Rapper Chefket sammelt mit Hanau-Song Spenden für die Hinterbliebenen

Foto: Stefan Joham

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„Bist du wach?“. So hieß der Track, den Rapper Azzi Memo im April 2020 herausbrachte. Ein Benefizsong im Andenken an die Opfer des rechtsextremen Anschlags in Hanau, der zu dem Zeitpunkt zwei Monate zurücklag. Und: ein musikalisches Statement gegen Rassismus. Azzi Memo, der mit bürgerlichem Namen Mehmet Seyitoğluheißt, kommt selbst aus Hanau. Beim Anschlag am 19. Februar verlor auch er Cousin Ferhat Unvar und Freund Sedat Gürbüz. Ein Rassist ermordete sie und sieben weitere Menschen: Gökhan Gültekin, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Hamza Kurtović und Kaloyan Velkov. Insgesamt beteiligten sich damals 18 Künstler*innen an dem Benefiz-Track „Bist du wach?“, darunter Kool Savas, Celo & Abdi, Manuellsen, Rola und Credibil. Der Erlös ging an die Amadeu Antonio Stiftung, die sich für die Hinterbliebenen des Anschlags einsetzt.

Heute jährt sich der Anschlag in Hanau zum ersten Mal. Und wieder gibt es einen Benefiz-Track, dessen Erlös den Hinterbliebenen zugutekommen soll – diesmal von Rapper Chefket. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich in seiner Musik politische Themen anspricht und sich gegen Rassismus positioniert – zuvor zum Beispiel in seinem Track „Made in Germany“ in dem er deutsche Waffenexporte in Krisengebiete kritisierte. 

Die ersten 30 Sekunden teilte Chefket schon mit seinen Follower*innen auf Instagram

Ziel seiner Aktion um den Hanau-Song ist es nun, Spenden für Angehörige zu sammeln, sowie politische Solidarität und Sichtbarkeit zu fordern. Auf Instagram postete Chefket ein Video, in dem er zu Solidarität aufruft, die man jetzt mit den Betroffenen zeigen solle, „auch als Hip-Hop-Community“. Er erklärt in dem Video auch den Ablauf seiner Spendenaktion: Einen Screenshot der Spende an die „Initiative 19. Februar“ in die eigene Insta-Story posten, Chefket verlinken und mit den Hashtag „#Hanauistüberall“ versehen. Daraufhin wird der Rapper den Song einzeln und exklusiv an diejenigen verschicken, die mitmachen. Erst später soll er dann offiziell auf allen gängigen Streaming-Plattformen veröffentlicht werden. Die ersten 30 Sekunden teilte Chefket allerdings schon mit seinen Follower*innen auf Instagram: „Leute haten, nur weil du den Mund aufmachst / Denn nach Hanau fanden keine Unruhen statt / Sogenannte fremde Namen gehen unter / Ich seh die Zukunft und die Farben werden bunter / Keine Zeit für Hass, denn dieser Vater ist auch Unser / Tränen tropfen auf die Erde. Petrichor“, rappt er da.

Dass deutsche Rapper mit Migrationsgeschichte dem Anschlag in Hanau musikalisch gedenken, hat eine Kontinuität 

Chefket unterstützt damit die „Initiative 19. Februar“, die Angehörige und Überlebende nach dem Anschlag von Hanau gegründet hatten. Sie fordern seither Aufklärung und politische Konsequenzen. Die Spendenaktion wird unter anderem von Autor und Rapper Roger Rekless unterstützt. In einem schriftlichen Statement gegenüber jetzt erklärt er, warum: „Sie kämpfen gegen das Vergessen.“ Und Musik könne da auch ein wichtiges Mittel sein, diesen Kampf zu unterstützen: „Um es in den Worten der Initiative zu sagen: Erinnern heißt verändern!“

Dass deutsche Rapper mit Migrationsgeschichte dem Anschlag in Hanau musikalisch gedenken, hat schon eine gewisse Kontinuität. Denn noch vor den Benefiz-Songs von Chefket und Azzi Memo, war es Apache207, der mit einem Auftritt ein Zeichen setzte. Am 24. Februar 2020, nur wenige Tage nach dem Anschlag, trat er in der Fernsehshow „Late Night Berlin“ auf. Als er seinen Track „Matrix“ performte, entblößte er ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Pray for Hanau“.

fsk

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