Hetero-Männer, ist euch Humor bei eurer Partnerin nicht wichtig?

Wollt ihr lieber eine, die über eure Witze lacht, als eine, die euch zum Lachen bringt?
Von Magdalena Pulz und Kolja Haaf
querfrage keine lustigen frauen cover

Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

Liebe Männer, 

Hetero-Frauen wünschen sich Partner mit Humor. Das ist nicht nur eine Dating-Binsenweisheit, sondern wird immer wieder durch Umfragen belegt: Parship etwa hat 2019 eine Befragung veröffentlicht, nach der 42 Prozent der Frauen angeben, dass sie einen Mann „unwiderstehlich“ finden, wenn sie mit ihm gemeinsam lachen können. So einig ist sich das weibliche Geschlecht sonst nur, wenn es um das Thema Kissen auf der Couch geht (Antwort: Kissen, ja, unbedingt, so viele wie möglich).

Und warum auch nicht: Das Leben ist ernst genug. Dann sollte man es doch wenigstens mit dem Partner lustig haben. Ein ähnlicher Sinn für Humor hat wohl auch in Langzeit-Beziehungen positive Effekte. Der Psychotherapeut Wolfgang Krüger sagt sogar, dass es der wichtigste Faktor zum Gelingen der Liebe sei, man könne damit etwa Streit und Krisen entschärfen. 

Traut ihr uns einfach nicht zu, dass wir auch witzig sein können?

Deswegen wundere ich mich immer wieder, dass dieses Mantra andersherum nicht zu gelten scheint. Männer wünschen sich Umfragen zufolge natürliche, ausgeglichene Frauen, die ihnen zuhören. Und auch Frauenzeitschriften propagieren höchstens einen passiven weiblichen Humor: Wenn Humor für Frauen eine Rolle spielt, so liest man da, dann eher: Weil Männer es mögen, wenn man über ihre Witze lacht. Gerne werden in diesem Zusammenhang völlig blödsinnige evolutionäre Erklärungen vorgebracht: Männer würden so ihre Intelligenz unter Beweis stellen und Frauen würden sich dann den geeignetsten Kandidaten aussuchen. Dass das im echten Leben nicht so läuft, weiß aber jede Hetero-Frau, die schon mal auf Tinder gedatet hat.

Auch wenn sich geschlechtsspezifische Präferenzen natürlich nicht wirklich generalisieren lassen, kann man sich nur schwer vorstellen, wie Männer miteinander über potentielle Partnerinnen sprechen und dabei Sätze sagen wie: „Die ist schon ganz hübsch und nett, aber leeeider total unlustig“ oder „Wir hatten das perfekte Date, ich hab’ die ganze Zeit DURCHGELACHT“. Dabei gibt es doch kaum etwas Besseres, als seine eigene Kristen Wiig oder Melissa McCarthy zuhause zu haben? Wer würde nicht mit Anke Engelke alt werden wollen? 

Woran liegt es, dass ihr eine Comedienne als Freundin vermutlich nicht ausschließen würdet, aber es nicht eure höchste Priorität ist, dass eure zukünftige Partnerin lustig ist? Stimmt die Gala-Weisheit, dass ihr lieber eine um euch habt, die lacht, als eine, die euch zum Lachen bringt? Oder traut ihr uns einfach nicht zu, dass wir auch witzig sein können?

Klopfklopf

Eure Frauen.

Die Antwort:

Liebe Frauen,

da lese ich, ohne was Böses zu ahnen, eure Frage und – Sapperlot – da huscht mir doch tatsächlich das ein oder andere Schmunzeln übers Gesicht! Womit zumindest für mich persönlich schon mal die Frage geklärt wäre, ob Männer Frauen überhaupt zutrauen, lustig zu sein. Bleibt die danach, warum wir das nicht attraktiv finden. Was ich mit einem energischen angeblich! ergänzen würde.

Denn kein Mann kann mir erzählen, dass er eine Frau nicht unglaublich sexy findet, die bei Kerzenlicht langsam ihre Hand auf seine legt, ihm tief in die Augen schaut, sinnlich eine Haarsträhne zurück pustet und dann anfängt, ihm aus voller Kehle die Saxophon-Melodie von Careless Whisper ins Gesicht zu tröten. Glaubt mir: Männer finden lustige Frauen zum Dahinschmelzen. Und ja, sie wollen sie auch zur Partnerin. Zumindest die Männer, die ich kenne. 

Aber!

Es gibt da zwei Einschränkungen. Die erste dürfte euch wahrscheinlich besser gefallen: Männer geben oft nicht zu, dass sie gerne eine lustige Freundin hätten. Und das liegt wohl wieder Mal an unserem guten alten Bekannten toxische Männlichkeit. Ob jetzt aus evolutionären oder anderen Gründen, sei dahingestellt, aber Humor ist für viele Männer von klein auf immer auch ein Wettbewerb. Wer andere zum Lachen bringt, hat in gewisser Hinsicht auch Macht über sie. Und wer selber zum Lachen gebracht wird, ist unterlegen. Das ist natürlich stark zugespitzt – auch wir können einfach nur unschuldige Freude am Lachen haben. Aber übertragen auf das Verhältnis Mann-Frau hieße das: Wer in einer Beziehung derjenige ist, der lacht, ist seiner Partnerin unterlegen. Und einer Frau unterlegen zu sein, sollte man möglichst vermeiden. Oder es zumindest nicht zugeben. Mucho toxisch!

Diese krampfige Einstellung nimmt aber glaube ich mit fortschreitendem Alter ab. Ein paar alte Freunde und ich haben diesen Sommer über unsere Schulzeit getratscht. Dabei kam nach und nach raus, dass wir alle viel mehr auf die lustigen, aber vielleicht nicht ganz so konventionell hübschen Mädchen standen, als wir damals zugegeben hätten. Wir hätten uns dem Vorwurf der Unmännlichkeit stellen müssen, wenn wir offen Humor gegenüber großen Brüsten bevorzugt hätten.

Es ist immer einfacher, aus einer Machtposition heraus lustig zu sein

Naja, um genau zu sein, und hier komme ich zu Punkt zwei, ging es spezifisch um ein Mädchen. Das einzig wirklich lustige Mädchen in unserer Klasse. Denn es stimmt zwar, dass Männer vielleicht manchmal nicht zugeben, wenn sie Frauen lustig finden. Aber es stimmt auch, dass so richtig – zum sich bepieseln – lustige Frauen, zumindest aus Sicht mancher Männer, nicht allzu häufig sind. Und wenn wir hier schon mit dubiosen Studien um uns schmeißen – in dieser hier wurden verschiedene Studien zu dem Thema ausgewertet und befunden, dass sowohl Frauen als auch Männer in einem Blindtest Männer im Schnitt als deutlich lustiger bewerten. Ob man das jetzt glauben will oder nicht – jedenfalls halten viele Männer wirklich lustige Frauen für seltene Einhörner. Und deshalb ist dieser Faktor bei der Partnerwahl für sie vielleicht von vornherein einfach nicht ganz so wichtig. 

Autsch, ich weiß. Aber damit soll bitte, bitte nicht gesagt sein, dass Frauen irgendwie inhärent unlustiger wären. Wenn es denn diesen Humor-Gap wirklich gibt, dann, vermute ich, ist es vielmehr ein Nebenprodukt dieses ununterbrochenen Stand-up-Comedy-Wettbewerbs unter Männern, dass bei uns viel früher eine humoristische Reizüberflutung stattfindet und wir gezwungen sind, andauernd einen draufzusetzen. Immer noch raffinierter, noch selbstironischer, noch tabubrechender zu sein. Und dass damit unsere Lach-Schwelle relativ hoch liegt. Weiblicher Humor wird oft als harmlos wahrgenommen.

Dazu kommt, dass es immer einfacher ist, aus einer Machtposition heraus lustig zu sein. Man kann sich mehr Fallhöhe leisten, weil man eh gut abgesichert ist. Und Männer sind per Patriarchat schlichtweg öfter in dieser Position. 

Außerdem, das ist jetzt aber reine Mutmaßung, könnte es sein, dass Männer schon als Kleinkinder einfach mehr positives Feedback auf lustiges Verhalten bekommen als Frauen. Weil Humor, wie etwa mit Lego spielen, Bälle werfen oder kleine Tiere quälen als eine besonders männliche Tugend gilt. Und deshalb erlernen Männer eine gewisse Ulkigkeit vielleicht eher als Frauen schon früh als ein unverzichtbares Persönlichkeitsmerkmal.

Fazit: Eltern – lacht mehr über und mit euren Töchtern. Männer – es ist keine Schande, von einer Frau nach Strich und Faden zum Quieken gebracht zu werden. Lustige Frauen – heiratet uns und spielt dann auf einem Saxophon vorm Altar krumm und schief Careless Whisper für uns. Selbst wenn dann keiner sonst in der Kirche lacht, wir lassen euch nicht hängen, versprochen.

Eure Männer

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