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Italiens Regierungschef bittet Influencer*innen um Hilfe

Chiara Ferragni und Rapper Fedez: So schön, so erfolgreich, und jetzt auch mit Auftrag von der italienischen Regierung.
Screenshot: Instagram @chiaraferragni; Bearbeitung: jetzt

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Mehr als 21 Millionen Menschen folgen Chiara Ferragni auf Instagram, einer 33-jährigen italienischen Influencerin mit einem Namen, der wie eine Mischung aus Rennauto und Süßigkeit klingt. Das blonde Model, das 2017 vom Forbes Magazin zur wichtigsten Fashion-Influencerin gekürt wurde, ist damit Italiens erfolgreichste Instagramerin, weltweit lag sie im August auf Rang 46. Ferragni ist eine nationale Hausmacht, ein Superstar. Das will die italienische Regierung offenbar nun in der Krise für sich nutzen: Ihre Reichweite soll dabei helfen, Menschen zum Maske-Tragen zu bewegen.

Ferragnis Ehemann, der ebenfalls berühmte Rapper Fedez, richtete sich am Montag mit einem Video in seiner Story an seine elf Millionen Follower*innen. Darin erzählte er, Regierungschef Giuseppe Conte habe ihn und Ferragni um Hilfe gebeten. Es sei ein „sehr unerwarteter“ Anruf gewesen. Der Bitte, sich fürs Maske-Tragen einzusetzen, kam der 31-Jährige auch direkt nach und rief dazu auf, sich an die nationale Maskenpflicht zu halten. „Leute, wir sind in einer sehr, sehr, sehr heiklen Situation“, so der Musiker. Italien könne sich keinen neuen Lockdown wie im Frühjahr erlauben. 

Auch Ferragni folgte der Bitte und veröffentlichte eine mehrteilige Story, in der sie sich mit Maske zeigte. „Lasst uns gemeinsam das schlimmste Szenario vermeiden“, sagt die 33-Jährige darin, die erst vor wenigen Tagen ihre zweite Schwangerschaft bekannt gegeben hat. Das Tragen einer Maske sei eine kleine Geste, die einen Unterschied machen könne.

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Screenshot: Instagram @chiaraferragni
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Screenshot: Instagram @chiaraferragni
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Screenshot: Instagram @chiaraferragni

Das Video ihres Mannes Fedez wurde in in den sozialen Medien häufig geteilt. Der italienische Premierminister Giuseppe Conte, ein parteiloser Politiker, der einer Koalition aus der Fünf-Sterne-Bewegung und dem Partito Democratico vorsteht, äußerte sich bislang nicht öffentlich zu dem angeblichen Anruf, dementierte allerdings auch nicht. 

Die Geschichte zeigt zwei Dinge: Zum einen, dass die italienische Regierung bereit ist, unkonventionelle Wege zu gehen, um junge Menschen zu erreichen. Kein Wunder, in Italien ist die Situation sehr ernst, in der vergangenen Woche sind dort – wie in so vielen europäischen Staaten – wieder fünfstellige Rekordzahlen von Neu-Infektionen gemeldet worden. Dabei kann man es natürlich auch kritisch sehen, wenn Regierungen Influencer*innen benutzen, um ihre Botschaft ungefiltert zu verbreiten. Allerdings machte Fedez den Vorgang immerhin transparent. Gleichzeitig ist es nicht ungewöhnlich, dass Stars sich zu aktuellen politischen Vorgängen äußern, oder, man blicke auf den US-amerikanischen Wahlkampf, Politiker*innen unterstützen. 

Zum anderen demonstriert es, dass es im Gegensatz zu den ganzen Wendlern, Naidoos und Attilas auch jede Menge Berühmtheiten gibt, die sich in der Corona-Pandemie für Menschen einsetzen, anstatt sie weiter zu verunsichern. Ferragni etwa hatte, schon vor dem mutmaßlichen Anruf von Conte (dem übrigens „nur“ etwas über eine Million Menschen auf Insta folgen), eine Aktion gestartet, bei der sie für ein Krankenhaus in Mailand innerhalb von 24 Stunden über drei Millionen Euro sammelte. In ihrer Story vom Montag schrieb sie, dass es für sie als Person des öffentlichen Lebens dazugehöre, „etwas Gutes für die Menschen und für mein Land zu tun“.

Da bleibt eigentlich nur eine Frage, die sich auch die Journalistin Tami Holderried auf Twitter stellte: „Wann ruft Merkel endlich Caro Daur an????“

mpu

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