Vollbart beziehungsweise Babyface.

Wozu braucht es diese ganzen Körperhaare eigentlich? Ein kleiner Online-Enzyklopädie-Exkurs. An Stellen mit vielen Schweißdrüsen (z.B. unter den Achseln) unterstützen die Haare die Temperaturregelung. Sie vergrößern die Oberfläche und der Schweiß kann leichter abgegeben werden. Andere Stellen (z.B. der Schambereich) werden durch die Behaarung zusätzlich geschützt. Die Funktionen der Körperhaare sind also vielseitig.

Während wir in der Stadt an Waxing Studios vorbeilaufen, schauen uns glücklich grinsende Frauen von in rosa gehaltenen Plakaten an. Professionelle Haarentfernung ist eine Frauendomäne. Das merkte auch mein Kollege Raphael, als er einen Enthaarungs-Selbstversuch wagte. In den Schaufenstern der Studios werden die verschiedensten Formen der Haarentfernung an sämtlichen Körperstellen angepriesen. Zum Beispiel „Landing Strip durch Sugar Waxing“. Für uns Männer sind solche Intimfrisuren nicht so ein großes Thema. Es gibt auch da wieder nur drei Typen. Wildwuchs, getrimmt oder kahl. Ausgefallener wird es nicht. Eigentlich machen wir uns an allen Stellen, egal ob intim oder anderswo am Körper, nur folgende Gedanken: Kann alles so bleiben, wie es ist? Muss ich es kürzen? Soll es ganz weg? Jetzt würde uns eure Meinung mal interessieren.

Wir haben Haare an den verschiedensten Stellen. Deswegen jetzt mal Tacheles: Wie habt ihr unseren Bart am liebsten? Mit dem könnt ihr euch doch noch am ehesten anfreunden? Oder präferiert ihr uns im Gesicht haarfrei? Wie sieht es denn unter den Achseln aus? Auf der Brust? Auf dem Bauch? Oh, und ganz wichtig: am Rücken? Sollen wir uns wie Profiradfahrer sogar die Beine rasieren? Eine Sache stellen wir jetzt mal nicht zur Debatte: die Monobraue. Die steht den wenigsten und sollte sowohl bei euch als auch bei uns zumindest über dem Nasenbein unterbrochen werden.

Also, liebe Mädchen: Wachsen lassen oder waxen lassen?

Eure Jungs

Die Mädchenantwort:

Liebe Jungs, 

wir sind sehr froh, dass ihr fragt, denn wir hatten schon das Gefühl, dass (Intim-)behaarung und ihre Gestaltung nur bei uns Themen sind. Daher ist es sehr schön zu wissen, dass auch ihr euch Gedanke darüber macht, beziehungsweise dass auch ihr den Druck irgendwelcher gesellschaftlichen oder modischen Idealvorstellungen spürt, denn bei Körperhaaren gibt es natürlich kein richtig oder falsch, sondern nur eine rosarote professionelle Haarentfernungsindustrie-Welt, die versucht uns glauben zu lassen, dass wir nur aalglatt und haarfrei gute Menschen sind. Aber vermutlich macht ihr euch trotzdem deutlich weniger Gedanken als wir uns. Denn während die richtige Intimfrisur bei uns eine kleine Wissenschaft ist (was auch damit zu tun hat, dass wir darüber nachdenken, was ihr an uns schön findet), gibt es bei euch irgendwie nur die „alles oder gar nichts“-Lösung. Wobei wir auch glauben, dass euch dabei eine ganze Menge kreatives Potenzial flöten geht, aber das ist eine andere Geschichte. 

Bleiben wir einfach erst einmal bei euren Untenrum-Haaren: Seit Generationen erzählen sich heranwachsende Männer, dass ihr Gemächt größer aussieht, wenn man die Intimhaare entfernt oder zumindest stutzt: „Mindestens zwei Zentimeter optische Verlängerung“, behauptet ein Online-Ratgeber. Dabei wird häufig die wahnsinnig ausgelutschte Metapher vom Häuschen und seinem Vorgarten bemüht. Und wo wir gerade bei ausgelutscht sind, kommen wir doch einfach direkt zum juicy Teil unserer Antwort, damit wir das Ganze dann seriös zu Ende bringen zu können: Oralverkehr ist sehr schön und Haare im Mund sind sehr unschön. Da liegt dann wahrscheinlich auch schon die Essenz der Intimbehaarungs-Diskrepanz, denn Oralverkehr bei euch Jungs spielt sich hauptsächlich in dem Bereich ab, in dem keine Haare wachsen. Soll heißen, bis wir mal da unten bei eurer Intimbehaarung ankommen, muss schon einiges passieren. 

Deswegen sind uns eure Intimhaare auch eigentlich ziemlich egal – also, ob sie da sind oder eben nicht. Was uns hingegen schon wichtig ist, ist dass die Haare, wenn ihr sie wachsen lasst, gepflegt sind. Ein Haus mit einem verwüsteten Vorgarten ist ja auch wenig einladend. Und außerdem gibt es da ja jemanden, der sich in einem wuchernden Vorgarten sehr wohl fühlt: die Filzlaus. Riesen-Abturner, nicht wahr? Finden wir auch! Also ab und zu mal gärtnern, ansonsten muss Mann selbst gucken, was ihm taugt und ob er sich nicht auch mal kreativ mit einem „Landing Strip“ verwirklichen möchte. 

Das Gleiche gilt auch für den Rest eurer Haare, ihr kleinen Äffchen. Dabei solltet ihr aber auch bitte immer bedenken, dass rasierte Haare – egal wo sie sind – euch in der Regel jünger aussehen lassen. Das hat vermutlich auch etwas damit zu tun, dass Haare und behaarte Körper häufig mit Männlichkeit assoziiert werden. Warum sonst begrüßt ihr mit Anfang 30 ein (!) einzelnes (!) Brusthaar mit solcher Verzückung? Für uns machen Brusthaare oder keine Brusthaare nicht den großen Männlichkeits-Unterschied aus, aber die Tatsache, dass es Haare geben könnte, ist wie ein Versprechen für uns: „Keine Sorge, wir haben die schwierige Zeit der Pubertät hinter uns gelassen, wir sind behaart und wir wissen, was wir tun!“

Ein bisschen kniffliger ist die Sache bei euren Rückenhaaren – sofern es welche gibt. Ihr müsst sie qua Lage ja nicht sehen, wir aber und (Wie sagen wir das jetzt nett?) sie sind nicht unsere Lieblingshaare. Da liegt aber auch die Krux: Wenn ihr eure Rücken- oder Brusthaare rasiert, kann es passieren, dass ihr vom Äffchen zu kleinen Borstenschweinen mutiert – was manchmal für uns sogar ziemlich schmerzhaft sein kann. 

Wir haben jetzt tatsächlich nicht die ultimative Antwort auf eure Frage, aber wir wollten das hier ja seriös beenden. Deswegen bleiben wir bei einem sehr diplomatischen Fazit: Wir mögen euch so, wie ihr seid, liebe Jungs, und ihr uns hoffentlich auch – mit und ohne Haare?!

Küsschen, 

Eure Mädchen

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