Horror-Party: Auch ohne Alkohol krankenhausreif

Da half auch kein Pflaster mehr –diese Horror-Party endete im Krankenhaus.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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Wir alle vermissen Partys – und vergessen dabei leicht, dass Feiern nicht immer nur spaßig ist. In dieser Serie erzählen wir deshalb von den schlimmsten Partys, auf denen wir in unserem Leben waren. Viel zu viel Alkohol, grauslich langweilige Verwandte, emotionale Tiefpunkte – es gibt ja viel, das eine Feier vermiesen kann. Falls du selbst von einer schlimmen Party erzählen willst: Schreib uns eine Mail an info@jetzt.de! 

Horrorstufe: 8 von 10

Center of Attention: eine ganz fiese Glasscherbe

Trinkverhalten: Zu nüchtern für den Scheiß!

„Im dritten Semester waren meine Freund*innen und ich fest im Studierendenleben angekommen. Jedes Wochenende gab es mindestens eine Party, zu der man eingeladen war, oder einen Club, in dem man tanzen wollte. An einem Samstag im Oktober 2018 war schon länger die große WG-Party eines Kommilitonen angesetzt, auf die sich mein Freund*innenkreis freute. Ich hingegen war am Morgen der Party ziemlich unmotiviert, weil ich bereits am Abend zuvor gut getrunken hatte und dementsprechend verkatert war. Doch da meine ganze Clique antanzen wollte, kam ich trotzdem mit – wenn auch unter der Voraussetzung, nüchtern zu bleiben.

Daran sollte der Partyabend dann auch nicht scheitern – dafür an ein paar anderen Dingen. Der Gastgeber, unser Kommilitone, wohnte in einem schwer zu erreichenden und allgemein unbeliebten Stadtteil. Nach langer Fahrt mit den Öffis mussten wir noch gut 20 Minuten latschen – was für Dorfkinder vielleicht nicht viel ist, Studierenden in einer mittelgroßen deutschen Stadt aber durchaus die Feierlaune stehlen kann. Angekommen stellte sich recht schnell heraus, dass die Zusammensetzung von Partygästen nicht so ganz funktionierte. Ein paar Freundinnen legten sich bei einer Bier-Pong-Partie mit ein paar Typen an, die wir nicht kannten. Beide Seiten nahmen das Spiel etwas zu ernst. Der Pegel meiner Freundinnen stieg im verbissenen Bier-Pong-Battle immer weiter an. Gegen Mitternacht waren viele von ihnen im Vorgarten damit beschäftigt, ihren ehrenhaften Kampf wieder auszukotzen. Der erste Misserfolg des Abends.

Als wir gerade ein paar Partyvibes entdeckt hatten, färbte sich das Wasser in der Spüle plötzlich rot

Richtige Partyatmosphäre wollte nicht mehr aufkommen, doch ein paar von uns wollten den Abend noch nicht aufgeben. Wir beschlossen, zu einer zweiten WG-Party am anderen Ende der Stadt zu fahren. Allein der Weg dorthin war ein weiterer Misserfolg. Während die eine Hälfte versuchte, nicht in die Bahn zu kotzen, stieg die andere Hälfte doch spontan bei ihrer jeweiligen Haltestelle aus, um direkt nach Hause zu gehen. Am Ende waren wir noch eine Handvoll Überlebende, die die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hatten.

Der dritte Misserfolg: Die zweite Party war quasi schon vorbei. Als wir reinkamen, saßen noch ein paar scheue Erstis in einem Stuhlkreis und wussten nichts mit sich anzufangen. Aus Langeweile begannen eine Freundin und ich, die chaotische Küche aufzuräumen. Wir kannten den Gastgeber und wollten ihm damit einen Gefallen tun – eine Nettigkeit, die ich rückblickend absolut bereue. Wir machten uns Musik an und hatten überraschend viel Spaß daran, um drei Uhr morgens wild tanzend dreckige Gläser abzuspülen. Gerade als wir mühsam wieder ein paar Partyvibes erweckt hatten, sah ich, dass das Wasser in der Spüle auf einmal rot war. Mir war im Spülwasser ein Glas zerbrochen. Ich hatte mich an meinem Daumenknöchel sehr tief geschnitten und blutete tierisch. Misserfolg Nummer vier.

Der Schnitt tat nicht sehr doll weh, aber er war tief. Meine Stimmung steckte irgendwo zwischen Schock und Frust fest, warum das genau mir als nüchternster Person des Abends passieren musste. Wenn es an meiner eigenen alkoholisierten Dummheit gelegen hätte, hätte ich damit wahrscheinlich besser umgehen können.

Es war leider recht deutlich, dass ich nicht einfach ein Wundpflaster draufkleben konnte. Komplett überfordert rief eine Freundin den Notarzt, während ein anderer Kumpel meine Wunde im wahrsten Sinne des Wortes aufklappte, um nach Glasresten zu suchen. Die Schnittwunde wollte aber nicht aufhören zu bluten. Es war arschkalt, aber ich konnte mir nicht einmal eine Jacke überziehen, ohne sie komplett mit Blut vollzuschmieren. Letztendlich war das Krankenhaus nur einen Kilometer von der Feier entfernt – man hätte also auch einfach die Straße runterlaufen können. Der ultimative Misserfolg des Abends.

Aus dem Krankenhaus verschickte ich ein Selfie, das mittlerweile Legendenstatus in meinem Freund*innenkreis hat

Angekommen musste ich eine halbe Stunde im Behandlungsraum warten, bis jemand meinen Arm mit Verband und Klammerpflaster verarztete. Genäht werden musste es zum Glück nicht. Im Wartezimmer traf ich dann auf meine Freund*innen, die in der Zwischenzeit alle ziemlich fertig hergedackelt waren. Ich stand allerdings wieder so unter Strom, dass ich dann doch noch mein erstes Bier des Abends trank, um gut fünf Uhr morgens.

Den Freund*innen, die die Bahnfahrt zur zweiten Party nicht überstanden hatten und noch ahnungslos am Schlummern waren, schickte ich ein Selfie, wie ich mit getrockneten Mascara-Schlieren unter meinen Augen und blutigen Fingern in die Kamera starre. Die Überraschung am Morgen war groß. Das Bild hat mittlerweile Legendenstatus in meinem Freundeskreis. Ob das ein Erfolg oder Misserfolg ist, weiß ich nicht so ganz.“

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