Horror-Party: Der Joint des Grauens

Der Abend startete auf einer Parkbank – fast hätte er auch dort sein Ende gefunden.
Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

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Man vergisst leicht, dass Feiern nicht immer nur spaßig ist. In dieser Serie erzählen wir deshalb von den schlimmsten Partys, auf denen wir in unserem Leben waren. Viel zu viel Alkohol, grässlich langweilige Verwandte, emotionale Tiefpunkte – es gibt ja viel, das eine Feier vermiesen kann. Falls du selbst von einer schlimmen Party erzählen willst: Schreib uns eine Mail an info@jetzt.de! 

Horrorstufe: 2/10

Center of Attention: Die Parkbank

Trinkverhalten: (leider) nicht vorhanden

Endlich Freitag, endlich Party. Die ganze Woche über hatte ich mich danach gesehnt, denn meine letzte Partynacht war schon ein Weilchen her. Berkay hatte ich im selben Jahr in der Uni kennengelernt und Daria und ich waren Freundinnen, seit ich 15 war. Die beiden kannten einander zwar nicht, aber mit beiden hatte ich jeweils zuvor ein paar legendäre Abende gehabt. Als Berkay fragte, ob er vielleicht einen Joint mitnehmen solle, war ich sofort dabei. Macht man doch so heutzutage, oder nicht? Ich stellte es mir jedenfalls lustig vor. Daria war ebenfalls begeistert.

Wir trafen uns in der Stadt und waren alle ein bisschen aufgeregt. Natürlich freuten wir uns auf einen ganz besonderen Gast: das Gras. Wir blödelten rum und malten uns aus, was für eine coole Nacht das werden könnte und welche verrückten Dance-Moves wir später in der Bar auspacken würden. Der Abend begann also mit hohen Erwartungen. Ob er diesen gerecht werden würde?

Um in Partylaune zu kommen, gingen wir stilecht in den Park und zündeten dort den Joint an. Der Moment der Wahrheit: Nacheinander nahmen wir ein paar erste Züge. Ich versuchte, nicht zu viel zu rauchen. Viel Erfahrung damit hatte ich im Gegensatz zu den anderen beiden nämlich nicht.

Am Anfang war auch noch alles ganz lustig. Ich hatte das Gefühl, dass sich meine Wahrnehmung verlangsamte und eigentlich war ich relaxt. Berkay ging es ähnlich, Daria meinte dagegen, sie spüre nichts. Zum Zeitvertreib beobachteten wir die Leute um uns herum: zwei sehr laute Typen mit einem Bierkasten, die irgendeine Bumbum-Musik hörten. Irgendwie fanden wir das verdammt lustig und konnten nicht aufhören zu lachen.  

Das Gras hatte die Stimmung nicht nur niedergeschlagen, sondern ihr das Genick gebrochen 

Nach zwei Stunden fühlte ich mich jedoch gelähmt, hatte paranoide Gedanken und Angst. Was, wenn diese zwei betrunkenen Typen uns anpöbelten? Was wenn uns irgendjemand beobachtete? War mein Herz gerade stehen geblieben? Das Sprechen fiel mir schwer und überhaupt war ich einfach nur müde und durstig. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich hätte noch stundenlang auf der Bank sitzen und nachdenken können, doch meine Freunde, die eine bessere Laune hatten als ich, wollten weiterziehen. Na gut – für die Nacht der Nächte muss man eben Opfer bringen. Ich rappelte mich auf.

Leichter gesagt als getan. Auf dem Weg konnte ich mich nur auf das Gehen konzentrieren. Viel bekam ich ehrlicherweise nicht mit. Aber wir mussten ja nur die Bar erreichen, und dann würde alles gut werden! Leider war das in unserem Zustand nicht mehr so einfach. Irgendwann schafften wir es zwar in einen Bus, wussten aber nicht genau, wo wir aussteigen sollten. Es begann für mich also eine Fahrt des Grauens, die einfach nicht enden wollte. War ich etwa in meiner persönlichen Hölle gelandet und musste jetzt für immer in diesem leeren, dunklen Bus bleiben? Spoiler: Natürlich nicht. Die Fahrt endete. Endlich in der Bar angekommen, setzten wir uns und genossen die Wärme. Ende gut, alles gut? Von wegen. Statt zu tanzen,  saßen wir dort  völlig fertig und durchgefroren auf unseren Stühlen. Langsam sahen wir ein: Die Partylaune ist weg. Das Gras hatte die Stimmung nicht nur niedergeschlagen, sondern ihr das Genick gebrochen und sie begraben. 

Eine halbe Stunde später machten wir uns auf den Weg zurück. Der obligatorische Halt am Dönerimbiss holte uns dann immerhin von den Toten zurück. Umhüllt von Wärme und würzigem Duft aßen wir nach unserer unfassbar unspaßigen Partynacht also den leckersten 2,50-Euro-Döner jemals. Für einen Moment waren wir alle glücklich und erleichtert. Ob es am Döner lag oder daran, dass die Nacht endlich ein Ende nahm, weiß ich nicht mehr. Aber eines war sicher: Keine Experimente mehr. Das nächste Mal würden wir zum Feiern wieder auf das traditionelle Kulturgut namens Alkohol zurückgreifen.  

* Unsere Autorin will nicht, dass alle Menschen sie nur noch mit Gras in Verbindung bringen und bleibt aus diesem Grund lieber anonym. Sie ist der Redaktion aber bekannt. 

Außerdem: In dieser Folge geht es ums Kiffen. In Deutschland soll es rund 3,7 Millionen Menschen geben, die Marihuana konsumieren– und längst nicht alle kiffen aus medizinischen Gründen. Zum Feiern gehört es für viele dazu, deswegen haben wir uns entschlossen, diese Geschichte zu erzählen. Wenn du wissen willst, wie gefährlich Kiffen wirklich ist, schau doch mal hier vorbei. 

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