„Ich träume davon, eine europäische Frau zu heiraten“

Mohammed, 22, lebt in Ägypten und hatte jahrelang Sex mit Touristinnen. Heute sehnt er sich nach einer Frau, die es ernst mit ihm meint.
Protokoll von Alexander Gutsfeld
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Die Heirat mit einer Europäerin ist Mohammeds Wunsch.

Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

Potente Machos und prüde Jungfrauen. Über arabische Männer und Frauen gibt es viele Vorurteile. In der Kolumne „Sex auf arabisch“ reden sie über Geschlechterrollen, Liebe und Sex – und ihr Verhältnis zu Deutschland. Mohammed, 22, lebt in Ägypten und sehnt sich nach einem gemeinsamen Leben mit einer Europäerin. Er erzählt:

„Ich war noch nie in Europa. Trotzdem habe ich schon mit vielen europäischen Frauen geschlafen, darunter auch mit vielen Frauen aus Deutschland. Denn ich habe im ägyptischen Ferienort Hurghada gearbeitet. Dort traf ich bis zum Ausbruch des Coronavirus täglich auf Touristinnen. Heute lebe ich in Luxor und träume immer noch davon, eines Tages eine Europäerin zu heiraten. Aber leider suchen die meisten Touristinnen bei mir eher Sex als die große Liebe. Die endet normalerweise spätestens dann, wenn die Frau im Flieger zurück nach Deutschland sitzt – und beginnt, mich zu vergessen.

Ich komme aus einer armen Familie und habe gearbeitet, seitdem ich acht Jahre alt bin: als Kellner in einem Café, als Hilfskraft in einem Elektroshop, als Putzmann in einem Restaurant. Mit sechzehn bin ich zum Geld verdienen von Luxor nach Hurghada gezogen. Auch dort konnte ich mich nur mit Gelegenheitsjobs durchschlagen. Geld verdiente ich kaum. Ich überlegte schon, wieder zurück nach Luxor zu ziehen. Bis ich einen Job als Ticketverkäufer in einem Nachtclub bekam und dort lernte, wie man Frauen anspricht.

Im Club begegnete ich auch der Frau, mit der ich meinen ersten Sex haben sollte. Sie war Russin und küsste mich einfach auf dem Mund. Später haben wir eine kleine Wohnung für die Nacht gemietet. Ägyptern wie mir ist es in Hurghada nämlich verboten, im Hotelzimmer einer Touristin zu übernachten. Also gab sie mir 150 ägyptische Pfund, um die Wohnung zu bezahlen. Ich sagte ihr, dass eine Nacht nur 75 Pfund kostete. Sie antwortete: „Dann bleiben wir eben zwei Nächte!“ Am Ende blieben wir den gesamten restlichen Urlaub in der Wohnung. In dieser Zeit habe ich kein einziges Pfund ausgegeben: Sie hat die Miete übernommen, alle Taxifahrten und Restaurantbesuche.

„Für mich ist das keine Prostitution“

Nachdem sie zurück nach Russland geflogen war, habe ich sie nie wieder gesehen. Aber ich fing an, mich mit anderen Touristinnen zu treffen. Manche Frauen traf ich nur, um mit ihnen Spaß zu haben. Andere gaben mir Geld, wenn wir uns sahen. Ohne, dass ich sie danach gefragt hätte. Reich bin ich dadurch nicht geworden, aber leichter hat es mein Leben trotzdem gemacht.

Manche Touristinnen wissen, dass die Ägypter, die hier arbeiten, nicht viel Geld haben. Also geben sie ihnen Geld oder machen ihnen Geschenke, um ihnen zu helfen. Ich persönlich finde es okay, eine europäische Freundin nach Geld zu fragen, wenn ich selbst keines habe. Für mich ist das keine Prostitution. Man tauscht schließlich nicht Geld für Sex, sondern bittet nur seine Freundin um Hilfe. Das finde ich nur dann falsch, wenn man eigentlich genügend Geld hat. Trotzdem gibt es Frauen, die mich verlassen haben, als ich sie um Geld gebeten habe. Weil sie nicht verstanden haben, in welcher Lebenssituation ich mich befinde und dachten, dass ich ihr Geld in einer Bar für Alkohol ausgebe. Und nicht für meine Eltern, denen ich regelmäßig Geld schicke.

Ich glaube nicht, dass ich je eine ägyptische Frau heiraten werde. Das Hochzeitsfest ist nämlich unglaublich teuer und muss in Ägypten vor allem vom Ehemann bezahlt werden. Eine Ehe mit einer Europäerin kostet dagegen nichts. Deswegen hoffe ich, dass ich irgendwann eine Touristin finde, mit der ich eine Familie gründen kann. Besonders reich muss meine zukünftige Ehefrau nicht sein. Aber ehrlich sollte sie sein. Ich würde mit meiner Frau gerne einen Souvenirladen eröffnen – oder zu ihr nach Europa ziehen. Ehemann und Ehefrau müssen füreinander da sein und sich gegenseitig helfen.

Ich frage mich oft, warum so viele europäische Frauen nach Ägypten kommen, um dort mit ägyptischen Männern zu schlafen. Ich glaube nicht, dass europäische Männer schlecht im Bett sind. Aber ich glaube, dass es einen Unterschied zwischen europäischen und ägyptischen Männern gibt: Anders als wir sind die Männer in Europa ständig am Arbeiten. Sie haben nicht genug Zeit, um mit ihren Frauen regelmäßig zu schlafen. Wir Ägypter dagegen haben 24 Stunden am Tag Zeit für Sex. Weil wir kaum Arbeit haben.

„Beide Beziehungen gingen in die Brüche, als die Frau zu mir nach Ägypten zog“

Vielen Touristinnen gefällt es, dass die Männer in Hurghada ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken. Also kommen sie immer wieder zurück. Darunter sind viele ältere Frauen und Frauen, die in Europa kaum Aufmerksamkeit von Männern bekommen, weil sie nicht so hübsch sind. Die Männer hier tun dagegen alles für sie. Sie machen ihnen Komplimente und gehen mit ihnen romantisch essen. Das tun viele auch, weil sie Geld von ihnen wollen. Sie hoffen, dass ihnen die Frau irgendwann vielleicht ein Auto oder eine Wohnung schenkt. Oder sie nach Europa holt. Andere Männer verlieben sich wirklich, werden aber spätestens dann von der Frau vergessen, wenn sie wieder in Europa ist.

Ich war zweimal verliebt. Einmal in eine deutsche Frau, einmal in eine Engländerin. Beide Beziehungen gingen in die Brüche, als die Frau zu mir nach Ägypten zog. Die deutsche Freundin fing nach sechs Monaten in Hurghada an, sich mit anderen ägyptischen Männern zu treffen. In Europa mag das normal sein, aber in Ägypten geht das normalerweise gar nicht. Alle hier dachten, dass sie mit diesen Männern schläft und sprachen schlecht über sie. Ich sagte ihr, dass sie sich an die gesellschaftlichen Normen in Ägypten halten müsse, wenn sie hier lebt. Sie antwortete nur, dass das nicht meine Sache sei. Als sie sich weiter mit anderen ägyptischen Männern traf, habe ich mich von ihr getrennt.

Vor eineinhalb Jahren bin ich zurück nach Luxor gezogen. Hier habe ich aufgehört, so viele Touristinnen zu treffen. Denn 99 Prozent von ihnen suchen hier nur ein kurzes Abenteuer. Seit Corona kommen gar keine Touristinnen mehr nach Ägypten. Den Menschen hier geht es jetzt noch schlechter. Ich habe zum Glück wieder einen Job in einem Elektroladen gefunden. Trotzdem warte ich immer noch auf die europäische Frau, die es ernst mit mir meint. Mit ihr möchte ich erst schlafen, wenn wir geheiratet haben. Denn nach fünf Jahren in Hurghada sehne ich mich nach echter Liebe, nicht nach Sex.“

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