Die wildesten Partys unserer Großeltern

Wer sagt, dass unsere Großeltern nicht wild gefeiert haben?
Foto: Adobe Stock; Bearbeitung: jetzt

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Wer sagt, dass nicht auch schon früher wild gefeiert wurde? Fünf Omas und Opas erzählen von innovativen Mischgetränken, besoffenen Partnern und den Hits ihrer Zeit. Manche wilden Tanzabende könnten auch den Partys von heute ein Vorbild sein, bei anderen sind wir aber vielleicht eher froh, dass sie schon lange der Vergangenheit angehören. 

Manne, 86 Jahre 

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Foto: privat

Lieblingsdrink: „kalte Ente“, ein Gemisch aus Sekt, Wein und ein paar Früchten

Partyort: Wesel am Rhein

Partylied: „Rucki Zucki“

„Als junge Frau fuhr ich zwar mit der Straßenbahn zu Tanzabenden in Bremen, aber so richtig wild wurde es erst mit Mitte 40. Da gab es dann Partys in der Nachbarschaft. Eine unserer ersten großen Feiern war eine Willkommensparty, in einem Haus unserer Nachbarn, das noch nicht richtig fertig gebaut war. Zur Deko hatten sie einen ganzen Raum mit Alufolie ausgekleidet, es gab Luftschlangen und das Spezialgetränk „kalte Ente“ – ein Gemisch aus Sekt, Wein und ein paar Früchten. Die Polonaise aus 20 feierwütigen Nachbarn ging zu „Rucki Zucki“ durch das ganze Haus. Alle mussten sich dafür ordentlich Mut antrinken, weil sich eigentlich niemand so richtig kannte. Doch dann sind wir uns schnell näher gekommen: Das war eine wilde Küsserei durch die ganze Gesellschaft. Später bei Partys in unserer eigenen Bar im Keller unseres Hauses habe ich Gulaschsuppe gekocht und Opa hat heimlich noch einen Schluck Cognac dazu getan. Dann schmeckte die Suppe besonders gut.“ 

Gerhard, 89 Jahre

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Foto: privat

Lieblingsdrink: damals gab es nicht viel, aber der Korn blieb in Erinnerung

Partyort: Betriebsgelände einer Landmaschinen-Schlosserei in Wittenburg

Partylied: Tanzmusik, genaue Lieder sind nicht mehr bekannt

„Einmal im Jahr fand in der Landmaschinen-Schlosserei, in der ich gearbeitet habe, eine Betriebsfeier statt. Ich war damals 15 oder 16 Jahre alt, es war kurz nach dem Krieg. Zur Feier des Tages kaufte der Betrieb ein ganzes Schwein bei einem Landwirt und ließ es beim Schlachter in Bockwürste verarbeiten. Wir waren begeistert: Fünf Bockwürste gab es pro Person, die in einem großen Kessel warm gemacht wurden. Nach dem Krieg waren Lebensmittel knapp, besonders Zucker und Fleisch gab es kaum und nur mit Lebensmittelmarken. Deswegen waren die Bockwürste etwas ganz Besonderes. Lachend und essend saßen wir in einem großen Veranstaltungsraum in einem Gebäude auf dem Betriebsgelände, zwei oder drei Live-Musiker spielten Tanzmusik und hin und wieder bekannte Schlager, zu denen wir dann mitsangen. Wir tranken Alkohol – an die genauen Getränke kann ich mich nicht erinnern, aber Korn muss es gegeben haben. Ein paar meiner Kollegen übertrieben es entweder mit den Bockwürsten oder dem Alkohol. Sie übergaben sich aus dem Fenster des Raumes auf den Hof. Dort wartete der Wachhund begierig auf die wieder ans Tageslicht beförderte Bockwurst. Dass diese sich im Magen der Unvorsichtigen mit Alkohol vollgesaugt hatte, interessierte ihn nicht. So waren am Ende nicht nur wir besoffen, sondern auch der Schäferhund des Betriebs. Überstanden haben die Feierlichkeiten aber alle.“

Marita, 79 Jahre

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Foto: privat

Lieblingsdrink: Whiskey und Bier

Partyort: zu Hause

Partylied: „Gassenhauer“ von Peter Alexander

„Schon mit zwei Jahren hatte ich Lust zu feiern und habe auf dem Tisch getanzt. Richtig los ging es dann mit 13 oder 14 Jahren. Früher haben wir gefeiert, so feiert man heute nicht mehr: Wir haben dazu alte Schlager gehört, Männer haben sich Röcke angezogen und Frauen sich Hosen oder die Leute haben sich als Clown verkleidet. Es gab viel zu essen, Bier, Wein und je nach finanzieller Lage auch mal Sekt. Auch bei der Hausarbeit haben wir es uns lustig gemacht: Wenn wir eine Wanne voll Bohnen pulen mussten, haben wir immer wenn der Eimer voll mit gepulten Bohnen war, einen Schnaps getrunken. Dementsprechend waren wir alle schnell sehr betrunken. Eine meiner liebsten Erinnerung ist, als mein Onkel sich auf einer Party völlig betrunken in die Badewanne gesetzt und mit dem Duschkopf telefoniert hat.“ 

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Manne (links) auf einer Kostümparty.

Foto: privat
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Dieter und Margret bei Wohnmobilfeiern auf Sylt.

Foto: privat
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Auch Brigitte hat gerne mit Freunden und Familie getrunken und getanzt.

Foto: privat

Brigitte, 75 Jahre

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Foto: privat

Lieblingsdrink: Eierlikör mit Orangenlimonade

Partyort: Eine Gastwirtschaft in der Nähe von Hamburg

Partylied: „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“

„Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig, und mein Vater war sehr streng. Deswegen habe ich erst, als ich jung verheiratet war – mit 19 – angefangen auszugehen. Meine Schwester hatte eine Gastwirtschaft, da haben wir immer gefeiert. Mein Mann hatte ein großes Tonbandgerät und viele Platten und dann hat er immer Musik gemacht. „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ von Udo Jürgens und „Theo wir fahr'n nach Lodz“, das haben wir gerne gehört. Zu der Zeit war Cocktail modern, da gab es Eierlikör mit Orangenlimonade Perri (ohne Kohlensäure), das wurde dann immer so schön schaumig. Und Escorial haben wir getrunken, das war so ein blaues Zeug. Bei den Männern wurde immer der Likör angesteckt und wenn man den nicht richtig trank, dann hat man sich an der Lippe verbrannt. Einmal war mein Mann so betrunken auf dem Beifahrersitz, dass er während der Fahrt ständig die Handbremse angezogen hat. Beim dritten Mal, das war zehn Kilometer von zu Hause entfernt, habe ich gesagt, du steigst jetzt aus und läufst nach Hause – schließlich war sein Verhalten ziemlich gefährlich. Er ist auch wirklich ausgestiegen. Aber er hätte für den Heimweg durch ein Waldgebiet gemusst. Stattdessen hat er sich dann doch einfach ein Taxi genommen, und das obwohl er kein Geld dabei hatte. Ich bin nachts durch sein Klingeln wach geworden und habe das Taxi bezahlt. Beim Fahren die Handbremse angezogen hat er danach nie wieder – ganz egal wie viele Schnäpse wir getrunken haben.“ 

Dieter und Margret, 76 und 71 Jahre

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Fotos: Privat

Lieblingsdrink: Persico (Sauerkirschlikör)

Partyort: Gartenfeten am Pool und am Strand auf Sylt

Partylied: „Ich düse, düse im Sauseschritt“

„Wir haben einen Pool im Garten und meistens endeten diese Gartenfeten so, dass viele mit voller Ausrüstung im Becken landeten. Mit Anfang 20 gab es bei uns die ersten großen Feiern, aber auch später feierten wir noch gerne: Als das Lied „Ich düse, düse im Sauseschritt“ 1983 rauskam düsten unsere Gäste alle bei uns um den Pool herum und wenn das Lied anhielt, sprangen sie mit den Klamotten rein. Die meisten Gäste haben sich direkt Wechselklamotten mitgebracht. Wir haben aber nicht nur in unserem Garten, sondern auch im Urlaub gerne gefeiert: Vor 46 Jahren sind wir mit dem Wohnwagen nach Sylt gefahren. Dieter hatte einen Haufen kleine Flachmänner mit Persico, also Sauerkirschlikör, in einem Stauraum hinten im Wohnwagenl verstaut. Abends haben wir zusammen mit Freunden Persico getrunken, allerdings nicht aus kleinen Schnapsgläsern, sondern aus normalen Wassergläsern. Als unsere Freunde dann zu Hause in einem Lokal Persico bestellten, waren sie total überrascht, dass sie nur ein kleines Schnapsglas bekamen. „Das kann nicht stimmen“, sagten sie, „schenk mir doch mal ein vernünftiges Glas ein.“ Ab diesem Jahr haben wir uns jedes Jahr mit unseren Freunden in Sylt am Strand getroffen. Unsere Gruppe wurde immer größer und oft haben wir mit 30 Leuten zusammen am Strand gegrillt und bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.“ 

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