Pärchensprache ist nicht cringe!

Foto: Cody Black / unsplash / Bearbeitung: jetzt

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Schatzibubu, Puhbärchen und Mausezahn: Wenn ich sowas bei anderen Paaren höre, fällt mir vor Schreck glatt die Käsescheibe vom Brot. Diese Sorte verniedlichender Pärchenkommunikation ist einfach so unfassbar uncool. Wenn ich dann noch mit ansehen muss, wie der Partner seine Partnerin verliebt ansieht und ihr auf die Nase tippt, muss ich würgen. Raus aus der Öffentlichkeit! Geht nach Hause! 

Ich vertrat diese Meinung rigoros vor eineinhalb Jahren, als ich noch Single war. Aber seit über einem Jahr bin ich in einer festen Beziehung, und, so schwer es mir fällt, das zuzugeben: Auch uns ist es passiert. Wir haben unsere eigene Pärchensprache entwickelt. Manchmal, natürlich sind wir dabei unter uns, sprechen wir miteinander, wie Eltern mit ihrem Baby sprechen würden. Und eigentlich haben wir beide, mein Freund und ich, ziemlich Spaß daran. 

„Das war doch nur ein Witzi“

Aber, um das einmal festzuhalten, bevor ich meine wissenschaftlichen Facts preisgebe: Ich finde, es gibt uncoole und coole Pärchensprache. Uncool ist eben etwa der Mausezahn. Uncool ist auch die Endung „-bubu“. Da sind wir uns wohl alle einig. Aber wenn ich meinen Freund abends anschaue und bittend frage: „Kuschelino?“, dann findet er das süß. Generell finde ich die Endung „-lino“ relativ in Ordnung. Wenn wir morgens zusammen frühstücken und er mich fragt, ob ich ihm das „Broti“ reichen kann, dann ist das lustig gemeint und fühlt sich vertraut an. Und wenn ich einen spitzen Kommentar mit „Das war doch nur ein Witzi“ erkläre, wirkt  mein Kommentar gleich gar nicht mehr so spitz. Ein „-i“ am Ende von Worten finde ich also auch völlig okay - solange es nicht das „i“ in „Schatzibubu“ ist, versteht sich.

Verniedlichend miteinander zu sprechen, wie mein Freund und ich es inzwischen in unseren privaten Alltag integriert haben, kommt ursprünglich vom Kleinkind-Universum. Meistens hört man den Babytalk bei frisch gewordenen Eltern. Studien haben dabei sogar gezeigt, dass Babysprache Kleinkindern hilft. Denn Erwachsene, die Babysprache nutzen, sprechen meist überdeutlich und so verständlicher für ein Baby. Eine Studie aus Washington hat erwiesen, dass Kinder mit Babysprache schneller mehr Wörter lernen als die Vergleichsgruppe der Kinder, mit denen „normal“ gesprochen wird.  

Jetzt sind mein Freund und ich natürlich keine Eltern, und wissen auch schon, was Wauwaus und Auas sind. Trotzdem machen wir es. Mir einzugestehen, dass wir so kindlich miteinander sprechen, hat mich dabei ein wenig Überwindung gekostet. Vor ein paar  Wochen saß ich aber über einen Aperol gebeugt mit einer meiner besten Freundinnen, und da haben wir es uns gegenseitig gestanden: Wir sprechen Pärchensprache mit unseren Boyfriends. Erst da habe ich das zum ersten Mal einer anderen Person verraten. 

In einer eigenen Sprache mit dem:der Partner:in zu sprechen ist intim und schön. Und irgendwie bin ich auch froh, dass mein Freund und ich nicht alleine sind, sondern, dass es eben auch noch andere Paare gibt, die bei sich zu Hause eine intime Sprache sprechen – dabei keinem anderen Menschen auf die Nerven gehen und so ein wenig in ihrer eigenen Welt leben.

Babytalk-Nutzer:innen haben mehr Sex

Noch weniger alleine gefühlt habe ich mich, als ich die Online-Umfrage zum Babytalk von der Sexologin Audrey Aerens für eine Masterarbeit an der KU Leuven entdeckt habe. Sie hat das Phänomen der Babysprache wissenschaftlich untersucht, und kam zu einem, für uns Babysprachen-Nutzer:innen, positiven Ergebnis. Zwei Drittel der vergebenen Studienteilnehmer:innen gaben an, dass sie im Babytalk miteinander sprachen – und das hätte positive Auswirkungen auf die Beziehung. Denn die Pärchen, die Babytalk nutzen, würden nicht nur häufiger kuscheln, sondern hätten auch mehr Sex als die Vergleichspaare, die keine eigene Pärchensprache nutzten. Nicht nur das, auch unsere emotionale Bindung würde durch den Babytalk verstärkt, meint Aerens. Mein Freund und ich können also aufatmen. Wir sind keine Weirdos, die sich aufführen wie Kleinkinder, wenn sie alleine sind, sondern wir stärken durch unsere Paar-Sprache unsere Beziehung. Und das ist ja eigentlich  sehr erwachsen.

Sicher gibt es auch viele Paare, die wie erwachsene Menschen miteinander kommunizieren und trotzdem eine starke Bindung haben. Und sicher gibt es auch viele Singles, denen sich nicht nur bei einem „Puhbär“-Ruf auf offener Straße, sondern auch bei einem intimen „Witzi“ die Haare sträuben. Ich kann jeden verstehen, der jetzt sagt, dass auch der „-lino“-Talk von meinem Freund und mir peinlich ist. Und wahrscheinlich ist es dabei letztlich auch egal, welche Sprache jetzt mehr cringe oder weniger cringe klingt. Denn vielleicht geht es bei der Baby-Pärchensprache ja auch genau darum: Dass wir uns vor unseren Partner:innen nicht cool geben müssen und uns von unserer peinlichsten Seite zeigen können - und uns trotzdem geliebt fühlen. Und auch wenn ich immer aufhorchen werde, wenn sich zwei Zuckerbärchen in der U-Bahn gegenseitig anschatzeln, werde ich meinen inneren Cringe überwinden und ihnen in Zukunft vielleicht doch anerkennend zunicken. Denn mein Freund und ich sollten jeden unterstützen, dem der Babytalk nicht peinlich ist. Nicht wahr, mein Cute-lino?

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