„Ein schwerer Angriff auf die Kunst des Rap“

Der US-Botschafter in Vietnam hat ein Rap-Video veröffentlicht. Im Netz ist man sich uneins, ob das jetzt süß oder peinlich ist.
buzz hanoi rap

Der US-Botschafter päsentiert eine „Hello fellow Kids“-Energie in einem Rapvideo.

Screenshot: Facebook @U.S. Embassy in Hanoi

Vergiss Aktien, Immobilien, Bitcoin – die einzig wahre Währung des 21. Jahrhunderts ist Aufmerksamkeit und zwar am besten in Form von Likes, Shares, Comments. Demzufolge müsste der US-Botschafter Dan Kritenbrink inzwischen ganz schön was auf der hohen Kante haben: Denn sein dreiminütiges Rap-Video, das die US-Botschaft von Hanoi am Montag auf ihrem Facebook-Account veröffentlichte, verbreitete sich rasend im Internet.

Anlass für dieses Goldstück der Musikgeschichte war das anstehende Fest „Tết“, das vietnamesische Neujahr, das am 12. Februar gefeiert wird. Es ist einer der wichtigsten Feiertage in dem Land, und Kritenbrink wollte der Bevölkerung ein frohes Fest wünschen. Wenn man das Video gesehen hat, ist man tatsächlich froh. Oder zumindest belustigt. Zu den Highlights des Videos gehören nämlich etwa diese Zeilen: 

I’m from Nebraska. I’m not a big city boy. 

Then three years ago I moved to Hanoi.

Übersetzt bedeutet das so viel wie: „Ich stamme aus Nebraska. Ich bin kein Großstadtkind. Dann vor drei Jahren zog ich nach Hanoi.“ Auch die folgenden Lines zeigen, dass Leute wie Kendrick Lamar oder Jay-Z Konkurrenz bekommen könnten: 

US and Vietnam,

from now to forever

we’re trusted partners

prospering together

Das Video zu Kritenbrinks Track, in dem man den mittelalten Mann im Anzug durch die Straßen Hanois ziehen sieht, hat genug komisches Potential, um den Sprung von Facebook in die Twitter-Hemisphäre zu schaffen. Khan Vu, der eigenen Angaben zufolge aus Hanoi stammt und in den USA promoviert, teilte das Video etwa – daraufhin folgte eine Debatte. 

„Es funktioniert auf einem ,unbeholfen süß‘ Level“

Kritik gab es in den Twitter-Kommentaren dafür, dass der US-Botschafter daran gescheitert ist, bestimmte vietnamesische Begriffe, die in den englischen Text gestreut waren, richtig auszusprechen. Ein Twitter-User beschreibt die Hörerfahrung sogar als „schmerzhaft“. Aber selbst die härtesten Kritiker*innen scheinen nicht umhin zu kommen, Kritenbrink etwas verzweifelt wirkenden Versuch hip zu sein, irgendwie auch ganz süß zu finden. „Das war ein schwerer Angriff auf die Kunst des Raps“, kommentiert etwa ein User. Und fügt hinzu, dass der US-Botschafter trotzdem „aufrichtig und herzlich“ wirke. Zumindest einer fand die Aktion schlicht „brillant“: Nadav Eshcar, Botschafter von Israel in Vietnam.

Dass Kritenbrinks Rap-Versuch trotz Boomer-Attitüde auch auf viel Liebe im Internet stößt, ist vermutlich mit dem „Es ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist“-Phänomen zu erklären (wie auch dieser Twitter-User festellt). Er transportiert in dem Musikvideo eine ähnliche Energie wie ein planloser Papa, der einen fragt, was man denn von dieser neuen App „Tikotok oder wie die heißt“ halte. Oder wie diese Twitter-Userin es zusammenfasst: „Der alte weiße Dude, der auf Englisch und Vietnamisisch rappt, ist total bekloppt, aber es funktioniert auf einem ,unbeholfen süß‘ Level.“ 

Diesem Urteil würde auch die jetzt-Redaktion zustimmen und hat dem Anlass entsprechend ein paar Lines verfasst, um das zu unterstreichen: 

Rosen sind rot, Veilchen sind blau

Kritenbrinks Video war kein Supergau. 

Und jetzt seid gefälligst dankbar, dass wir kein Rap-Video daraus gemacht haben.

mpu

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