Diese Accounts informieren dich über die Lage auf Lesbos

Auf Social Media berichten Journalist*innen, Fotograf*innen und Politiker*innen von ihren Eindrücken vor Ort – eine Auswahl.
Von Franziska Setare Koohestani
moria instagram profiles

Foto: Louisa Gouliamaki / AFP

Vergangene Woche ist das Geflüchtetenlager Moria auf der griechischen Insel Lesbos beinahe vollständig abgebrannt. Wer das Lager in Brand gesteckt hat, ist noch immer nicht bekannt. Klar ist aber, dass sich die Lage für die Geflüchteten seither dramatisch verschlechtert hat: Rund 13 000 Schutzsuchende leben nun auf der Straße. Es mangelt weiterhin an Lebensmittelversorgung, an Wasser und Möglichkeiten, Hygieneregeln und Abstand einzuhalten. Währenddessen wird derzeit ein neues Camp hochgezogen. Einige der Geflüchteten sind mittlerweile dort eingezogen, andere schlafen weiterhin auf der Straße. 

In Deutschland hatte Innenminister Seehofer am vergangenen Freitag mitgeteilt, zwischen 100 und 150 unbegleitete minderjährige Geflüchtete aufnehmen zu wollen, was die Opposition als zu wenig kritisierte. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken forderte eine vierstellige Zahl an Menschen, die Deutschland aufnehmen solle. Nun wurde bekannt, dass Merkel und Seehofer sich darauf geeinigt haben, weitere 1500 Geflüchtete aus Griechenland nach Deutschland einreisen zu lassen – darunter auch Geflüchtete, die sich bislang in Lagern auf anderen griechichen Inseln befinden.

Seit der Zerstörung des Camps berichten Journalist*innen, Fotograf*innen und Politiker*innen wieder vermehrt über die Lage vor Ort – unter anderem in den sozialen Medien. Hier sind sechs der Accounts, denen du folgen solltest, wenn du über die Situation informiert bleiben möchtest:

1. Isabel Schayani (WDR-Fernsehjournalistin):  

Sie spricht nicht bloß über die Geflüchteten im Camp Moria, sondern vor allem: mit ihnen – und zwar in deren Muttersprache. Was diese Nähe für die Berichterstattung bedeuten kann, zeigte sich am Sonntagabend eindrücklich: Denn da wurde Isabel Schayani zu Anfang der Anne Will- Talkshow (ARD) zugeschaltet, um über die Zustände auf Lesbos zu berichten. Während der Schalte saß sie bei einer afghanischen Familie, die auf dem Parkplatz eines geschlossenen Lidl-Supermarkts campierte – immer wieder richtete die Reporterin Fragen auf Farsi an die Mutter, die sie bereits von ihrem Besuch im Februar kannte, und übersetzte anschließend.

Isabel Schayanis Vater kommt aus Iran. Sie selbst spricht fließend Farsi, was unter anderem auch Amtsprache in Afghanistan ist. Auf ihrem Twitter-Account teilt Schayani sowohl sensibel ausgewählte Momentaufnahmen von Begegnungen mit Geflüchteten …

… als auch Neuigkeiten zur politischen Lage vor Ort: 

2. Franziska Grillmeier (freie Journalistin):  

Franziska Grillmeier ist eine der wenigen Journalist*innen, die langfristig auf der griechischen Insel Lesbos leben und regelmäßig von dort berichten. Sie blieb, als sich die Lage für Helfer*innen und Journalist*innen im März verschärfte: als ein Polizist sie mit den Worten „Geh nach Hause! Wir brauchen dich hier nicht“ anschrie. Zu dem Zeitpunkt reisten rechtsextreme Gruppen auf die Insel, um Straßen und Schlauchboote zu blockieren und Mitarbeiter*innen von Hilfsorganisationen, Journalist*innen und Geflüchtete anzugreifen.

Zu Franziska Grillmeiers Themenschwerpunkten gehören die Gesundheitsversorgung in Konfliktregionen sowie die Folgen von Vertreibung. Über die Lage der Geflüchteten im Camp Moria hat sie dementsprechend schon mehrere Reportagen geschrieben – unter anderem für Zeit Online und die taz. Auch auf Twitter und Instagram berichtet sie regelmäßig von der griechischen Insel:

Sie erzählt dabei auch die Geschichten einzelner geflüchteter Menschen:

3. Bamdad Esmaili (freier Journalist):  

Vor allem auf Instagram, aber auch auf Twitter postet der Radio- und Fernsehjournalist Bamdad Esmaili aktuelle Videos aus dem Camp Moria. Sie zeigen zum Beispiel, wie das neue Camp aufgebaut wird oder wie Geflüchtete Nahrungsmittel aus dem Kofferraum eines fahrenden Minibusses geliefert bekommen. Esmaili berichtet zweisprachig, auf Deutsch und Farsi – die Videos haben die Geflüchteten teilweise selbst aufgenommen und kommentiert. 

Gemeinsam mit Isabel Schayani arbeitet Bamdad Esmaili auch für das Format „WDR For you“, einem vielsprachigen Angebot für Geflüchtete in Deutschland. Auf deren Facebook-Seite teilt er zurzeit regelmäßig Live-Videos, in denen er direkt aus dem Camp Moria berichtet.

4. Erik Marquardt (Politiker, Die Grünen)  

Der Grünen-Politiker, EU-Abgeordnete und Migrationsexperte Erik Marquardt war in der Vergangenheit bereits für längere Zeit auf der Insel Lesbos, um auf die prekäre Situation im Flüchtlingscamp Moria aufmerksam zu machen. Im März startete er beispielsweise die Kampagne #LeaveNoOneBehind und forderte, das Camp angesichts der Corona-Pandemie zu evakuieren. Seit vergangenem Donnerstag ist Marquardt wieder vor Ort. „Dass so eine Situation in Europa entstehen kann, ist so ein unwürdiges Politik-Schauspiel, dass ich am liebsten kotzen möchte“, sagte er in einem Video auf Twitter nach seiner Ankunft.

Auf seinem Account kritisiert er sowohl die EU-Migrationspolitik als auch das Vorgehen der Polizei vor Ort. Sein Ziel: politisch Druck aufzubauen. 

5. Milene van Arendonk (Fotografin, englischsprachig):  

Auch die niederländische dokumentarische Fotografin Milene von Arendonk postet auf ihrem Instagram-Account zurzeit Video- und Bildmaterial aus dem Flüchtlingscamp Moria. Zu sehen sind vor allem weinende, schlafende oder spielende Kinder, aber auch Porträts von erwachsenen Geflüchteten aus Moria mit Interview-Sequenzen und ihren persönlichen Eindrücken in den Captions. Auch den Brand hat van Arendonk selbst miterlebt und gefilmt. Sie schreibt zum Beispiel: „Ich möchte ehrlich sein: Es ist nicht leicht, Menschen zu fotografieren, die alles verloren haben. Ich kann meine Tränen nicht immer zurückhalten und dann kommt es dazu, dass sie mich trösten (...).  Es ist unglaublich zu sehen, wie stark diese Menschen sind.“

6. Nicola Zolin (Fotojournalist, englischsprachig):   

Die Bilder des italienischen Fotojournalisten Nicola Zolin aus dem Flüchtlingscamp Moria zeigen vor allem den verzweifelten Alltag der Geflüchteten: etwa Szenen, in denen sie gegen die Umsiedlung in ein neues Camp protestieren ... 

... oder um knappe Wasserressourcen kämpfen:

Seine Fotografien veröffentlicht Zolin sowohl auf Twitter, als auch auf Instagram.  

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