Wieso aus der „Jungs-Mädchen-Frage“ künftig „Querfragen“ wird

Nach 15 Jahren verändern wir unsere Freitagskolumne. Hier erklären wir, wieso.
Von Charlotte Haunhorst

Die Jungs-Mädchen-Frage war einmal – ab nächster Woche gibt es Querfragen.

Foto: SaS. / photocase.de; Bearbeitung: jetzt

Liebe Leser*innen,

im Jahr 2005, nach der Einstellung des Print-Magazins, begannen wir auf jetzt (das damals noch jetzt.de hieß) mit einer neuen Rubrik: die Jungs-Mädchen-Frage. „Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs – denn Manches kapiert man bei denen einfach nicht“ stand im Vorspann und dieser Satz erklärt eigentlich schon ziemlich allumfassend das Format. 

Bei der Jungs-Mädchen-Frage ging es von Anfang an ziemlich viel um Sex („Jungs, wie fühlt ihr euch, wenn ihr das Kondom überzieht?“), Feminismus („Jungs, warum wollt ihr keine Feministen sein?“), aber auch um lustige Alltagsbeobachtungen („Mädchen, warum zieht ihr euch so komisch aus?“). Am Ende ging es aber eigentlich um eines: unseren Umgang mit Klischees. In der Jungs-Mädchen-Frage wurde mit Stereotypen und Tabus gebrochen, die Rubrik hatte schnell viele Fans. Auch heute noch ist die Kolumne eines unserer meistgelesensten Formate. 

„Jungs fragen Mädchen“ schließt viele Menschen aus

Gleichzeitig haben wir als Redaktion in den vergangenen Jahren gemerkt, dass wir uns mit dem Format immer weniger wohl fühlen. Nicht, weil die dort behandelten Fragen nicht aktuell wären – immer noch erreichen uns regelmäßig Fragen aus der Leserschaft, die beantwortet werden wollen. Sondern weil die Aufteilung der Welt in „Jungs“ und „Mädchen“ nicht mehr zeitgemäß ist.  Junge Frauen wollen nicht mehr als „Mädchen“ bezeichnet werden, viele empfinden das als verniedlichend und herabwürdigend. 

Das noch größere Problem ist allerdings aus unserer Sicht, dass „Jungs fragen Mädchen“ all die Menschen ausschließt, die sich vielleicht keinem der beiden Geschlechter zuordnen. Und oft auch solche, die nicht heterosexuell sind. Eine Weile haben wir versucht, das aufzubrechen, indem wir neue Konstellationen wie „Hetero Jungs fragen schwule Jungs“ („Wie funktioniert euer Gaydar“) ausprobiert haben. Einen regelmäßigen Platz haben diese Fragen aber nie in dem Format bekommen.

Für das Jahr 2020, 15 Jahre nach Einführung der Rubrik, haben wir uns deshalb Großes vorgenommen: Wir schaffen die Jungs-Mädchen-Frage ab. An ihre Stelle wird „Querfragen“ treten. Weiterhin ein Dialog-Format, aber eben eines, in dem auch queere Personen zu Wort kommen. Bei den Querfragen werden weiterhin Fragen von Männern an Frauen an Männer ihren Platz haben. Es werden aber auch trans Männer über Männlichkeit sprechen, non-binäre Menschen darüber, wie wichtig ihnen die richtige Bezeichnung ist, und lesbische Frauen darüber, welche Klischees sie am meisten nerven. Es wird um Homophobie im Fußball gehen und darum, was Dragqueens davon halten, dass sie jetzt (zumindest teilweise) im Mainstream angekommen sind. 

Querfragen wird anstelle der Jungs-Mädchen-Frage jeden Freitag in Schriftform erscheinen, die erste am 17. Januar, also genau in einer Woche. Der erste „Querfragen“-Podcast kommt schon am 12. Januar. Dann geht es im  zwei-Wochen-Takt weiter. Er erscheint immer sonntags auf jetzt, Spotify, iTunes und überall, wo man Podcasts hören kann. 

Es reicht nicht mehr, Menschen „mitzumeinen“ oder „über sie“ zu berichten

Als junges Magazin ist es unser Job, zu beobachten, wie die Welt sich ändert. Und manchmal ist es dann eben auch unser Job, Inhalte anzupassen, die wir nicht mehr als zeitgemäß empfinden. Gerechtigkeit spielt für die derzeitige junge Generation eine enorme Rolle. Dafür gehen Menschen mit „Fridays for Future“ auf die Straße, dafür setzen sie sich in den sozialen Medien, aber auch in der Politik ein. Dieser Wunsch nach Gerechtigkeit hat viel mit Repräsentanz zu tun – und damit auch mit Sprache und mit uns Medienschaffenden. Es reicht nicht mehr, Menschen „mitzumeinen“ oder „über sie“ zu berichten. Stattdessen muss man sie bewusst benennen und zu Wort kommen lassen. 

Das ist auch der Grund, aus dem wir auf jetzt seit Mai 2019 geschlechtergerechte Sprache nicht mehr aus Texten herausredigieren. Stattdessen stellen wir denjenigen, die für uns schreiben, frei, wie sie Menschen benennen. Und bezeichnen sie selbst am liebsten als Autor*innen. Es ist aber auch der Grund, weshalb aus der Jungs-Mädchen-Frage zukünftig Querfragen wird. Wir hoffen, dass euch das neue Format gefällt.

Eure jetzt-Redaktion

PS: Wer eine Querfrage stellen möchte, kann das wie gehabt auch weiterhin tun. Zum Beispiel über info@jetzt.de, oder über unsere Social-Media-Kanäle wie zum Beispiel Instagram, Facebook und Twitter

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