Die Deutsche Bahn langt auf Twitter mal wieder hart daneben

Ein Paradox: Eine Antwort, die immer und gleichzeitig nie passt.
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa / Bearbeitung: jetzt

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Die Deutsche Bahn und Social Media haben eine Love-Hate-Beziehung, die mindestens so episch ist wie die in Jane Austens „Stolz und Vorurteil“. Unvergessener Höhepunkt dieser On-off-Beziehung ist das PR-Desaster 2019 rund um das Foto der im ICE auf dem Boden sitzenden Greta Thunberg – direkt unter einer Werbung für den Komfort-Check-in der Bahn. Autsch. Hämische Kommentare auf Twitter waren da nur der Beginn. 

Am Donnerstag kam es zum neuesten Zerwürfnis auf Twitter. Alles begann, wie so oft, mit einer Beschwerde. Cornelius W. M. Oettle, der als Autor für die Satirezeitschrift Titanic schreibt, twitterte an die Deutsche Bahn gerichtet: „Würde gerne für euer Bahn-Magazin einen Text über einen fiktiven Mann schreiben, der seine Bahncard 50 auf BC 25 reduziert hat, aber für den exakt gleichen Zeitraum eine zusätzliche BC 50 zugestellt bekam & nun beide bezahlen soll.“ Es ging also darum, dass Oettle sein Abo reduzieren wollte, stattdessen jetzt aber doppelt zahlen sollte. Oettle warf der Bahn vor, eine Falle gebaut zu haben, die eine solche Abo-Reduzierung verhindere. Sein Urteil: „Das zu 100% dem Staat gehörende Unternehmen @DB_Bahn ist so seriös wie ein Jamba-Sparabo.“ 

Die Social-Media-Abteilung versuchte daraufhin, den Schaden zu begrenzen. Ob er sich denn schon an den Kundendienst gewendet habe, antwortete jemand im Namen der Bahn. Oettle, dem auf der Plattform mehr als 20 000 Menschen folgen, ließ sich aber nicht abwimmeln und fragte immer wieder nach einer Erklärung. Und am Ende bekam er die auch: „Unternehmerische Entscheidung“ war die Begründung der Deutschen Bahn. Punkt, mehr nicht.   

Dass diese Antwort eher unverschämt als hilfreich oder befriedigend ist, zeigte sich schnell in den Kommentaren, in denen Unverständnis noch die positivste Reaktion war. Vor allem aber war die Antwort in ihrer schmerzhaften Kürze wie gemacht, um die Metamorphose vom Tweet zum Meme in Bestzeit hinzulegen. 

Die Twitter-User*innen sind sich nämlich ziemlich einig, dass diese Antwort ein teuflischer Geniestreich ist – die perfekte Entgegnung in wirklich jeder Situation: „Um 3:00 Uhr ins Bett gehen, manch einer mag es irre finden, ich sage: Unternehmerische Entscheidung“, schreibt eine Person etwa. Oder: „Wenn mein Mitbewohner mich fragt warum ich den ganzen Samstag Bundesliga gucke obwohl ich jeden Tag sage dass ich lernen muss“ – ganz klar eine unternehmerische Entscheidung. Egal wie faul, geizig, ignorant oder bequem man sich verhält, mit dieser brillanten Erklärung muss man sich nie wieder schlecht fühlen: 

Natürlich hat die Social Media Abteilung der Bahn versucht, diese Memefizierung ihrer Antwort einzufangen, indem sie aus der Hüfte geschossen eine lustige Antwort auf die Frage lieferten, wie der „Unternehmerische Entscheidungs“-Tweet zustande gekommen war. Nur so lustig war die dann leider nicht. „Warum kommt der Shitstorm immer, wenn nur noch der Prakti da ist…“, kommentierte ein weiterer offizieller Bahn-Account das Geschehen. 

Oh, Bahn. Die Schuld auf die Praktikant*innen abzuschieben, ist nicht gerade die feine Art. Oder um es anders zu sagen: Diesen Tweet so abzusetzen, war wohl auch eine unternehmerische Entscheidung. Nur eben leider keine gute. Und wie sollte es anders sein: Der nächste kleine Shitstorm brach direkt herein. „Prakti-Bashing macht es gleich doppelt schlimm. Was für eine Unternehmenskultur ist das?“, schrieb etwa dieser Twitter-User

Immerhin: Wenige Stunden später war die Reue groß und man entschuldigte sich für den Prakti-Witz – sogar bei den Praktikant*innen selbst. Diesmal ganz ohne Ironie und Flapsigkeit: „Wir hätten besser wissen müssen, dass der ,alte‘ Prakti-Spruch nicht angemessen ist. Dafür möchten wir um Entschuldigung bitten. Insbesondere bei allen Praktikant:innen.“

Ob ein*e Praktikant*in auch diesen Tweet abgesetzt hat, ist nicht bekannt. 

mpu

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