Sieben Weihnachtstraditionen zum Abschauen

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Das Weihnachtsfest sieht bei vielen Familien ähnlich aus: An Heiligabend schleppt man sich der Oma zuliebe das eine Mal im Jahr in die Kirche. Man isst aus Pfännchen (Raclette) oder von Spießen (Fondue) bis Bauchschmerzen sie zur Aufgabe zwingen, um mit letzter Kraft die Bescherung zu bewältigen. An den nachfolgenden Tagen rücken dann noch Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen an, und das Ganze geht von vorne los. Viele kennen diese Familienrituale schon aus Kindertagen und haben sie gerade deshalb an Weihnachten irgendwie gern, auch wenn sie nicht besonders außergewöhnlich sind. Doch es gibt auch Menschen, die es an Weihnachten anders machen und ganz eigene Rituale für sich und ihre Familie etabliert haben. Sieben von ihnen erzählen, wie sie den Festtagen etwas mehr Pep verleihen.

Jakob, 22: Zittern am Morgen

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„Unsere Tradition ist vor ungefähr zehn Jahren entstanden. Früher waren meine Schwester und ich an Heiligabend schon tagsüber sehr aufgeregt. Wir konnten es kaum abwarten, endlich die Geschenke zu öffnen. Einmal waren wir so aufgedreht, dass mein Vater aus Spaß meinte: ‚Kommt, ihr müsst einmal raus. Lasst uns im See schwimmen gehen.‘ Der See ist ungefähr zehn Minuten von uns mit dem Fahrrad entfernt. Zur Überraschung meines Vaters fanden wir die Idee gar nicht schlecht und so wusste er sich gar nicht anders zu helfen, als mit uns tatsächlich in den kalten See zu springen. Danach waren wir deutlich ruhiger und entspannter. Seitdem hat sich das bei uns als Weihnachtstradition etabliert. Von Zeit zu Zeit haben immer mehr Freunde mitgemacht, sodass wir mittlerweile eine größere Gruppe sind, die gemeinsam am Weihnachtsmorgen baden geht.“

Franziska, 27: Exklusiver Weihnachtstrunk

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„Mein Vater, meine Schwester und ich trinken seit ungefähr zehn Jahren an Weihnachten eine Goaß-Maß. Das Getränk besteht aus dunklem Bier, Cola und sehr süßem Kirschlikör – eine himmlisch schmeckende Mischung. Wir haben dafür einen ganz besonderen Maßkrug aus Stein, den wir nur an Heiligabend für unsere Tradition benutzen. Beim Trinken sitzen wir in einer Dreier-Runde und reichen die Goaß herum. Dabei stoßen wir auf das vergangene und auf das kommende Jahr an. Diese Tradition gehört nur uns Dreien, das macht sie sehr emotional, es ist etwas Besonderes. Das Ritual stellt eine einzigartige Verbindung zwischen meiner Schwester, mir und meinem Vater her. Obwohl mein Vater kein emotionaler Typ ist, besteht er jedes Weihnachtsfest auf unsere traditionelle Goaß.“

Hannah, 19: Kartenspiel mit Risiko

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„Nachdem meine Familie und ich gemeinsam Fondue gegessen haben und die Crème Brûlée bereits im Ofen ist, spielen wir ‚Schätzen‘. Ein Kartenspiel, das mehr mit Zufall als mit Geschick zu tun hat. Das macht es besonders unterhaltsam, weil niemand wirklich weiß, wie das Spiel ausgeht. Eines Abends ist meine Mutter einmal während des Spiels reingekommen und hat gerufen: ,Der Meister ist da, der Meister ist da!’ Und immer wenn sie eine Runde für sich gewonnen hatte, betonte sie, dass die Meisterin des Abends wieder da sei. Seitdem spielen wir jedes Jahr um den Titel des Weihnachtsmeisters. Wer alle zehn Runden gewinnt, bekommt den Titel für den Abend verliehen. Wer verliert, muss das gesamte Geschirr alleine abwaschen. Bei uns wird nicht ohne Einsatz gespielt, weil es ohne Risiko einfach keinen Spaß macht.“

Patrick, 36: Weihnachtsbaum mit Einlage

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„Bei uns ist es Familientradition, dass an Heiligabend eine Gewürzgurke an den Weihnachtsbaum gehängt wird. Bereits am Weihnachtsmorgen versteckt meine Mutter die Gurke im Baum. Sie macht das heimlich, sodass niemand aus der Familie mitbekommt, wo genau die Gurke versteckt ist. Schon im Lauf des Tages versucht dann jedes Familienmitglied, das geheime Versteck ausfindig zu machen. Das ist gar nicht so leicht, denn die Gurke ist meist sehr gut im Tannenbaum verborgen. Aber wer sie findet, wird belohnt: Für den Gurken-Entdecker ist ein extra Weihnachtsgeschenk reserviert, das er an Heiligabend öffnen darf. Diese Familientradition zelebrieren wir schon seit Jahren und freuen uns jedes Weihnachten darauf, der mögliche Gurken-Entdecker des Abends zu sein.“

Solveigh, 25: Wildbesuch

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„An Weihnachten gehen mein Vater, mein Bruder und ich mit ein oder zwei weiteren Familien ins Wildgehege und füttern dort die Wildschweine. Das machen wir schon, seitdem ich vier oder fünf Jahre alt bin. Damals haben wir auf dem Spielplatz des Geheges gespielt und Kekse gegessen. Mit dem uns bekannten Förster haben wir zuvor abgesprochen, dass wir die Wildschweine mit Kartoffeln und Karotten füttern dürfen. Wir haben schnell gemerkt, dass es den Wildschweinen gut schmeckt. Währenddessen ist meine Mutter zuhause geblieben, um dem ‚Christkind die Tür zu öffnen‘ und auf den Braten im Ofen aufzupassen.

Erst viel später habe ich verstanden, dass meine Mutter in diesen zwei Stunden, in denen wir im Wald unterwegs waren, noch viel mehr gemacht hat. Sie hat den Tannenbaum geschmückt und die Geschenke unter den Baum gelegt. Als wir dann zurückkamen, sah die Wohnung wunderschön aus und alles war perfekt für die Bescherung vorbereitet. Seit ein paar Jahren ist die Tradition etwas eingeschlafen, doch für mich gehört es an Heiligabend eigentlich dazu. Sollte ich eines Tages Kinder bekommen, werde ich auch mit ihnen an Weihnachten in den Wald gehen.“

Sophie, 25: Krippentheater im Wohnzimmer

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„Im Corona-Lockdown haben wir als Familie überlegt, wie wir trotzdem gemeinsam Weihnachten feiern können. Für uns war es wichtig, dass es für alle vertretbar und sicher ist, sich zu treffen. Dazu gehörte auch, dass wir uns gegen den traditionellen Kirchenbesuch entschieden haben, der zuvor immer fester Bestandteil unseres Heiligabends war. Ersatzweise kamen wir spontan auf die Idee, die Weihnachtskrippe einfach zu Hause nachzuspielen.

Ursprünglich war es ein nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag, die Kirche nach Hause zu bringen. Deshalb findet unser Krippenspiel auch immer mit einem Augenzwinkern statt. Zumal wir eigentlich nicht sonderlich kirchlich geprägt sind. Bei uns spielt vielmehr die Gewohnheit und Tradition eine Rolle. Wenn ich unsere damaligen Kirchenbesuche mit dem Krippenspiel zu Hause vergleiche, dann hat das eigene Spiel immer eine ganz persönliche Note und betont viel stärker unsere Familiengemeinschaft. Wir kommen uns so an Heiligabend auf eine kreative und humorvolle Art besonders nahe.“

Louisa, 25: Die Übernachtungsparty

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„Mit meinen langjährigen Uni-Freundinnen mache ich dieses Jahr wieder einen gemeinsamen ,Sleepover‘. Wir übernachten dann meist am ersten oder zweiten Weihnachtstag bei einer unserer Freundinnen, dieses Jahr wird es das vierte Mal in Folge sein. Bisher lief das so ab: Während wir das Essen vorbereiten, starten wir mit einem selbst gemixten Cocktail.  Anschließend schauen wir eine klassische Weihnachtschnulze und schlemmen. Vergangenes Jahr haben wir zu Whisky Sour und Antipasti ,Tatsächlich Liebe‘ geschaut.

Für dieses Weihnachtsfest haben wir uns noch etwas Neues überlegt. Zusätzlich zum traditionellen Programm machen wir ein Weihnachtswichteln, allerdings kein klassisches, sondern ein sogenanntes Reflexionswichteln. Die Beschenkte erhält zu ihrem Päckchen noch eine ‚Reflexion‘. Darin steht zum Beispiel, worauf die Person stolz sein kann oder was für sie in diesem Jahr besonders prägend war. Da wir seit Ende des Studiums nicht mehr alle in München wohnen, liegt uns diese Tradition sehr am Herzen. Das ist einer der wenigen Momente, an denen wir alle wieder zusammenkommen und sich alles ein bisschen wie früher anfühlt.“

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